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Hinter der Brücke ins Nirgendwo

Am Ende unseres ersten Tageausflugs in Pai stand dann noch einmal ein echtes Highlight an: die Bamboo Bridge im Südwesten von Pai. Der Weg dorthin war allerdings abenteuerlich: Schon die Ruckelpiste zum Pam Bok Wasserfall stellte unseren Roller vor kleinere Probleme, der Weg danach brachte ihn an seine Belastungsgrenze – an einem Punkt wurde die Straße so steil, dass Suzan hinten absteigen musste, um unser Gewicht zu reduzieren. Ganz am Ende mussten wir sogar einen kleinen Fluss auf dem Roller durchqueren. Dementsprechend waren wir heilfroh, oben angekommen zu sein und versuchten erst einmal, wieder zu Atem zu kommen. Einfach war das nicht, da schon das Nudelrestaurant davor einfach wahnsinnig schön aussah… wie aus einem Land vor unserer Zeit.

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Lange währte die Ruhe jedoch nicht, denn schnell brachte die Schönheit dieses Ortes unsere Herzen zum Klopfen.

Vor uns liegt nun also die Brücke. Wir laufen vorbei an den kleinen Hütten und Ständen und schon der erste Eindruck haut uns von den Socken. Niemals hätten wir gedacht, dass Reisfelder so grün leuchten können! Weit und breit ist nichts anderes als Reispflanzen, die jetzt am Ende der Regenzeit in voller Pracht stehen. Und im knietiefen Wasser – durchaus mal interessant zu sehen, wie diese Pflanze, die die Welt ernährt, in Natur aussieht und wächst.

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Wir betreten also die Brücke und laufen mitten hinein in die grüne Paradies, nur begleitet von einer Handvoll anderer Touristen.

Die Brücke unter uns erscheint uns als Wunderwerk der Baukunst. Die Pfeiler unten sind zwar aus Metall, die eigentlichen Streben aber bestehen einfach nur aus übereinandergelegter Bambusrinde. Diese wird kunstvoll ineinander verschlungen und dann festgeklemmt; das Resultat knarzt zwar und wippt beim Laufen mit, wirkt ansonsten aber erstaunlich stabil.

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Für die überdachten Hütten, die alle paar Meter auf der Brücke errichtet sind, gilt das aber nur bedingt: Von einer Plattform bringe ich mich lieber schnell wieder in Sicherheit, da ich Angst habe, dass sie unter meinen Füßen zusammenbricht.

Weiter geht der Weg durch das endlose Reismeer und bietet herrliche Aussichten. Am Horizont ragen die Berge Nordthailands in die Höhe, die Hänge bedeckt der Dschungel, in den Reisfeldern stehen ein paar traditionelle Hütten aus Holz. Auf einer größeren Plattform bauen ein paar Dorfbewohner einen kleinen Tempel – ihre Materialien sind Holz, Bambus und ein paar Nägel.

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Dieser ganze Ort ist wie eine Zeitmaschine… Hier finden wir das Asien, das wir auf unserer Weltreise gesucht haben. Die Sonne scheint prall vom Himmel und spiegelt unsere Gefühle.

Die Brücke führt weiter ins scheinbare Nirgendwo, immer weiter, ohne Abzweigung oder sichtbares Ziel. Viele der Touristen drehen wieder um, gesättigt von den tollen Ausblicken auf der Brücke. Wir sind neugierig, wo sie hinführt. Über einen Kilometer lang windet sie sich erst durch die Reisfelder, dann durch über einen kleinen Fluss, dann wieder durch Reisfelder. Vor uns taucht ein waldiger Berghang auf; zwischen den Wipfeln ragen die Spitzen dunkler Gebäude auf. Ein Tempel!

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Auf einer parallel verlaufenen Bambusbrücke sehen wir dann auch zwei Mönche in ihren unverwechselbaren orangefarbenen Gewändern herumspazieren.

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Mit großen Augen laufen wir weiter auf das Tempelportal zu. Es steht offen. Davor hängt ein Schild: Nur am Heiligen Tag des Buddhismus geöffnet. Ist der heute? Fragende Blicke, auch bei den letzten verbliebenen Mitreisenden hinter uns. Schließlich gehen wir einfach hinein und bald treffen wir zwei weitere Mönche, die offenbar nichts gegen unsere Anwesenheit haben. Wir können unser Glück kaum fassen. Wie hoch ist bitte die Wahrscheinlichkeit, hier durch Zufall ausgerechnet am Heiligen Tag aufzukreuzen?

