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Natur pur – die Cameron Highlands

Nach einer wunderschönen Woche in Penang wurde es Zeit für uns ins malaysische Inland weiterzuziehen, genau genommen in die Cameron Highlands. Und gleich beim Aussteigen aus dem Bus hielten sie eine Überraschung für uns bereit – uns war kalt! Eigentlich trivial, aber wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus; seit zwei Monaten waren Sonne, kurze Hosen und Schweiß unsere treuen Begleiter. Hier oben, auf knapp 2000 Metern Höhe, hat es dagegen meistens nur etwa 20 Grad, die sich häufig noch kälter anfühlen – Pullover und Socken sind angesagt! Irgendwie ein seltsames Gefühl, aber wir fanden es eigentlich ganz angenehm.

Auch der größte Wirtschaftsfaktor der Highlands hängt mit dem kühlen Klima zusammen und nein, es sind nicht tropengeschädigte Touristen – sondern Tee. Die Teeplantagen sind allgegenwärtig und fielen uns schon bei der Busfahrt in die Berge ins Auge. Teilweise waren die Felder mit grauen Planen abgedeckt, was die Berghängen fast wie Gletscher aussehen ließ. Aber Tee (und Erdbeeren, die hier ebenfalls wachsen) sind nicht das einzige, was die Cameron Highlands zu bieten haben. Eine ganze Handvoll Aussichtspunkte, Dschungel und der höchste mit dem Auto zu erreichende Punkt Malaysias standen ebenfalls auf unserer Liste. Also mieteten wir uns mal wieder einen Roller – leider nur für 5 Stunden, was uns später noch beschäftigen sollte – und fuhren los.

Unser erstes Ziel war, Überraschung, eine Teeplantage. Die Plantagen findet man hier wirklich an jeder Ecke und wir brauchten einfach nur der nächstgrößeren Straße zu folgen, dann waren wir auch schon da. Gerade auf dem Roller mit Fahrtwind machte uns allerdings die Kälte wieder ordentlich zu schaffen, es regnete nämlich leicht. Aber die Aussicht vom Straßenrand entschädigte uns für alle Unannehmlichkeiten. Heidewitzka, ist Tee schön!

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Um ehrlich zu sein, hätten wir das nie gedacht. Auf dem Roller diskutierten wir noch darüber, ob es Teebaum oder Teestrauch heißt, aber das verlor dann schnell seine Bedeutung. Die Teefelder waren ein einzigartiger Anblick: Die Bäume/Sträucher/Pflanzen waren sehr akkurat gepflanzt und zwischen ihnen waren immer kleine Wege für die Arbeiter frei gelassen. Die Hänge hatten daher ein Muster, das uns an das Fell eines Leoparden erinnerte. Dazu kamen die satten Farben: Die abgeernteten Bereiche waren eher braun, die blühenden hingegen leuchteten in allen Schattierungen von Grün. Das Ergebnis war phänomenal und verzauberte uns für einige Minuten.

Es war nämlich für uns im wahrsten Sinne des Wortes ein einzigartiger Anblick. Egal ob Strände, Wälder oder Berge, alle Landschaften, die wir auf unserer Reise bisher gesehen haben, kannten wir irgendwie schon, nur in etwas weniger schön vielleicht. Teefelder dagegen waren neu für uns und sie zu sehen, hat definitiv unseren Horizont erweitert. Das Gefühl war für mich höchstens mit unserer ersten Dschungeltour in Penang vergleichbar.

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Irgendwann mussten wir dann aber doch weiter, denn unser eigentliches Ziel war eine andere Tee-Plantage, die größte der Region. Und diesen Titel trug sie zurecht: 6 Kilometer vor der Teefabrik bogen wir bereits auf einen kleinen Feldweg ein und sahen die ersten teebewachsenen Hänge. Die BOH-Plantage nimmt ein wirklich gigantisch großes Areal ein und wir brauchten, auch dank des wilden Weges, fast eine halbe Stunde, um hindurchzufahren. Da die Aussicht zu beiden Seiten des Wegs fantastisch war, nahmen wir ihr das gar nicht übel. Schmale Holztreppen führten durch die Teefelder und alle paar Meter lockten uns kleine Blumen und Bäume ein, am Wegesrand zu stoppen.

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Schließlich parkten wir den Roller vor der bereits beschriebenen Teefabrik und erklommen eine verflucht steile Treppe zu einem Aussichtspunkt. Auch das hat sich jedoch vollends gelohnt! An dieser Stelle lasse ich das Panorama für sich sprechen…

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Die Wolken, die über den Berggipfeln lagen, machten das Ganze wunderbar atmosphärisch und wir kamen uns vor wie in einer Märchenlandschaft.

