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Strände, Palmen und Ruinen in Tulum

Die erste Station unserer Mexiko-Reise ist das kleine Dörfchen Tulum, eine klassische Backpacker-Hochburg. Wenige, reiche Touristen, kleine Bars und Cafes überall, ansonsten ist im Ort ziemlich wenig los. Laut und heiß war es natürlich, aber das ist es, so glauben wir zumindest, momentan überall in Mexiko. Das Beste ist wahrscheinlich: Tulum hat einige ziemlich coole Attraktionen in nächster Nähe zu bieten. Mit unseren gleich am Ankunftstag gemieteten Fahrrädern konnten wir etwa einige Cenotes (mit Wasser gefüllte Kalksteinlöcher), den Karibikstrand und gleich mehrere Maya-Ruinen erreichen. Mit einer der letzteren fingen wir an: El Castillo.

Um den Horden von Touristen (und der Hitze) zu entgehen, vor denen man uns allerhand gewarnt hatte, standen wir extra früh auf und kamen immerhin eine knappe halbe Stunde nach Öffnung der Anlage an. Voll war es allerdings trotzdem und dazu mussten wir recht lange am Ticketschalter warten, während die im Voraus gebuchten Touren einfach an uns vorbeiliefen. Früh da sein bedeutet bei dieser Art von Attraktion also nicht den Unterschied zwischen voll und leer, sondern den zwischen voll und Sardinenbüchse.

Hinter dem Schalter mussten wir dann erstmal ein paar Meter einen kleinen Weg entlang durch den eher lichten Dschungel laufen, bis wir die ersten Ruinen erreichten. Die Stimmung war gut: Es war noch recht kühl, schattig und am Wegrand tummelten sich die ersten kleineren Attraktionen, nämlich kleine (und teilweise recht große) Iguanas, die ein beliebtes Foto-Motiv abgaben.

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Die eigentliche Anlage betraten wir durch ein Loch in der Mauer, die die Ruinen ringsherum umgibt. Das Gebiet war ursprünglich nämlich zweigeteilt: Eine große Mauer führt außen herum, früher gab es innen noch eine zweite, die die wichtigsten Gebäude und Tempel umschloss. Zum Meer hin war und ist das ganze offen – elf Meter hohe Klippen zum Strand wirken besser als jede Befestigungsanlage.

Innen stellte sich das Ganze recht weitläufig dar. Das Areal ist relativ groß und dazu sehr licht. Von vielen Gebäuden stehen nur noch die Fundamente, die meisten verbliebenen sind zudem eher klein, sodass wir einen guten Überblick behielten. Tafeln mit Erklärtexten und Hintergrundinfos gab es auch einige, insgesamt aber doch eher wenige – da bestünde in unseren Augen noch Luft nach oben. Aber so mussten eben statt Worten die Steine zu uns sprechen und das taten sie auch. Wir waren jedenfalls schnell beeindruckt.

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Wir wissen nicht, wie es euch geht, aber für uns haben Maya-Ruinen einfach eine besondere Ausstrahlung, die sie so unvergesslich macht. Zum einen ist das sicherlich die Architektur: Es gibt kaum Rundungen, alles ist symmetrisch, wie mit Legosteinen gebaut; geometrische Figuren wie Quader und Pyramiden dominieren. Und dann ist da einfach diese Umgebung: Die Palmen und der Dschungel, der unaufdringlich, aber stets wahrnehmbar im Hintergrund lauert, geben den steinernen Bauwerken etwas Mystisches. Ganz so, als verbergen sie ein Geheimnis, das sich den Betrachtern erschließt, wenn sie nur lange genug hinsehen. Was für ein Vorteil das etwa gegenüber der Akropolis ist! Früher müssen die Bauwerke übrigens noch viel spektakulärer gewesen sein – sie waren nämlich, genau wie römisch-griechische Tempel mit bunter Farbe bemalt, das vergisst man oft bei all dem Grau, was heute noch davon übrig ist.

Zwei gut erhaltene Gebäude haben es uns dabei besonders angetan.

Das erste war der Tempel des Windgottes. Ihn macht vor allem die Lage besonders, er sitzt mitten auf einer kleinen Klippe vor einer netten Strandaussicht. So hatten wir doppelte Freude an ihm: Einmal kann man ihn von vorne betrachten und das Gebäude selbst bestaunen (übrigens eines der wenigen mit rundem Grundriss auf ganz Yucatan), einmal sieht man ihn aus der Ferne als Teil des Küstenpanoramas.
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Ein Bild dieses Tempels ziert übrigens die neuesten Lonely-Planet-Ausgaben über Mexiko und tatsächlich sah es genauso aus, wie man sich aus Deutschland Mexiko in seinen kühnsten Träumen vorstellt: Palmen und Strand, davor eine Ruine. Ein tolles Postkartenmotiv!

Das zweite Highlight war das größte Mayagebäude Tulums, El Castillo. Wobei groß hier relativ ist: Der Palast ist nur etwa elf Meter hoch, was sich verglichen mit den Pyramiden in Tikal, Guatemala (67 Meter) oder dem nahen Coba (45 Meter) doch recht bescheiden ausnimmt. Trotzdem war das Castillo sehr stimmungsvoll. Es besteht aus einer stufenförmigen Pyramide, auf denen die Maya-Priester Opferzeremonien abgehalten haben. Flankiert wird der Tempel auf beiden Seiten von kleineren Tempelgebäuden, in denen währenddessen besondere Gerüche erzeugt wurden. Darum verteilt stehen kleine Steine, gewissermaßen Miniatur-Tempel, die denselben Grundriss wie das größere Gebäude haben – auf ihnen wurden ebenfalls Opfer dargebracht.

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Ebenfalls spannend war noch ein Relief, das wir leider nur aus der Ferne und als Abbildung sehen konnten, und einen Gott zeigt, der sich kopfüber aus dem Himmel stürzt. Gerade die Kunst und Fresken der Maya sind ziemlich faszinierend, aber in dieser Hinsicht gibt es bestimmt noch imposantere Ruinen als Tulum.

Während wir zwischen den Ruinen umherwanderten, bemerkten wir auf einmal einen kreisförmigen Regenbogen um die gleißend helle Sonne. Wie wir später herausfanden, handelte es sich um einen so genannten „Halo“, der einen Wetterumbruch vorhersagen kann. Für uns trug dieses Schauspiel noch zur mystischen Atmosphäre der Ruinen bei.

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Zum Abschluss unseres Besuchs liefen wir noch die Holztreppe hinunter zum Strand, denn auch das gehört zu den Tulum-Ruinen dazu: Direkt darunter plantschen Besucher und Reisegruppen am Strand; ein Anblick, den man in Europa bestimmt nicht hätte (stellt euch mal vor, im Garten von Schloss Versailles stände ein Swimmingpool…), aber zu Mexiko gehört er eben dazu.

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Und wir können jeden verstehen, der auf der Suche nach Abkühlung ins Meer gesprungen ist: Es war mittlerweile, nach gut anderthalb Stunden in der Anlage, drückend heiß geworden. Morgens um 10:00 Uhr. Also radelten wir wieder nach Hause und hatten um halb elf am Morgen unseren Tagessoll erfüllt.

Auch das ist Mexiko – zumindest bis wir uns an die Hitze hier gewöhnt haben.

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