Irland, Reisen, Weltreise

Magisches Irland

Was macht die Faszination eines Landes aus? Schwer zu sagen. Mit manchen Ländern, die ich bereist habe, bin ich einfach nicht warm geworden, von anderen Reisen schwärme ich bis heute – das Gefühl kennt glaube ich jeder von uns. Dazu können viele Dinge beitragen, ganz unterschiedliche Dinge und für jeden andere. Die Landschaft und Natur zum Beispiel (wie in Schottland), bestimmte Sehenswürdigkeiten (wie eigentlich ganz Paris), einzelne Großstädte (wie Lissabon) oder einfach die Menschen, die darin leben. Manche Länder gefallen einem einfach besser als andere – ohne dass man sagen könnte warum. Wir fühlen dann eine gewisse Verbundenheit mit ihnen, wie Sympathie gegenüber einem Freund oder Bekannten.

Irland ist so ein Land für mich.

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Zu sagen warum, fällt mir schwer. Dabei hat Irland in jedem der oben genannten Felder einiges zu bieten: Dublin ist eine coole Stadt, die Iren sind ein nettes (wenn auch etwas eigenwilliges) Völkchen und Irland wird nicht umsonst „die grüne Insel“ genannt. Aber das ist es nicht; jedenfalls nicht nur.

Irland hat mehr, mehr Charme, mehr Gefühl, mehr Magie. Manches davon ist für jeden gleich offensichtlich, anderes liegt tiefer unter der Oberfläche verborgen. Vielleicht liegt es daran, dass ich in Irland gewohnt habe und so viele gute Erinnerungen an dieses Land habe, aber für mich reichen schon wenige Augenblicke, um mich ganz angekommen zu fühlen.

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Um 18:20 Uhr landet unser Flieger in Dublin. Wir laufen müde, aber gut gelaunt, durch die Flughafenhallen zum Gepäckband. Das erste, was mir ins Auge fällt, sind die Hinweisschilder, die mich von der Decke herab begrüßen. „Fàilte“, steht dort geschrieben und darunter: „welcome“. Ich kann mir das erste Grinsen nicht verkneifen. Wir holen unsere Rucksäcke und laufen auf der Suche nach dem Bus nach draußen. Draußen wird es langsam dunkel und es weht ein frischer Wind. Wir biegen einmal falsch ab, hasten zurück in die Wartehalle und gehen auf der anderen Seite nach draußen. Uns empfängt ein kurzer Schauer, der, während wir warten und nachher im Bus sitzen, mal stärker und mal schwächer vom Himmel herunterprasselt, mal ganz verschwunden ist. So weit, so normal.

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In dieser kleinen Episode – Wetter und Straßenschilder – liegt eine Menge von dem, was für mich den Charme Irlands ausmacht. Ohne das Wetter zu erwähnen kann ich keinen Text über Irland schreiben; in den letzten vier Wochen war es unser treuer Begleiter. Apokalyptische Regenschauer wechseln sich mit warmen Sonnenstrahlen ab, heftige Winde zwingen uns dazu, eine Wanderung abzubrechen, dichter Nebel verdirbt uns die Aussicht und zerfasert ebenso schnell über dem Meer. All das ändert sich rasend schnell. Über dem Atlantik ziehen die Wolken so eilig über den Himmel, dass wir denken, in einem Video mit Zeitraffer festzustecken. Bei einer Wanderung entdecken wir einen Strand und können uns nicht entscheiden, an was er uns erinnert – eher an die Mittelmeerküste (bei Sonne) oder an norwegische Fjorde?

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Dabei ist das Wetter keineswegs „schlecht“ – nur wahnsinnig wechselhaft. Irland hat viele Gesichter. „Man kann hier alle vier Jahreszeiten einem Tag erleben“, sagen die Iren über die Insel. Und: „Wenn du wissen willst, welches Wetter es wird, schau aus dem Fenster.“ Die Menschen sind dem Wetter und der Natur in gewisser Weise ausgeliefert; mit dem Wetterbericht können wir meist den Garten düngen. All das macht uns demütig und erinnert uns daran, wie abhängig der Mensch von der Natur ist, trotz all seiner technischen Errungenschaften. Es bleibt ein sehr ursprüngliches Gefühl in uns zurück, eine Verbundenheit mit dem Land und der Umwelt. So viel zum Regen.

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Mein zweiter erster Eindruck, das Gälische, führt mich zu Irlands Kultur. Die Iren selbst gehen mit den meisten Dingen, gerade dem Wetter, gelassen um. In meiner Zeit in Maynooth ist keine einzige Veranstaltung, kein Fußballspiel, keine Wanderung, keine Exkursion wegen des Wetters ausgefallen, ob bei Regen oder Sturm. Die Iren müssen sich eben damit arrangieren und außerdem kann sich sowieso das größte Unwetter in ein paar Minuten in strahlenden Sonnenschein verwandeln. Gelassenheit bringt einen hier weiter als Verbissenheit.

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Die irische Kultur habe ich als sehr sympathisch, aber auch sehr seltsam kennengelernt. Natürlich hat jedes Land seine eigene Kultur, aber die irische hat etwas leicht melancholisches, das mich immer fasziniert hat. Wie die Iren mit ihrer Geschichte und Kultur umgehen, ist für mich genauso außergewöhnlich wie erstrebenswert: Nicht mit so offensivem Nationalstolz wie in Amerika, aber auch nicht so negativ wie hier in Deutschland.

Das Symbol dafür sind für mich die gälischen Straßenschilder. Alles ist in doppelter Ausführung geschrieben, einmal in Englisch, einmal in Gälisch, ob Verkehrsschilder, Karten oder Flyer im Museum. Dabei spricht bis auf wenige gälisch-sprachige Gebiete im Westen (genannt: „Gaeltacht“) kaum ein Ire gälisch – trotzdem ist es fester Bestandteil des Landes und läuft einem immer wieder über den Weg. Dieses Land zelebriert seine Kultur, seine Andersartigkeit und ist auf fast trotzige Art stolz auf seine Geschichte. Welches Land hat schon eine ganze Handvoll eigenartiger Sportarten, die trotzdem Tausende faszinieren? Die Welt spielt heute Fußball, Irland immer noch Hurling oder Camogie.

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Irland hat im besten Sinne etwas Altes, in die Jahre gekommenes: Überall stehen im Land verteilt mittelalterliche Ruinen und Bauwerke herum, und die Steinmauern, die die Schafsweiden eingrenzen, sehen aus wie aus einem vergangenen Jahrhundert. Und der Titel der grünen Insel ist wohl verdient: Das Gras ist immer grüner auf der anderen Seite, aber nicht so grün wie irische Wiesen… Dazu ist das Land so unglaublich weitläufig und gibt uns immer wieder das Gefühl, ganz allein mit unseren Gedanken zu sein.

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Wer weiß, ob andere Reisende genauso denken, aber ich habe mich in die Magie Irlands verliebt. Die Schönheit der Insel erschließt sich vielleicht erst auf den zweiten oder dritten Blick, aber mir reichen mittlerweile die gälischen Willkommensschilder und ein paar Regentropfen, um mich daran zu erinnern. Vielleicht macht das ein Land zu etwas Besonderem: unsere Gedanken und Gefühle während wir es bereisen – unsere Erinnerungen. Und in diesen ist Irland ein Land voller Magie, das ich gerne noch öfter bereisen möchte – ob das Wetter mitspielt oder nicht.

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