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Guckscht mal nach Uxmal

Kennst du eine, kennst du alle? Dieser Satz trifft in unseren Augen definitiv nicht auf Maya-Ruinen zu. Vier Stück haben wir in Mexiko gesehen und wirklich alle hatten komplett unterschiedliche Charakteristika und boten dementsprechend auch ganz unterschiedliche Erlebnisse. Unsere letzte Ruinenstätte, Uxmal (sprich: Ukschmal), war in dieser Hinsicht nochmal ein echtes Highlight, unterschied sie sich doch recht deutlich von Tulum, Coba und Chitzen Itza.

Die Anreise war wie üblich unkompliziert, dafür dieses Mal etwas länger – knapp anderthalb Stunden mit dem Bus. Dafür ging es, wie übrigens auch gleich in Chitzen Itza, gleich zur Sache. Das spektakulärste Gebäude war das, was wir gleich am Anfang sahen, als wir durch den Eingang liefen: Die Pyramide des Zauberers.

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Schön zu erkennen ist der Baustil des Gebäudes, ein anderer als der in Chitzen Itza. Beim weltberühmten Castillo fallen die Seitenwände in alle vier Richtungen hin stufenförmig ab, das ganze wirkt wie aus Legosteinen erbaut; bei der Pyramide des Zauberers sind die Seitenwände neben der beiden zentralen Teppen abgeflacht und gerundet. Das nennt sich Puuc-Stil und hat uns sehr gut gefallen – es wirkt irgendwie ein bisschen kunstvoller.

Die Entdecker von Uxmal brachten es vor über hundert Jahren so auf den Punkt: „“The classical pyramid form has been abandoned here. It is as if the Mayan architects had remembered the mountain peaks where the gods had been worshipped in the hazy past.”

Noch spektakulärer als der Anblick von der Vorderseite ist übrigens der von der Rückseite, was vor allem an dem großen Portalbogen liegt, der knapp unter der Spitze auf einer Plattform thront.

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Wie schon in Coba standen wir davor und konnten uns wunderbar vorstellen, wie ein Priester die Treppen hinauf und durch das Portal schreitet, bevor er oben an der Spitze wieder herauskommt. Da war Gänsehautatmosphäre garantiert und wir lieben die Mayaruinen dafür, dass sie es einem so leicht machen, diese Bilder im Kopf erstehen zu lassen.

Aber noch waren wir gar nicht an der Rückseite angelangt. Das ist nämlich das besondere an Uxmal: Es kommt ein richtiges Stadt-Feeling auf, einfach weil hier so viele gut erhaltene, große Gebäude dicht an dicht stehen. Zum ersten Mal hatten wir das Gefühl wirklich in einer antiken Stadt zu stehen und nicht auf einer Ausgrabungsstätte. Teilweise liefen wir wirklich durch schmale Gässchen zwischen den Tempelwänden hindurch. Außerdem war es sogar möglich, in die Gebäude und Kammern hineinzugehen (Anmerkung: Die Türen sind absurd niedrig!), was das ganze noch einmal anschaulicher machte.

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Die zweite große Struktur hinter der Pyramide des Zauberers war dann das sogenannte Nonnenviereck (auf dem Ausblick-Foto links oben).

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Auch hier konnten wir uns wieder prima vorstellen, wie die Maya in Kleingruppen über den weiten Platz flanierten und sich vom Anblick der Tempel und des Dschungels inspirieren lassen. Suzan fand besonders die Kunstwerke und Inschriften interessant. Auch ihnen muss ein besonderer Stil zugrunde liegen, denn solche hatten wir bisher bei keiner anderen Ruinenstätte gesehen. Sie waren unglaublich plastisch, gut erhalten und wirkten fast wie 3-D-Bilder, die jemand an der Wand aufgehangen hatte. Dazu kamen noch die obligatorischen Schlangenköpfe, die von den Tempelwänden abstehen.
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Danach veränderte sich das Landschaftsbild ein wenig – es wurde ländlicher. Nachdem wir die Pyramide des Zauberers und das Nonnenviereck hinter uns gelassen hatten, liefen wir über einige Treppen hinunter auf eine Wiese. Dieses Areal war weniger spektakulär als einfach nur schön: Bäume, Wiese, sattes Grün und dazwischen ein paar kleinere Tempelbauten als hätte sie ein Riese dort abgelegt und vergessen. In der Luft schwirrten Schmetterlinge und Libellen herum, über die Steine und Mauerreste krabbelten Iguanas und sorgten für Dschungelfeeling. Ansonsten war erfreulich wenig los. Im Gegensatz zu Chitzen Itza zog Uxmal nur einen Bruchteil der Besucher an.

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Dahinter ging es wieder nach oben zum dritten von vier großen Gebäudestrukturen: dem Gouverneurspalast.

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Das langgezogene Gebäude war an sich ganz nett, aber wirklich besonders machte es die Aussicht von der Plattform, die sich ringsherum spannte. Wir waren nämlich mittlerweile ganz schön hoch. Schon in Coba hatten wir ja von der hohen Pyramide eine wirklich gute Aussicht gehabt, aber es war eben auch brutal anstrengend gewesen; hier liefen wir immer mal wieder ein paar Stufen auf eine höher gelegene Plattform, was das Ganze ein wenig entzerrte. Die Aussicht war dafür der Hammer! Genau nach diesem Fotomotiv, das ich schon aus dem Internet kannte, hatte ich gesucht, weil es für mich einfach perfekt die Faszination Maya symbolisiert: Eine riesige, graue Pyramide, die sich stumm und ehrfurchtsgebietend aus dem Dschungel erhebt. Mein Lieblings-Anblick aus ganz Mexiko!

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Danach umrundeten wir den Gouverneurspalast und Uxmal hielt tatsächlich noch eine würdige Abschlussruine für uns bereit:

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Die Pyramide ist etwa 30 Meter hoch und begehbar, also machten wir uns sofort auf den Weg. Anstrengend war es, aber dafür nicht halb so riskant wie unser Pyramiden-Aufstieg in Coba; die Stufen waren komplett eben und in einem 1A-Zustand. Natürlich war die Pyramide in Coba nochmal deutlich höher und dementsprechend war auch der Blick noch weiter, aber wir fanden es trotzdem klasse. Grünes Blätterdach, nur gestört von einigen grauen Farbtupfern, und Dschungel so weit das Auge reicht, zu unsere Rechten sahen wir die übrigen Ruinen durch die Baumkronen schimmern.

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Diese Aussicht war das perfekte Ende unserer Maya-Besichtigungen in Mexiko und damit auch ein würdiger Abschluss für Uxmal.

Ein paar der kleineren, weniger gut erhaltenen Ruinen ließen wir aus und liefen zurück zum Eingang. Wir waren uns beide einig, dass Uxmal mit Abstand die schönste und eindrucksvollste Ruinenstätte war, die wir gesehen hatten; Chitzen Itza, eines der sieben modernen Weltwunder, hatte sie locker ausgestochen.

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