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Melaka – George Towns laute Schwester

Wie fleißige Blog-Leser wissen, war George Town bisher eines der Highlights unserer Südostasien-Reise. Sie war jedoch nicht die einzige Stadt in Malaysia, die in 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde. Die gleiche Ehre wurde auch der Innenstadt von Melaka zuteil (oder, wie es in der englischsprachigen Welt genannt wird, Malacca). Und die Gemeinsamkeiten der beiden Städte hört hier nicht auf. Auch hier findet sich wieder das unvergleichliche Beisammensein von kolonialem Erbe und zeitgenössischer asiatischer Kultur, gewissermaßen die Symbiose von Graffiti und Denkmalschutz. Trotzdem hat Melaka einen anderen Vibe als George Town und das liegt vor allem daran, dass es so unglaublich voll ist. Ein Wunder ist das eigentlich nicht: Während die George Towner Innenstadt recht weitläufig ist und man teilweise sogar wirklich lange von einem Kunstwerk zum anderen laufen muss, drängen sich in Melaka die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf ein viel, viel kleineres Areal.

Gut, wir haben uns einen schlechten Zeitpunkt für unseren Besuch ausgesucht. Am Wochenende ist die Innenstadt Melakas für Autos gesperrt und dementsprechend viele Touristen stromern durch die Straßen; zusätzlich fand während unseres Besuchs das map-Festival (melaka arts & performance) statt, sodass wir an jeder zweiten Stadtecke von einer Kunst-Installation, lauter Musik oder Live-Performance begrüßt wurden. Überhaupt war es in der Innenstadt unglaublich laut, wozu vor allem die zahlreichen Rikschas beitrugen. Diese kutschierten Touristen in skurrilen Vehikeln durch die Stadt, wobei sie das Trommelfell aller Anwesenden mit lauter, westlicher Musik malträtierten. Unser Fall waren sie definitiv nicht, aber unter den asiatischen Besuchern erfreuten sie sich offenbar einiger Beliebtheit. Im Museum traditionelle Keramik anzuschauen während unter dem Fenster Barbie Girl aus den Boxen einer Hello-Kitty-Rikscha hämmert– besser kann man Melaka eigentlich nicht beschreiben. Überhaupt waren wir Westler in Melaka eher in der Unterzahl – die seltsame Mischung aus Kultur und überbordernder Reizüberflutung schien vor allem Einheimische anzuziehen.

Dieser erste Eindruck tut der Stadt jedoch definitiv Unrecht, denn rein optisch und atmosphärisch hat sie einiges zu bieten. Bei ihrer, sagen wir mal, lebhaften Geschichte ist das auch kein Wunder: Melaka war bis ins 15. Jahrhundert ein reiches und lokal einflussreiches Sultanat und wurde dann bis zur malaiischen Unabhängigkeit nacheinander von Portugiesen, Niederländern und Briten beherrscht. All diese Brüche haben natürlich ihre Spuren hinterlassen… Gut zu erkennen ist das am roten Platz, der den Ausgangspunkt jeder Erkundungstour (also auch unserer) bildet. Sofort ins Auge gefallen sind uns die roten Gebäude, Erbstücke der niederländischen Besetzung, die das Stadtbild maßgeblich prägen und uns sofort mit angenehmen Erinnerungen an Schweden überschwemmten. Uns haben sie sehr gut gefallen, da sie der Stadt eine bunte und unbeschwerte Aura verleihen.

Besondere Erwähnung verdienen dabei definitiv der Clocktower und die Christ Church.

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Ebenfalls einen Besuch wert war das Stadthuys, in dem sich das Historische & Ethnographische Museum Melakas befindet. Das Museum ist recht modern gestaltet und erzählt die Geschichte des Kolonialismus aus einer für uns ungewohnten Perspektive. (*noch kurz inwiefern ungewöhnlich?)

Geographischer Mittelpunkt der Innenstadt ist der St. Pauls Hill, auf dem die zweite berühmte Kirche der Stadt steht. Berühmt ist die St. Pauls Kirche übrigens unter anderem deshalb, weil der heilige Francis Xavier hier kurzzeitig begraben lag. (*wurde er dann wieder ausgegraben?) Wer meine Bachelor-Arbeit gelesen hat (also so gut wie niemand) kennt meine Obsession über diesen Mann…

Die Kirche ist leider weit weniger gut erhalten als die Christ Church und dementsprechend weniger spektakulär, aber die Aussicht von dort oben war doch sehenswert. Dazu fanden wir im Inneren der Kirche ein paar schön verzierte steinerne Stelen.