Steinerne Treppen führen hinauf in den Wald zu einem kleinen Schrein. Ein seltsamer Ort: Das Innere des Schreins bildet ein Miniaturtempel aus Glas, der unter einer Glocke platziert ist. Darum herum stehen…Zelte. Ja, richtig gelesen, Zelte. Da geht uns auf, dass dies mitnichten ein Tempel ist, wie man sie in Thailand fast an jeder Straßenecke trifft, sondern vielmehr ein Kloster in dem die Mönche in Abgeschiedenheit leben, meditieren, die Einsamkeit suchen und eben auch Besucher empfangen. Kein Gold, kein Prunk, keine verzierten Buddha-Statuen – dieser Ort hier ist anders als die Tempel in den Städten.

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Nichts ist mehr zu hören von den Gesprächen der Touristen, dem Sirren der Libellen, dem Hämmern der Arbeiter. Die Stille umfängt uns wie an einem Ort jenseits von Raum und Zeit. Wir sind ganz allein, allein mit uns und unseren Gedanken. Ein magischer Ort.

Mit offenen Augen erklimmen wir weiter den Berg und erkunden das Areal. Es gibt nicht viel Spektakuläres zu sehen und doch berührt uns die Szenerie. Kleine Bäche fließen sanft den Berg hinab, der Weg wird von hohen Bäumen überdacht, Blumen stehen am Rand des Weges, der sich in Kurven an den Häusern der Mönche und einigen kleineren Schreinen vorbeiwindet. Bis auf die beiden Mönche am Eingang und zwei weitere am Hang begegnet uns niemand. Wir sind jetzt schon hunderte Meter weiter gelaufen als wir eigentlich vor hatten als wir den ersten Fuß auf eine wacklige Bambuskonstruktion in den Reisfeldern gesetzt haben.

Der Wald und die Siedlung ist weitläufig und stellt uns immer wieder vor Rätsel. Ein paar Meter neben dem Weg am Hang sehen wir zum Beispiel eine größere Buddha-Statue, vor der etwas steht, das wie ein Thron aus Holz aussieht. Wofür ist der gut? Wer sitzt darauf? Wir wissen es nicht. In diesen Augenblicken entfaltet das Kloster in den Bergen eine Mystik, die schwer zu greifen ist.

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Schließlich endet unser Weg doch noch: Die höchsten Gebäude sind für Besucher nicht zugänglich. Leichten Herzens drehen wir um und schwelgen noch einmal in all den Eindrücken, die dieser Ort uns geboten hat. Und uns steht ja noch der einen Kilometer lange Rückweg durch die Reisfelder bevor, die uns mit ihren leuchtenden Farben sofort wieder ihren Bann ziehen.

Als wir wieder bei unserem Roller angelangt sind haben wir beide ein Lächeln auf dem Gesicht. Dieser Tag hatte einfach alles, was diese Weltreise für uns zu etwas Besonderem macht: Atemberaubende Landschaften, eine faszinierende Kultur, eine Prise Abenteuer und etwas, das man schwer in Worte fassen kann. Ruhe. Frieden. Freiheit. Eben besondere Orte, über die man manchmal stolpert wenn man es am wenigsten erwartet.

 

4 Comments

  1. Avatar

    Steffi

    22. Oktober 2017 at 22:34

    Toll, lieber Juli und liebe Suzan! Ich fühle mich, als wäre ich ein Stück weit dabei! Genießt es! ?

    1. Suzan

      Suzan

      26. Oktober 2017 at 9:24

      Danke dir, das freut uns sehr 🙂 Liebe Grüße!

  2. Avatar

    Heidi

    26. Oktober 2017 at 22:48

    Dies ist bislang mein Lieblingseintrag! Stelle mir die unglaubliche Ruhe auf dem Brückenweg vor. Ein Wunschtraum!

    1. Suzan

      Suzan

      27. Oktober 2017 at 5:49

      Danke Heidi! Ja, es war wirklich sehr meditativ, da entlang zu gehen 🙂

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