Asien, Reisen, Thailand, Weltreise

Endlich Strand!

In unseren ersten drei Wochen in Thailand haben wir unzählige Tempel besichtigt, zwei Städte erkundet, ein Hippie-Paradies entdeckt und eine Woche in einem Waldkloster verbracht – aber keinen einzigen Strand gesehen. Nicht gerade typisch für den ersten Thailand-Urlaub… Das mussten wir ändern! Unser letztes Reiseziel in Thailand hieß daher Phuket. Die Insel liegt im Südwesten Thailands an der Adamanensee und ist, wie wir bald herausfinden sollten, eines der beliebtesten Reiseziele des Landes.

Nachdem wir mit dem Flugzeug von Chiang Mai aus gelandet waren, verbrachten wir zunächst einen Tag in Phuket City und waren von der Stadt nicht übermäßig beeindruckt. Suzan fand, sie hatte Charme, ich fand sie eher schlicht und ein bisschen hässlich. Am sehenswerten war da noch die Altstadt von Phuket City, wo wir etwas sahen, was wir lange Zeit nicht mehr zu Gesicht bekommen hatten: westliche Bauten. Da Thailand im Gegensatz zu vielen anderen südostasiatischen Ländern niemals Kolonie war, fehlen dem Land die Kolonialbauten, die es etwa in Myanmar, Vietnam oder Malaysia zu bestaunen gibt. In Phuket City gab es allerdings eine portugiesische Handelsniederlassung, die bis heute ihre Spuren hinterlassen hat.

Anstatt mit zeitlosen Bauwerken überraschte uns die Stadt (und die Insel) mit temporärem, nämlich Markständen und Garküchen, die auf einer großen Straße aufgebaut waren. Die Bevölkerung Phukets feierte während unseres Aufenthalts nämlich das Fest der neun Kaisergötter. Dieses wird von chinesischstämmigen Thais an den ersten neun Tagen des neunten Monats nach dem chinesischen Mondkalender gefeiert. Alle Teilnehmer tragen weiße Kleidung und verzichten zehn Tage lang auf Nahrung tierischen Ursprungs, Zwiebeln, Knoblauch und Tabak. So sollen Körper und Geist gereinigt werden.

Für uns war das eine tolle Gelegenheit, einheimisches Brauchtum aus nächster Nähe mitzuerleben und uns zudem mit dem unheimlich leckeren Essen den Bauch vollzuschlagen – zu Suzans Entzücken alles vegan. Die entsprechenden Speisen sind immer mit einem gelb-roten chinesischen Schriftzeichen als solche gekennzeichnet.

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Neben dem Essen gehören eigentlich noch viele andere Riten zu dem Fest – viele Männer beispielsweise stechen sich in Trance Holzstöcke durch die Wange –, die meisten dieser Riten wurden in diesem Jahr aufgrund des Todes des thailändischen Königs nicht ausgeführt. Die einjährige Trauerphase hält dieses Land wirklich fest im Griff. Nichtsdestotrotz war das vegetarische Festival etwas, das uns in Bezug auf Phuket immer im Gedächtnis bleiben wird und überhaupt eines der coolsten Erlebnisse unserer Zeit in Thailand.

Längerfristig quartierten wir uns dann in einem Hostel auf der Westseite der Insel ein, um endlich das richtige Südsee-Feeling zu genießen: Sonne, Palmen, Strand. Unser Hostel lag in Laufweite des bekannten Kata Beach und die ersten beiden Tage machten wir nicht viel außer in unserem Zimmer zu liegen und nachmittags an den Strand zu gehen. Leider hatten ungefähr drölftausend andere Urlauber die gleiche Idee. Phuket ist bei aller Schönheit sehr überlaufen und verglichen mit dem Rest Thailands ziemlich überteuert. Andere Insel wie Koh Samui, Koh Yao Yai oder Koh Tao hätten uns vielleicht ein bisschen mehr Entspannung geschenkt, waren aber leider in der kurzen Zeit, die uns mit unserem Visum noch blieb, nicht so gut erreichbar. Der Kata Beach war jedenfalls voller Touristen, darunter viele Osteuropäer. Thailändische Gesichter waren weit und breit keine zu sehen. Der Sonnenuntergang war natürlich trotzdem klasse! Die Sonne ging einfach genau zwischen einem Küstenarm und einer kleinen Insel unter und tauchte Strand und Meer in herrlich rotes Licht.

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Trotzdem haben uns die Strände im Endeffekt nicht dauerhaft anziehen können. Es war einfach zu voll, zu laut, zu wenig authentisch, als dass wir uns dort wirklich wohl gefühlt hätten

Zum Glück gab es einen Ausweg aus unserer Misere: Roller mieten und losfahren. Phuket hat über dreißig Strände und abseits der Hotspots sind viele davon abgelegen und idyllisch. Wir fuhren also an unserem dritten Tag morgens ohne festes Ziel los und stoppten aufs Geratewohl, wo es uns gefiel oder Google Maps einen Strand verzeichnete. Wieder einmal zeigte sich, dass eigentlich doch der Weg das Ziel sein sollte: Genau wie in Pai hatten wir furchtbar viel Spaß dabei, mit dem Roller über die Insel zu fahren. Das Terrain war hügelig, der Dschungel blühte, die Straßen waren in gutem Zustand und führten oft direkt am Meer vorbei. Gute Aussichten hatten wir also eigentlich fast überall.

