Kolumbien, Reisen, Weltreise

Kaffee-Bohnanza

Nachdem wir in Medellin einige unspektakuläre Tage verbracht hatten, um wieder ordentlich Power und Abenteuerlust zu tanken, kamen wir gestern am vorletzten Stopp unserer Kolumbienreise an: in Salento. Dieses 7.000-Einwohner-Dörfchen liegt im Herzen der kolumbianischen Kaffeezone. Was sollte man hier also machen, wenn nicht eine geführte Tour auf einer Kaffee-Finca?

Die Fincas, auf denen der berühmte kolumbianische Hochland-Kaffee angebaut wird, gibt es hier überall und fast alle bieten sowohl Übernachtungsplätze als auch geführte Touren an. Wir suchten uns also eine aus und fuhren zwanzig Minuten mit dem Jeep-Taxi dorthin.

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Da wir etwa eine halbe Stunde zu früh für die Führung da waren, konnten wir uns erst ein bisschen auf der Finca umsehen und – was soll man sagen – wir waren gleich beeindruckt. Die „El Ocaso“ Finca lag in einem so idyllischen Tal, das sich der Ausflug schon gelohnt hatte, bevor wir auch nur die erste Kaffee-Pflanze gesehen haben!
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Es war ein Feuerwerk der Natur. Um uns herum war nicht als Grün; Bäume, Büsche, Gräser, nur dazwischen schoben sich ein paar helle Farbtupfer, die uns deshalb umso besser gefallen haben. Ein Baum mit knallorangefarbenen Blüten ist uns besonders ins Auge gestochen.

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Zwischen den Pflanzen schwirrten die obligatorischen bunten Schmetterlinge herum (die jedoch immer gleich weg flatterten, wenn wir die Kamera zückten!).

Bis zur eigentlichen Finca mussten wir dann fünf Minuten einen kleinen Feldweg entlang laufen, was wir staunend und mit offenen Mündern taten. Die Finca selbst stellte sich dann als schnuckeliges altmodisches Holzhaus auf einer kleinen Anhöhe heraus.

BlogKaffee-3BlogKaffee-4Auch hier gefiel uns vor allem die Umgebung. Die Natur. Die Ruhe. Überall standen Sitzbänke herum, die eine schöne Aussicht auf das Tal boten. Wir sahen waldige Berghänge mit säuberlich in Reihen angepflanzten Bäumen, dazwischen etwas, das wir auf die Ferne als Kaffeesträucher identifiziert haben. Das Rauschen eines breiten Flusses bildete die Hintergrundmusik dazu. Und natürlich die Vögel! Auf der Finca tummelten sich über neunzig verschiedene Arten, erklärte man uns später und einmal sahen wir sogar einen bunten Tukan mit langem Schnabel. Eine Gegend wie bei einer Traumreise während einer Entspannungsübung.

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Wer entdeckt den Tukan?

Wer entdeckt den Tukan?

Überhaupt war das ganze sehr natürlich. Wir verglichen diese Tour natürlich sofort mit unserem Aufenthalt in den Cameron Highlands, einem der weltweit größten Tee-Anbaugebiete in Malaysia: Wo dort jedoch meilenweit nichts als Teefelder zu sehen waren, waren die Kaffeesträucher hier viel mehr in die Natur eingebunden. Die Pflanzen brauchen nämlich Schatten, weshalb die Bauern munter Avocado-, Plantanen- oder Bananenbäume zwischen sie hinein pflanzen. Optisch gesehen kam der Kaffee also um einiges dezenter daher als der Tee; aber dafür hatten die Cameron Highlands auch nicht diese unglaubliche Tier- und Pflanzenvielfalt wie sie Kolumbien hat.

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Nach diesen ersten Eindrücken ging dann die Tour endlich los. Sie dauerte etwa anderthalb Stunden und war äußerst interaktiv: Wir banden uns jeder einen altmodischen Weidenkorb um die Hüfte und durften sogar selbst ein paar Kaffee-Kirschen pflücken. Wer jetzt stutzt: Ja, Kaffee wächst in Kirschenform! Hat uns auch überrascht…

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An dieser Stelle versuche ich mal alles zusammenzufassen, was wir in der nächsten Stunde über Kaffee gelernt haben:

Am Kaffeestrauch wachsen sogenannte Kirschen, die entweder grün (unreif) oder gelb bzw. rot (im reifen Zustand) sind. Darein befinden sich meistens zwei, manchmal aber auch nur eine oder drei Bohnen. Diese sind weiß und von einer süßlichen Glibberschicht umgeben. Wir wurden aufgefordert, daran zu lutschen und stellten fest, dass der Glibber ziemlich lecker ist.