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Neben der Pauls Church ist die Porta de Santiago, nach ihrem Erbauer auch A Famosa genannt, das zweite prägnante Überbleibsel der Portugiesen. Genau wie die Kirche fanden wir diese frühneuzeitliche Bastion jedoch eher unspektakulär – sie war einfach zu schlecht erhalten, um uns noch wirklich beeindrucken zu können.

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Eine angenehme Überraschung gab es für uns jedoch davor. Eine Gruppe chinesischer Kinder führte auf dem Platz eine Tanz- und Kampfkunst-Choreografie auf, die uns wirklich beeindruckt hat.

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Es war auf jeden Fall interessant, ein paar der Performances des map-Festivals miterleben zu können. Mitleid hat wir mit den Kindern allerdings wegen ihrer warmen Kostüme – wie so oft in Malaysia herrschte drückende Hitze und wir waren spätestens nach den Treppen zum St. Pauls Hill vollkommen durchgeschwitzt.

Als nächstes verließen wir die Innenstadt und spazierten eine Weile unbeschwert am Fluss entlang, der die Innenstadt wie ein Kanal einrahmt. Und tatsächlich zeigte Melaka sich hier von seiner besten Seite: Wir hatten beste Sicht auf die schönen bunten Häuser der Innenstadt und das Allerbeste war, wir waren beinahe vollkommen ungestört. Außer ein paar gut besuchten Cafés am Ufer und ein paar Ausflugsbooten, die Touristen durch die Stadt schipperten, war hier fast nichts los – und das vielleicht hundert Meter vom roten Platz mit seinen Party-Rikschas entfernt. Als wäre das nicht genug, wuchsen sogar noch ein paar ausladende Bäume am Straßenrand und schafften so ein fast idyllisches Gefühl in all dem Trubel. Viele Hauswände wurden dazu von cooler Street-Art geziert. Dieser Teil der Innenstadt hat uns definitiv am besten gefallen!

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Das exakte Gegenteil davon war dann wieder der berühmte Jonker Walk. Nur eine Straßenecke weiter drängen sich Marktstände an Marktstände und unfassbare Menschenmassen zwängen sich durch die Gassen.

Ein besonderes Highlight hatte Melaka aber noch fernab der Innenstadt zu bieten: die Masjit Selat Moschee, die auch die schwimmende Moschee genannt wird. Warum sie so genannt wird, ist leicht zu erklären: Sie ist auf Stelzen über dem Wasser errichtet. Warum sie als so besondere Sehenswürdigkeit gepriesen wird, erschließt sich den Besuchern dagegen nicht auf den ersten Blick. Wir kamen um circa 6:00 abends bei der Moschee an und genossen den Blick auf die Kulisse. Im Vordergrund die schwimmende Moschee mit der Straße von Melaka im Hintergrund, der berühmten Handels-Seestraße.

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Und dann ging die Sonne unter…

Die Moschee wurde wie jeden Abend mit verschiedenen Strahlern beleuchtet und das grüne Licht, das die Moschee umgab, gab dem Gebäude einen überirdischen Anblick. Wir liefen extra auf einen nahen Steg, von dem wir den besten Blick auf das Schauspiel genießen konnten.

Aber das war noch lange nicht das Ende, der Anblick wurde immer besser. Je dunkler der Himmel wurde, desto strahlender leuchtete die Moschee. Wer muss bei diesem Gebäude nicht an ein UFO oder ein Gespensterschloss denken?

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Irgendwann spiegelten sich die Lichter auf dem tiefschwarzen Wasser. Gold und Grün mischten sich herrlich und gaben dem leuchtenden Gebäude den Rahmen, den es verdiente. Das war definitiv einer dieser magischen Momente, die wir auf dieser Weltreise suchen, wann immer wir können…

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Wie schlägt sich als Melaka mit ihrer Schwesterstadt George Town? Nun, an sich gut, wenn nicht so viele andere Touristen da gewesen wären. Der Riverwalk hat uns wirklich gut gefallen, das Stadtbild mit den roten Häuschen sowieso, aber dieses entspannte Gefühl wie in George Town wollte sich nicht so recht einstellen. Einen Besuch wert ist Melaka aber definitiv – und die schwimmende Moschee hat uns für jede einzelne Hello-Kitty-Rikscha entschädigt!

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