Als erstes stoppten wir trotzdem an einem kleinen, noch recht touristischen Aussichtspunkt. Davor bot ein Mann kleine Show mit dressierten Falken an, von der wie lieber Abstand hielten. Lieber kletterten wir ein paar Stufen hinauf und bewunderten die Aussicht von einem kleinen erhöhten Steinpavillon heraus. Vor uns breitete sich das typische Panorama der Insel aus: Hellblaues Wasser, Felsen und kleine Inseln, die aus dem Wasser ragen, bewaldete Hügel im Landesinneren, die kleine Buchten mit weißen Stränden einrahmen.

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Und genau solche wollten wir als nächstes erkunden. Dieses Unterfangen startete jedoch mit zwei Reinfällen: Der erste Strand war riesengroß, dafür aber eher unspektakulär und brechend voll, der zweite klein, unspektakulär und voll. Entmutigen ließen wir uns davon nicht, sondern wendeten uns lieber von den Straßen und Touristenzentren ab. Bis heute wissen wir nicht, ob wir durch das dreiviertel-offene Tor mit der Aufschrift „Privatweg“ durchfahren hätten dürfen (Ich meine, es war offen…), aber an dessen Ende wurden wir endlich fündig. Vor uns lag ein abgelegener Strand, keine fünfzig Meter lang, dafür aber mit wunderbar weichem Sand, reichlich schattenspendenden Palmen und einer tollen Aussicht. Wir breiteten unsere Handtücher aus und streckten erst einmal alle Viere von uns. Auf einmal wehte eine Brise, rote Blätter trudelten durch die Luft und das altbekannte Gefühl von Ruhe und Gelassenheit ergriff uns. Wir fühlten uns pudelwohl dort!

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Ein paar Touristen waren auch da und dazu einige thailändische Familien – ein sicheres Zeichen, das wir am richtigen Ort waren. Einige Zeit lagen wir einfach nur im Sand, genossen die Ruhe und staunten über unsere tierischen Mitbadegäste. Ja, richtig gelesen, der Strand wurde von ein paar Borstenschweinen bevölkert, vor denen ich zum Glück fast keine Angst hatte.

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Da uns die Sonne am Ende doch recht müde gemacht hatte, beschlossen wir, den Tag mit einem echten Highlight zu beenden. Wir durchquerten die Außenbezirke von Phuket City und quälten unseren Roller die Serpentinen zu einem der höchsten Hügel im Zentrum der Insel hoch. Darauf befindet sich der Big Buddha Phuket, eine riesige weiße Buddha-Statue – uns lockte allerdings eher die Aussicht, da wir schon einige große Buddha-Statuen in Thailand gesehen hatten.

Die Statue selbst und das dazugehörige Tempelareal bot dann aber doch mehr als wir uns erhofft hatten. Durch ein kleines Wäldchen führten Treppenstufen nach oben vorbei an in die Natur eingearbeiteten Plattformen, die allerlei Statuen und Schreine beherbergten. Einige Meter unter uns sahen wir sogar ein paar Äffchen an einem verlassenen Baugerüst herumturnen – Asien pur! Dazu konnten wir mal wieder etwas über buddhistische Religion und Folklore lernen, zum Beispiel, dass die ersten Statuen des Buddha von Griechen in Stein gehauen wurden. Dieser griechische Stil zeigt den Buddha mit einem hohen Dutt und wurde von Bildhauern geprägt, die im Zuge der Eroberung Indiens durch Alexander den Großen in Kontakt mit dem Buddhismus kamen. Ich zumindest finde so etwas spannend…

Ebenso überrascht waren wir, dass von Zeit zu Zeit die Schreine auch hinduistischen Gottheiten gewidmet waren – welche Göttin genau das darstellen soll, habe ich leider vergessen und im Nachhinein auch nicht mehr herausfinden können.

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Wie sehr der Buddhismus mit anderen Weltreligionen verwoben ist und wie diese in unmittelbarer Nähe koexistieren, ist faszinierend und für uns Westeuropäer schwer zu begreifen.

Oben angekommen hatten wir dann freie Sicht auf die Buddha-Statue und das unter uns ausgebreitete Phuket. Die Sicht war bestens, die Sonne schien und die Insel zeigte sich noch einmal in ihrer ganzen Schönheit und zwar von allen Seiten: Phuket City im Osten, Dschungel im Norden, Meer und Inseln im Süden und Westen. Gelohnt hat es sich definitiv, hier oben hinzukommen.

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Am nächsten Tag machten wir uns dann schon wieder zur Abreise auf, mitten durch die Hauptstraßen voller Touristen, aber mit schönen Bildern im Kopf. Somit verließen wir Phuket mit einem gemischten Gefühl: Die Natur dort ist wunderschön, aber leider war es etwas zu voll, um dort ohne weiteres entspannen zu können. Unmöglich ist es nicht, aber man muss eben ein bisschen länger suchen – was wir getan haben. Für das erste Mal Strand auf unserer Weltreise war es auf jeden Fall toll!

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