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Taiwan – acht kuriose Fakten über den Inselstaat

Taiwan in zwei Wörtern: Ziemlich anders und bemerkenswert kurios.

Taiwan war das Land, vor dem ich tatsächlich vor der Anreise am meisten Respekt hatte. Das lag vor allem daran, dass die Landessprache Chinesisch ist und Taiwan eine kleine Insel im Nirgendwo von der Größe Baden-Württembergs. Das war allerdings auch genau der Grund, warum uns das Land so angezogen hat: Es ist liberaler als China und günstiger als Japan und wir erhofften uns, einen Mix der chinesischen und japanischen Kultur zu erleben – 2 in 1 sozusagen. Nach Südostasien wollten wir es uns nicht nehmen lassen, auch Ostasien kennenzulernen, schließlich waren wir gerade in der Gegend…
Mein Bauchgefühl bestätigte sich gleich am Flughafen: Wir waren komplette Analphabeten. Auch ohne Sprachkenntnisse fielen uns allerdings sofort der hohe Entwicklungsstand des Landes und die freundliche und hilfsbereite Art der Einwohner auf. In Tainan, der 1,8 Millionen-Einwohner-Stadt, in der wir einen Monat lebten, sprach nur ein Bruchteil der Bevölkerung Englisch und selbst die wenige Ausnahmen nicht gerade flüssig. Aber trotz zahlreicher Missverständnisse waren unsere Gegenüber immer außerordentlich freundlich und sehr bemüht, uns zu helfen. Und dank technischer Hilfsmittel wie Stadtkarten oder Übersetzungs-Apps kamen wir gut zurecht.

Trotz der Sprachbarriere hatte ich (Julian hat das Hotelzimmer wegen seiner Fußverletzung nur selten verlassen) eine sehr interessante und bereichernde Zeit in Tainan. Irgendwann hatte ich einfach akzeptiert, dass alle mich anstarren und es unweigerlich zu Missverständnissen kommen wird, wenn ich mit Taiwanern spreche (ja, es heißt offiziell wirklich „Taiwaner“, nicht – wie wir auch zunächst dachten -: „Taiwanesen“). Danach wurde das tägliche Navigieren durch die Stadt fast zu einem Spiel und ich entdeckte spannende Orte und lernte die wahnsinnig herzliche Art der Taiwaner lieben.

Eine der tollsten Eigenschaften des Landes ist, dass viele Dinge sehr kurios oder „random“ sind. Ein paar möchte ich hier aufzählen, um euch Land und Leute etwas näher zu bringen.

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1. Convenience Stores

Beginnen wir mit dem Markenzeichen Asiens: Den Convenience-Stores. Ein Laden, der alles verkauft, was man so im Leben braucht. In den meisten asiatischen Ländern bieten die 7-Elevens und Family Marts hauptsächlich abgepackte Lebensmittel und Fertiggerichte an, nicht so allerdings in Taiwan. Schon vor unserem Besuch hat man uns die 7-Elevens dort als eigene Sehenswürdigkeiten angepriesen. Hier ein kleiner Auszug der Dinge, die man in Taiwan im 7-Eleven oder Family Mart erledigen kann:

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Essen
Fertigprodukte werden direkt in die Mikrowelle gesteckt und können an Tischen im Geschäft verzehrt werden. Außerdem gibt es eine heiße Theke mit eingelegtem Tofu, Fleischbällchen, Tee-Eiern und anderen Spezialitäten. Daneben gibt es einen Wasserspender mit kochendem Wasser für Instant-Nudeln – dem heimlichen Nationalgericht, wie wir finden. Nie in unserem Leben haben wir so viele Fertigsuppen gegessen wie in Taiwan. Generell essen die Taiwaner viel und gerne in ihren Convenience Stores – ist ja auch sehr bequem, schließlich findet man an jeder Straßenecke einen.

Easy Card kaufen
Diese Chipkarte dient als nationales Bezahlmittel. Schnell im Convenience Store aufgeladen, kann man damit kontaktlos im Bus, Zug und in vielen Geschäften bezahlen.

Tickets erwerben
Zugtickets, Konzerttickets und ähnliches gibt’s direkt am Automaten. Quasi Eventim und Deutsche Bahn in einem Apparat, 24/7 verfügbar und die bezahlten Tickets kann man direkt mitnehmen.

