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Klirrende Kälte auf der Prager Burg

Prag ist eine Stadt, die es einem nicht leicht macht, Sehenswürdigkeiten zu identifizieren. Und das liegt mitnichten daran, dass es so wenig zu sehen gäbe – im Gegenteil. Es gibt viel zu viele schöne Ecken. Jeder Straßenzug, jedes Gebäude, ja, sogar jedes Fenster und jeder Schnörkel an einer Hauswand kann einen für eine Weile in seinen Bann ziehen. Höchsten ein Bauwerk thront im wahrsten Sinne des Wortes über der Stadt: die Prager Burg. Klar, dass wir da früher oder später aufschlagen mussten.

Allerdings sind schon die Aus- und Eingänge gar nicht leicht zu finden. Wir haben die Burg durch den der Stadt zugewandten Eingang betreten, ich würde dem geneigten Besucher aber eigentlich den anderen Eingang empfehlen. Das hat zwei Gründe: Zum einen liegt hinter der Burg eines der in unseren Augen schönsten Viertel, das eigentlich viel zu schade ist, um am Ende eines Ausflugs, kalt und durchgefroren besichtigt zu werden (so wie wir es getan haben).

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Zum anderen findet auf dieser Seite zu jeder vollen Stunde die Wachablösung der historischen Burgwachen statt. Schöner kann man in die Burgbesichtigung eigentlich nicht starten, man ist dann gleich in der richtigen Stimmung für die schönen alten Gebäude und die erhabene Stimmung der Burg.

Wir aber betraten die Burg von der anderen Seite und wurden gleich von einer schönen Aussichtsplattform empfangen. Betreten ist dabei ein Euphemismus für: Wir stiegen einen verflucht steilen Weg nach oben. Gleichzeitig war das auch ganz schön, denn wir konnten auf dem Weg immer wieder kleine Pausen machen und sehen, wie sich die Aussicht unter uns entwickelte. So tauchte alle paar Meter ein neuer Teil der Stadt unter uns auf. Nach der recht aufwändigen Sicherheitskontrolle sahen wir dann endlich das gesamte Panorama. Unter uns breitete sich die gesamte Innenstadt Prags aus, die wir in den letzten Tagen kennen und lieben gelernt haben. Dank des Wetters erkannten wir sogar die wichtigsten Sehenswürdigkeiten wieder: etwa die Teynkirche, den Rathausturm mit seiner mittelalterlichen, mechanischen Uhr (momentan leider von Gerüsten umgeben) und natürlich die berühmte Karlsbrücke.

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Außerdem hat man einen schönen Blick über die Gärten und kleinen Parks, die die Burg umgeben. Die waren jetzt im Februar zwar eher trostlos, wir konnten uns aber vorstellen, wie wunderschön sie im Sommer in voller Blüte aussehen mögen.

Danach betraten wir das eigentliche Burggelände und schlenderten durch die sogenannte Goldene Gasse ins Zentrum der Burg. Hier herrschte wieder das Bild vor, das wir aus Prag bereits gewohnt waren: wunderschöne Häuser reihten sich aneinander, kleine Seitengässchen sorgten für Atmosphäre. Kurzum, es gab an jeder Ecke etwas zu entdecken. Einer unser Favoriten war beispielsweise diese aus Holz gefertigte Tür, hinter der sich ein Seiteneingang zur Veitskirche verbarg. Wir könnten stundenlang vor so einem Kunstwerk stehen, mit den Finger über das polierte Holz streichen und die Figuren und Bilder darauf betrachten.

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Immer präsent dabei war der böhmische Löwe mit seinem charakteristischen gegabelten Schwanz, der uns von diversen Wappen und Bildern entgegen lächelte.

Alle Nase lang wurde außerdem einiges an Attraktionen geboten. Und hier kommt unser einziger Kritikpunkt an der Prager Burg: Es ist ziemlich teuer. Der Eintritt in das Burggelände selbst ist zwar kostenlos, aber für jede einzelne Attraktion (etwa die Veitskirche, den Pulverturm oder diverse Ausstellungen) muss man teilweise gesalzene Eintrittspreise zahlen (oder ein dementsprechend teures Kombiticket erwerben).

Die zentrale Attraktion des Geländes war sicherlich die Kirche des heiligen Vitus (Veitskirche). Sie überraschte uns vor allem mit ihrer architektonisch raffinierten Bauweise. Von außen wirkt sie nämlich wahnsinnig wuchtig, beinahe gedrungen; dieser Effekt wird durch die sechseckigen Krypta-Anbauten zu beiden Seiten hervorgerufen. Das eigentliche Kirchenschiff ist dagegen sehr schmal!

Das war jedoch nicht alles: Die hohen Fenster im Mittelschiff der Kirche sind nicht bemalt, diejenigen über dem Altarraum dagegen schon. Vom Eingang (den auch ohne Ticket betreten durfte) bietet sich daher ein wunderschönes Bild: Die Kirche wirkt wie ein hoher, schmaler Tunnel, dessen Ende von goldenem Licht erleuchtet wird. Das wirkte dank der guten Lichtverhältnisse sehr atmosphärisch und kreierte eine Stimmung, die definitiv zum Träumen einlud.

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Vor allem, da die Kirche von außen sehr dunkel und fast schon ein bisschen bedrohlich aussah, hatten wir mit so etwas Schönem nicht unbedingt gerechnte. Zum Glück hatten wir uns einen sonnigen Tag für unseren Besuch ausgesucht!

Anschließend umrundeten wir die Kirche noch einmal zur Gänze und bestaunten die vielen Schnörkel, Türmchen und Bögen der Kirche. In dieser Hinsicht war die Veitskirche wirklich genauso wie man sich eine schöne gotische Kathedrale vorstellt.

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Und damit endete unser Ausflug zur berühmtesten Prager Sehenswürdigkeit auch schon, denn die Einzelausstellungen hoben wir uns für einen anderen Tag auf. Auch die Wachablösung verpassten wir um vielleicht fünf Minuten… Eine Stunde zu warten, war keine Option für uns, da es doch mittlerweile klirrend kalt war.

Aber wir sind ja noch eine Weile hier und werden bestimmt nochmal das Burggelände betreten. Wir berichten dann hier wieder, wie es war…

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