Weniger märchenhaft waren die dunklen Wolken, die langsam aber sicher am Himmel aufzogen. Also ließen wir die Fabrikbesichtigung sausen und fuhren zurück zu unserem Ausgangspunkt, dem Städtchen Tanah Rata. Von dort aus wollten wir in die andere Richtung auf den Mount Brinchang aufbrechen. Leider erwischte uns jetzt der Wolkenbruch und zwang uns zu einer längeren Mittagspause samt Kleidungswechsel und hervorragendem indischen Essen. Wir spürten jetzt zwar schon leichten Zeitdruck, wollten die Tour aber trotzdem durchziehen.

Der Weg zum Mount Brinchang machte uns allerdings einen Strich durch die Rechnung. Zum Ende hin ging es eine schmale Buckelpiste durch den Wald nach oben und jedesmal, wenn uns ein Auto auf der schmalen Straße entgegenkam blieb uns fast das Herz stehen. Dazu klafften immer wieder kleine Gräben in der Straße, über die meistens nur ein paar notdürftig platzierte Gitter führten. Immerhin entschädigte uns auch hier die umliegende Natur für die Unannehmlichkeiten der Straße.

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Durch den Wald zog ein feiner Nebel und sorgte gemeinsam mit den über die Straße hängenden Ästen für eine fast schon schaurig-schöne Atmosphäre. Der Boden und viele der Bäume waren mit dichtem Moos bewachsen; wir fuhren nämlich durch die Ausläufer des Mossy Forest, einer weiteren Attraktion der Gegend. Der Wald hat uns auf jeden Fall verzaubert und wir haben kein einziges Schlagloch bereut.

Schwach war dagegen die Aussicht oben auf dem Berg. Wir sahen nämlich – nichts. Der Nebel war weitergezogen und verhüllte die Bergspitze vor unseren Augen. Besser lief es da schon bei einigen Aussichtspunkten auf halbem Wege, an denen wir kurz anhielten, um ein paar Fotos zu machen.

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Für mehr hatten wir keine Zeit, denn die 5 Stunden Rollermiete neigten sich ziemlich steil dem Ende entgegen. Auf dem Rückweg knackten wir auf der Hauptstraße sogar die für uns schon geradezu waghalsigen 40 km/h auf dem Roller. Am Ende entgingen wir der drohenden 30 Ringitt-Strafe (ca. 6-7 Euro) um Haaresbreite, respektive 4 Minuten.

Am nächsten Tag wechselten wir dann unser Fortbewegungsmittel und zogen zu Fuß los, auf einen der 11 Dschungel-Wanderwege der Region. Die Nummer 10, die wir ausgesucht hatten, war mit 2,5 km und moderater Steigung als eher leicht angepriesen worden, erwischte uns dann aber knüppeldick. Es ging nicht nur absurd steil bergauf, der Weg war auch noch alle paar Meter von Dickicht oder Baumstümpfen befallen. An einer Stelle mussten wir uns sogar durch eine Minischlucht zwängen, in der zumindest ich den Bauch einziehen musste.

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Der Höhepunkt war dann eine Wurzeltreppe, die uns dicht unter den Gipfel des Mount Jasar führte. Auf den Fotos sieht sie übrigens nicht annähernd so steil aus, wie sie war. Aber es gab kein Zurück…

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Also kletterten, schnauften, tänzelten, kraxelten, sprangen und krabbelten wir nach oben und fühlten uns wie echte Freizeit-Alpinisten. Danach wurde der Weg wieder ein bisschen flacher und zog erst zum Ende hin wieder an. Bis dahin gab es aber noch einiges zu entdecken, der Urwald in den Cameron Highlands glich nämlich dem Dschungel auf Penang nur bedingt – unzweifelhaft wegen der niedrigeren Temperaturen. Exotische Insekten und Pflanzen gab es trotzdem genug…

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Schließlich standen wir, erschöpft aber glücklich, auf dem Gipfel und genossen noch einmal die Aussicht auf die umliegenden Täler inklusive Teeplantagen.

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In diesem Moment fühlten wir uns wirklich wie die Könige Malaysias (Kleiner Fun Fact: Malaysia hat ein einzigartiges Staatssystem, in dem der König alle 5 Jahre wechselt – just saying…).

Unser kurzer Ausflug in die Cameron Highlands hat sich auf jeden Fall gelohnt. Allein die Tee-Plantagen waren die Reise wert und es war ganz nett, mal wieder in kältere Gefilde vorzustoßen. Zu vorschnell sollte man das Wetter aber auch nicht loben: Auf dem Rückweg vom Mount Jasar gerieten wir in eine waschechte Regen-Apokalypse und dachten schon wieder sehnsüchtig an die Temperaturen, die uns in Kuala Lumpur erwarten. Aber alles zu seiner Zeit…

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