Australien, Reisen

Squeaky Beach & Lilly Pilly Gully – zwei Tage im „Prom“

Gegen Ende unseres Roadtrips stand noch einmal ein großes Highlight auf dem Programm – das Wilsons Promontory. Dieser Nationalpark liegt etwa zwei Stunden südöstlich von Melbourne und ist daher auch bei Tagesausflüglern und Kurztrippern beliebt. Zu bieten hat er laut Prospekt 50.000 Hektar voller Bergen, Regenwald, Stränden, Wanderwegen und Wildtieren und dementsprechend groß war unsere Vorfreude. Tatsächlich hat es uns dort noch besser gefallen, als wir es uns vorher überhaupt hätten vorstellen können. Irgendwie passt es zu einer Stadt wie Melbourne, dass nicht nur sie selbst wunderschön ist, sondern auch noch einen solchen urgewaltigen Nationalpark vor der Nase hat. Aber der Reihe nach.

Problematisch war zunächst einmal die (mehrfache) Anreise. Im Wilson Promontory darf man nämlich nicht wild campen und kostenlose Camping-Plätze gibt es auch keine. Der Preis, um für eine Nacht in Bernie auf dem Campingplatz vor Ort zu schlafen, hat uns dann aber doch von den Socken gehauen: 50 Euro. Also entschlossen wir uns, jeweils morgens und abends eine knappe Stunde in den Park hineinzufahren, was für uns eine Medaille mit zwei Seiten war. Einerseits bekamen wir schnell einen Eindruck von der weitläufigen Natur, andererseits war die kurvige und teilweise recht steile Straße nicht sehr angenehm zu fahren.

Im Park erwartete uns dann eine üppige Auswahl an Zielen. Nicht weniger als vier Strände, zwölf kurze Spaziergänge, eine Reihe Treks mit Übernachtung und einige längere Wanderungen standen uns zur Verfügung. Wir entschieden uns aufs Geratewohl für einen Weg und liefen einfach los.

Tag 1: Der „Sqeaky Beach Walk“

Der erste Spaziergang startet an einer kleinen Holzbrücke über einen Fluss. Die Szenerie ist malerisch; man sieht das Meer, den Wald, dazwischen schlängelt sich der Fluss, in dessen Bett schwere Steinbrocken liegen. Die Sonne scheint.

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Aber wir wollen mehr, wollen tiefer hinein zu den schönsten Orten, da wo nicht mehr so viele Ausflügler sind. Also gehen wir los.

Der Weg führt zunächst nach oben an einer Klippe entlang und schon die ersten Meter bieten eine tolle Aussicht. Hinter uns ragt der 500 Meter hohe Mount Oberon in die Höhe, zu unserer linken sehen wir einen langgezogener Strand, der Pfad selbst führt durch ein noch recht lichtes Waldgebiet. Bald wird er dichter. Die kahlen und teilweise verkohlten Bäume begrenzen den Weg wie einen Tunnel und schaffen ein beklemmendes Gefühl.

Gut, dass die Vögel noch da sind, die munter zwitschern. Dann brechen wir ins Freie, nehmen an einer Gabelung den Weg nach rechts und kommen am ersten Aussichtspunkt an.

Der Anblick erschlägt uns fast. Vor uns liegt einer der schönsten Anblicke unserer gesamten bisherigen Reise, ein Panorama, so idyllisch, dass wir uns erst einmal auf eine Bank setzen müssen. Eingebettet in zwei felsige Landzungen liegt ein Strand, der in der Sonne fast weiß glitzert. Der Strand selbst ist feiner Sand, nur an beiden Seiten liegen Felsbrocken im Wasser, gegen die die Wellen branden. Weit draußen auf dem Meer ragen ein paar kleine Inseln aus dem Wasser. Das Panorama komplettieren dicht bewachsene Hügel im Inneren des Parks – und das alles vor unserer Nase. Dieser Ort hat einfach alles. Allein die Farben: das Grün der Wälder, das Grau der Felsen, der weiße Sand und dahinter das endlos weite blaue Meer.
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Nach einer ausgedehnten Fotopause laufen wir schnell weiter zum Strand. Der trägt den Namen „Squeaky Beach“, weil der Sand hier so fein sein soll, dass er leise quietscht, wenn man darauf läuft. Diese Behauptung unterziehen wir natürlich gleich dem Stresstest. Erst hören wir gar nichts, nur das Rauschen des Meeres. Ein paar Meter weiter hören wir dann doch noch das leise Quietschen, aber so spektakulär, wie wir dachten, ist es nicht. Aber wer will knauserig sein, an einem Paradies wie diesem? Jegliche Enttäuschung verfliegt sowieso als wir uns hinknien und die Hände auf den Boden legen. So einen feinen Sand haben wir noch nie erlebt, er fühlt sich an wie Mehl. Das Gefühl, wie er über die Handflächen rinnt, ist unbeschreiblich. Wen schert es, ob er quiekt oder nicht, wenn er sich so anfühlt?

