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Die Maya Vol. 2 – Die Ruinen von Cobá

An unserem dritten vollen Tag in Mexiko stand bereits unser zweiter Ausflug zu einer Maya-Ruine auf dem Programm; nach den Ruinen von Tulum ging es nun nach Cobá, eine knappe Stunde mit dem Bus entfernt.

Und wie soll man sagen: Es war ziemlich cool – aber auch komplett anders als in Tulum. Der Slogan „Kennste eine, kennste alle“ war im Bezug auf die Maya-Ruinen also fürs erste ad acta gelegt.

Aber was unterscheidet Tulum und Cobá denn jetzt voneinander? Nun, zu allererst die Lage. Tulum liegt an der Küste, Cobá im Dschungel. Und daraus ergibt sich ein völlig anderes Besuchererlebnis. Nach Tulum sind wir morgens um acht gefahren und haben um halb elf mit drohendem Hitzekoller das Weite gesucht; in Cobá kamen wir ganz entspannt um kurz nach zwölf an und die Hitze war kaum ein Problem – der Weg zu den Ruinen war schön schattig und von einem dichten Blätterdach überwachsen.

Dass es überhaupt einen Weg zu den Ruinen gibt, ist eine weitere Besonderheit Cobás. Es handelt sich hierbei nämlich um eine der größten Maya-Siedlungen überhaupt, nicht was die Anzahl der Gebäude angeht, sondern bezogen auf die Fläche, die diese einnehmen – alles in allem etwa 70 Quadratkilometer. Bis zur größten Pyramide läuft man bereits dreißig Minuten und hat dann noch nicht einmal einen Bruchteil der Anlagen gesehen. Da trifft es sich gut, dass es am Eingang sowohl Fahrräder als auch Rikschas zu mieten gibt, denn bei der mexikanischen Hitze sind dreißig Minuten Fußmarsch auch im Schatten nicht zu verachten. Also liehen wir uns für 5o Pesos (gut zwei Euro) pro Nase ein Paar Räder und fuhren munter drauf los.

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Der Weg folgte übrigens originalgetreu einer alten Maya-Straße, die bis nach Chitzen Itza führt. Wir wandelten im wahrsten Sinne des Wortes auf den Spuren der Maya.

Die erste von drei größeren Siedlungen erreichten wir schon nach wenigen Metern und es sah, wie schon gesagt, ganz anders aus als in Tulum. Die Ruinen waren viel größer und wuchtiger! Nicht unbedingt besonders groß, aber schon die Grundrisse stellten den Tempel des Windgottes in Tulum mit Leichtigkeit in den Schatten. Außerdem hat die Natur sich hier viel stärker ihren Platz zurückerobert: Mitten in den Ruinen wachsen Bäume, alte Mauerreste sind von Wurzeln und Flechten überzogen, drum herum ist nichts als undurchdringlicher Dschungel. (Dafür hatten wir in Cobá keinen Strandblick – man kann eben einfach nicht alles haben…)

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Und noch ein Vorteil: Es war viel weniger los. Natürlich waren wir weit entfernt davon, allein zu sein und es gab auch hier geführte Touren, aber eben nicht so einen Rummel wie in Tulum. Schilder mit Hintergrundinformationen? Nada. Wir fühlten uns angenehm alleine gelassen. Nichts verrät einem, ob das vor uns ein Tempel, das Haus eines Adligen, ein Ballspielplatz oder eine Königsvilla ist – nur unsere eigene Phantasie. Und es gibt vieles, um sie anzuregen. Überall stehen Ruinen, große, kleine, verwitterte und gut erhaltene, dazwischen Mauerreste, ein Säulengang und etwas, das an eine Sporttribüne erinnert.

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Die einzigen Zeichen menschlicher Eingriffe, sind die kleinen Schilfdächer, die über Schrifttafeln oder Stelen aufgespannt sind, um diese vor der Sonne zu schützen.

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Die meisten Stelen waren recht verwittert, aber das wenige, das wir sehen, ist dann doch ziemlich interessant: Meistens große Maya-Krieger mit Tierköpfen und besiegten Feinden zu ihren Füßen.

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Aber uns zieht es ja weiter, zur großen Pyramide.

Der Weg dahin ist angenehm: Wir radeln gemächlich durch den Dschungel und alle paar Minuten halten wir an, weil wir an einer neuen Ruine vorbeikommen. Ein wirklich entspannter Nachmittag.

Dann steht das Highlight des heutigen Tages vor uns. Durch die Baumreihen erhaschen wir schon recht früh einen ersten Blick auf ein großes Steingebäude, aber ganz entfaltet sich der Eindruck erst auf uns als wir um eine Kurve biegen und direkt davor stehen. Die Pyramide ist riesig!

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Zweiundvierzig Meter hoch übrigens und damit die höchste begehbare Maya-Ruine überhaupt. Eine breite Treppe führt schnurgerade hinauf, darauf sitzt ein kleines Tempeldach, zu beiden Seiten stützen kleinere Seitentreppen das ganze, aber es ist nicht die filigrane Architektur, sondern die schiere Größe und Wucht des Bauwerks, die uns in diesem Moment beeindruckt. Natürlich wollen wir gleich nach oben.

Es ist anstrengend. Die Stufen sind in relativ schlechtem Zustand, viele verwittert und zersprungen, kaum einmal zwei gleich hoch oder eben. Viele sind noch dazu verflucht rutschig!

Schließlich sind wir oben angekommen. Wir verschnaufen kurz, drehen und um – und staunen. Ein riesiges grünes Meer breitet sich unter uns aus. Dschungel, soweit das Auge reicht. Es ist ein beinahe makelloser Anblick: Nichts menschengemachtes dringt von unten durch das Blätterdach, keine Städte sind am Horizont zu sehen, nur einige einzige Pyramide streckt verstohlen ihren Kopf aus dem immergrünen Meer hervor. Beeindruckend! Irgendwie ist es in diesem Moment ganz leicht, sich vorzustellen, wie vor ein paar hundert Jahren hier oben die Priester ihre Opfer dargebracht haben und hinab auf die Bäume, die Gebäude und die ehrfurchtsvollen Zuschauer geblickt haben. Für uns galt in Cobá: mittendrin statt nur dabei.

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Hinunter kletterten wir (besser gesagt: rutschten wir auf dem Hosenboden) relativ hastig – weil es anfing zu tröpfeln. Unten waren wir voller Adrenalin, aber auch ziemlich begeistert.

Auch danach hatte Cobá noch einige nette Anblicke zu bieten, auch wenn der Höhepunkt nun hinter uns lag. Hier ist noch eine kleine Auswahl an Ruinen und Stelen, die wir interessant fahren – es kamen nach der großen Pyramide bestimmt noch ein Dutzend oder mehr.

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Damit endete unsere zweite Runde Ruinen-Sightseeing und ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass wir uns auf die nächste Runde freuen – mindestens einmal Chitzen Itza steht noch auf dem Programm. Und wer weiß: Vielleicht ist das ja wiederum ganz anders als Cobá oder Tulum.

 

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