Wäsche waschen lassen
Wir haben es nicht probiert, aber anscheinend kann man einfach an der Kasse seine Kleidung für die Reinigung abgeben.

Rechnungen bezahlen
Von Parktickets über die Stromrechnung hin zur Versicherung, einfach die Rechnung mitbringen und die freundlichen Mitarbeiter scannen den Code und man kann sie begleichen.

Pakete und Post verschicken
Von einer Filiale in jede andere im Land – garantiert näher als die nächste Post.

Drucken, Kopieren und Faxen
Ein Gerät steht in jedem Laden bereit , genau wie ein Geldautomat.

Und wie in jedem Supermarkt kann man natürlich auch Kleinkram wie Zeitschriften, Kleidung, Kosmetik, Schreibwaren usw. erwerben.

2. Die Nationallotterie

Die kreativste Kuriosität ist wohl diese hier: Auf jedem Kassenzettel, den man in Taiwan erhält, findet sich eine achtstellige Nummer. Alle zwei Monate werden Gewinnerzahlen gezogen und veröffentlicht. Man kann zwischen umgerechnet 5€ und 270.000€ gewinnen – kein Wunder also, dass jeder seine Kassenzettel aufhebt und man schräg angeschaut wird, wenn man mal vergisst, ihn nach dem Bezahlen einzustecken. Dieses System wurde schon 1951 von der Regierung eingeführt, um Steuerhinterziehung zu vermeiden. Und es scheint gut zu funktionieren: Die meisten Kunden bestehen auf ihren Kassenzetteln und die Geschäfte müssen so alle Einnahmen erfassen.

3. Reis

Taiwanischer Reis entspricht deutschem Milchreis. Er ist schön klebrig und sehr geschmackvoll, auch ohne jegliche Beilage. In Taiwan isst man hauptsächlich mit Stäbchen und dank taiwanischen Reis als Übungsobjekt, kann nun auch ich ohne Gabel oder Löffel leckere Reisgerichte genießen.

4. Das singende Müllauto

Ja, das Müllauto spielt klassische Musik und ist mit Comics dekoriert (wie eigentlich alles in Taiwan). Das ist auf Dauer ziemlich nervig, weil gefühlt an jeder Ecke ein solches herumfährt. Aber es hat auch seinen Vorteil: Man verpasst es nicht. In Taiwan wirft nämlich jeder seinen eigenen Müll selbst in das vorbeifahrende Gefährt.

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5. Das Gesundheitssystem

Taiwan hat eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Das durften wir live erleben, da wir wegen Julians verletztem Fuß verschiedenen Krankenhäusern einen Besuch abstatteten. Alles ist perfekt organisiert und es gibt eigene Bereiche für die Anmeldung und Terminvereinbarung (auch am selben Tag), die Bezahlung und die Medikamentenausgabe – direkt nach dem Verschreiben und perfekt in der Menge abgezählt. Einziges Manko: Kaum jemand spricht fließend Englisch, auch die meisten Ärzte nicht. Dafür ist das Gesundheitssystem komplett vom Staat finanziert, jeder Einwohner ist automatisch „versichert“ und kann jegliche Leistungen mit seiner Gesundheitskarte in Anspruch nehmen. Für einen Arzt- oder Krankenhausbesuch muss man nur eine Zuzahlung von wenigen Euros leisten und selbst für uns als Ausländer wurde viel subventioniert und die Behandlungen waren unglaublich günstig. Obwohl das Gesundheitssystem sehr vorbildlich ist, ist die Medizin jedoch vielerorts noch nicht auf dem Stand westlicher Krankenhäuser. Dafür wird auch traditionelle Chinesische Medizin angeboten und die Kosten dafür übernommen.

6. Technisierung & Fortschritt

Wer hätte gedacht, dass sich auf einer kleinen Insel im chinesischen Meer ein hochtechnisierter Industriestaat versteckt? Im Gegensatz zu Thailand und Malaysia entsprachen die Standards in Taiwan ganz denen, die wir aus Europa gewohnt waren. Auch westliche Marken haben Einzug gehalten und sind gut sichtbar auf blinkenden Werbeplakaten vertreten. Die Hauptstraßen Tainans sehen aus wie der Times Square in New York (auf Chinesisch versteht sich), während die kleinen Gässchen und das Street Food an Südostasien erinnern.