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Wir machen uns auf den Rückweg und streuen ganz berauscht von unseren Erlebnissen noch einen Zusatzschlenker ein. Der führt uns auf einen Aussichtspunkt, an dem sich nochmal das volle 360-Grad-Panorama zeigt: Der Strand, an dem wir losgezogen sind links, der Strand mit dem feinen Sand rechts. Vor uns die Inseln auf dem Meer, hinter uns die Berge. Wieviel verschiedene Landschaftsarten kann man eigentlich auf ein Foto bekommen? Wir sind entzückt.

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Und das schönste ist: Hier sind wir für ein paar Minuten wieder für uns alleine. Nur wir beide, die Aussicht und das Meer. Leider ruft uns allzu schnell der Hunger zurück zum Van – die Wanderung war anstrengender als gedacht, aber das war sie hundertmal wert. Und als wollte der Park uns das nochmal ins Gedächtnis rufen, hält er auf dem Rückweg noch einmal ein paar Highlights für uns bereit.

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Erst einen wunderschönen blau-weiß-roten Papagei, der seelenruhig am Wegrand sitzt; und dann einen Wombat.

Das erste Mal, dass wir einen dieser putzigen Kerlchen sehen! Allerdings nur kurz und von hinten, bevor er watschelnd im Unterholz verschwindet. Für uns trotzdem das i-Tüpfelchen auf einem perfekten Vormittag.

Und der Nachmittag war nicht viel schlechter. Ziemlich ausgepumpt wie wir waren, entschieden wir uns für den kürzeren „Wildlife Walk“, der mit 45 Minuten ausgeschildet war. Berechnen die da mit ein, dass man circa alle fünf Meter stehen bleiben muss, um Fotos zu schießen? Wir kamen jedenfalls eher langsam voran. Das lag vor allem an den Kängurus, die es dort zu dutzenden gibt und die keinerlei Scheu vor den Menschen zeigen. So nah waren wir ihnen jedenfalls davor noch nicht. Wir haben sogar ein Baby-Känguru gesehen. Ein Baby-Känguru! Ansonsten noch mal einen Wombat aus nächster Nähe, ein paar Emus und eine halbe Millionen Grashüpfer.

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Damit endete unser erster Tag im Wilsons Promotory. Wir hatten aber definitiv Lust auf einen zweiten.

Tag 2: Der „Lilly Pilly Gully Walk“

Am Morgen schmissen wir wegen der dichten Wolkendecke noch schnell unsere Wanderpläne über den Haufen und entschieden uns für den Wanderweg mit dem definitiv coolsten Namen, den wir je gehört haben: den „Lilly Pilly Gully Walk“, mit anschließendem Schlenker über den Mount Bishop.

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Und auch dieser Weg hat sich gelohnt. Er führte uns durch dichten Regenwald, der gefühlt alle zehn Meter sein Aussehen veränderte, von dichtem Unterholz zu lichten Baumreihen, von sumpfigen zu felsigen Gebieten. Wir liefen tatsächlich durch echten Regenwald, der viel älter und vielfältiger ist als die sonst dominierenden Eukalyptuswälder. Und wir waren mal wieder ganz alleine im Wald. Oder besser gesagt: alleine mit den Vögeln. Gesehen haben wir fast keine (für die nächste Reise packen wir definitiv ein Fernglas ein!), aber dafür gehört. Das Zwitschern und Singen war überall. Wirklich ein Feuerwerk für alle Sinne! Einer der Vögel klang tatsächlich wie eine quietschende Tür. Wir konnten es erst kaum glauben, als wir das auf einem Schild gelesen haben, aber es war tatsächlich so. Und als Belohnung konnten wir sogar noch einer unfassbar süßen Maus dabei zusehen, wie sie sich ein Loch gebuddelt hat.

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Nachdem der Weg einige Zeit lang auf einer kleinen Holzbrücke weiterführte, stieg er dann zunehmend an. Vorbei an einer durch einen Erdrutsch hervorgerufenen Schlucht führte er immer weiter am Hang zurück zum Aussichtspunkt. Auf dem Weg lagen jetzt zunehmend Steine und Wurzeln, hier und da mussten wir sogar ein bisschen klettern. Durch die Bäume blitzten schon kleine Flecken Wasser hindurch – ein Vorgeschmack auf die Aussicht, die uns erwartete.

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Also kletterten wir munter weiter.

Schließlich erreichten wir müde aber glücklich den Gipfel, auf dem einige größere Felsen aus dem Wald herausragten. Von dort hatten wir eine schöne, wenn auch etwas wolkenverhangene Aussicht auf das Meer, die Inseln und die Strände im Wilsons Promontory.

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Ganz so spektakulär wie am ersten Tag war die Aussicht hier zwar nicht, aber unser Highlight hatten wir mit dem Vogelpfad ja auch schon hinter uns. Eine nette „Zusammenfassung“ des Wilsons Promontory war es allemal – Wälder, Berge, Strände und Meer in einer Aussicht.

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Als wir wieder herunterstiegen, war es Mittag, aber wir hatten unser Tagewerk trotzdem schon erreicht. Im Wilsons Promontory waren wir das erste Mal seit meiner Fußverletzung in Taiwan wieder länger wandern und wir waren froh, überhaupt mal eine Halbtagswanderung geschafft zu haben. Beschwerden gab es zum Glück keine.

Auf dem Rückweg aus dem Park stoppten wir noch an zwei Stränden und sagten diesem wunderschönen Fleckchen Erde dann schweren Herzens Adieu.

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