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Vor allem junge Taiwaner legen großen Wert auf ihr Aussehen und man findet an jeder Ecke einen Friseursalon oder eine süße Boutique, die mit ihrer minimalistischen, modernen Kleidung so auch in Kopenhagen stehen könnte. Die Menschen tragen Sneaker von Nike oder Adidas und der Einfluss von Modetrends ist deutlich erkennbar.

Deutlich wurde uns der technische Fortschritt des Landes auch an der Internetverbindung. Sorry Deutschland, aber in dieser Hinsicht bist du echt ein Entwicklungsland! In Taiwan hat man überall super schnelles Netz und dank unseres Prepaid-Plans hatten wir einen Monat lang unbegrenztes Datenvolumen. Im Bus oder im Wartezimmer mal eben ein Video streamen oder skypen, ist damit gar kein Problem. Auch für Google Translate und Co. war die SIM-Karte eine Investition, die sich mehr als ausgezahlt hat. Oft haben wir das Handy sogar als Hotspot für unsere Laptops genutzt – das mobile Internet war einfach deutlich besser als das Hotel-WLAN. Apropos WLAN: Die Taiwanische Regierung hat eben mal ein landesweites WLAN-Netz auf die Beine gestellt, mit dem man sich nach einmaliger Registrierung mit seiner Passnummer einloggen kann. Das Netz findet man in Großstädten an jeder Ecke.

7. Weihnachten & Kitsch

Ursprünglich hatten wir nicht geplant, Weihnachten in Taiwan zu verbringen, aber letztendlich hat sich das Land als gute Wahl dafür erwiesen. Die Taiwaner feiern Weihnachten nicht aus religiösen Gründen, sondern zum Spaß und weil es der jüngeren Generation so gut gefällt. Überall, und das meine ich wörtlich, fanden sich Weihnachtsdekorationen. Und zwar keine gemütliche, besinnliche Weihnachtsdekoration, sondern der übelste Kitsch! Neonbunt, blinkend und extravagant muss es sein. Am 24.12. trugen die Verkäufer in Cafés Rentier-Ohren oder andere Weihnachtskostüme. Anders, aber völlig passend in Taiwan. Das Wort „Kitsch“ scheint man hier nicht zu kennen. Bunter, greller und glitzernder ist immer besser – auch abseits von Weihnachten.

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8. Herzlichkeit

Der letzte und schönste Punkt ist die Offenheit und Herzlichkeit der Taiwaner gegenüber Ausländern. Diese Eigenschaft, für die die Taiwaner weit über die Grenzen ihres Landes hinaus bekannt sind, kann auch schnell mal ins Kuriose driften. So kamen Teenager auf uns zu, um Selfies mit uns zu machen (wir sahen für sie ja auch aus wie Aliens), alte Menschen liefen auffällig unauffällig um uns herum, um einen besseren Blick auf uns erhaschen zu können. Im Süden des Landes gibt es einfach noch nicht so viele westliche Touristen, in dem Monat in Tainan haben wir vielleicht ein Dutzend gesehen.

An die Begrüßung „Hello – you are so beautiful“ durch Hotelmitarbeiterinnen und Restaurantbesitzerinnen hatte ich mich schnell gewöhnt. Eine besonders herzliche Verkäuferin (die ausnahmsweise gut Englisch sprach), brachte mit den Worten „you are the diamond of god“ ihr Entzücken über mein westliches Aussehen zum Ausdruck. Junge reisende Europäer waren nach ihrem Verständnis besonders von Gott gesegnet, da sie ein perfektes Leben führen, von dem ältere Asiatinnen wie sie nur träumen können. Das sagte sie ohne jeden Neid, geradezu überglücklich darüber, jemanden wie mich getroffen zu haben. Das hat gesessen und an ihre Worte werde ich mich noch lange erinnern. Wildfremden Menschen mit seiner bloßen Anwesenheit eine Freude zu machen, war auf jeden Fall eine sehr schöne Seite unseres Besuchs.

Ich hoffe, mit diesen acht Fakten konnte ich euch Taiwan ein bisschen näher bringen; vielleicht schaut ihr ja auch eines Tages auf der kuriosen Insel vorbei. Die Nudelsuppen dort sind wirklich grandios…

Chinese-Noodle-Soup

 

 

 

 

 

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