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Ein Kaffeestrauch wirft nur etwa fünf Jahre lang Erzeugnisse ab. Die (im wahrsten Sinne des Wortes) Faustregel dafür kann man sich anhand seiner Hände abzählen: im ersten Jahr ist der Kaffee am schlechtesten (Daumen), im dritten am besten (Mittelfinger), ab dann wird es wieder etwas schlechter (Ring- und kleiner Finger).

Gefühlt gibt es dutzende Kaffee-Variationen, tatsächlich gibt es Kaffee aber in überschaubaren Grundarten. Es gibt nur die drei Spezies Arabica, Robusta und Liberica. Liberica-Kaffee schmeckt jedoch am schlechtesten und ist wegen der großen, raumgreifenden Pflanzen unpraktisch zu pflanzen – dementsprechend wenig wird es angebaut. 75% der weltweiten Kaffee-Produktion kommt außerdem aus vier Ländern: Brasilien, Vietnam, Kolumbien und Indonesien.

Der Verarbeitungsprozess hat vier Stufen. Zuerst werden die Kirschen gepflückt und mit Hilfe einer speziellen Maschine werden die Bohnen von der Kirschenhaut getrennt (1). Dann werden die Bohnen erst gewaschen (2) und dann bei hoher Hitze getrocknet (3) – das kann, je nach Technikeinsatz, bis zu drei Wochen dauern. Als letztes müssen die Bohnen noch geröstet werden (4). Das passiert jedoch erst nach dem Export, da jedes Land seine eigenen Rösttraditionen hat. Kolumbianischer Kaffee ist im Gegensatz zu europäischem übrigens sehr wenig geröstet, und daher sehr mild.

Verschiedene Sorten, bzw. Geschmäcker kommen durch die Verarbeitung und die Auswahl der Inhaltsstoffe zu Stande. Beim „normalen“ Kaffee werden nur die Bohnen geröstet; beim sogenannten „Cisco“ werden zusätzlich auch die Kirschenhäute verarbeitet, beim „Honey“-Kaffee bleibt der süße Glibber um die Bohnen erhalten. Zuguterletzt gibt es dann noch den Kaffe zweiter Klasse, die schlechteste Sorte, in dem Bohnen verarbeitet werden, die von Schädlingen befallen wurden oder aus anderen Gründen schlechte Qualität haben. Dieser wird nur gemahlen verkauft, weil die Bohnen „wie Abfall“ aussehen.

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Kolumbianischer Kaffee ist für seine Qualität berühmt. Das kommt daher, dass in weiten Teilen des Landes noch per Hand gepflückt wird, so können die Pflücker entscheiden, welche Bohnen gut und welche schlecht sind. Brasilianische Bauern arbeiten in dieser Hinsicht vollautomatisch, was gut für die Quantität, aber schlecht für die Qualität ist.

Vom guten Kaffee merkt man in Kolumbien übrigens (fast) nichts. Die Regel lautet: Das gute Zeug wird exportiert, auf der Straße oder in Restaurants gibt es mit wenigen Ausnahmen nur Kaffee zweiter Klasse zu kaufen. Die Welt ist unfair.

Das alles (und noch vieles mehr) erklärte uns unser Führer äußerst charmant und anschaulich, sonst hätte ich niemals so viel behalten können. Dabei bekamen wir immer gleich live gezeigt, wie etwa das Waschen oder Trocknen funktioniert: Meistens gab es dabei eine traditionelle und eine effektivere, moderne Anlage.

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Der End- und Höhepunkt der Tour war dann – natürlich – noch eine Kaffee-Verkostung. Unser Guide zeigte uns noch schnell, wie der Kaffee gemahlen und gefiltert wird und schenkte dann jedem eine Tasse aus. Wir waren auf den Geschmack gespannt, vor allem weil uns unser Guide im Voraus mehrfach gewarnt hatte: Kolumbianer trinken ihren Kaffee nämlich viel milder als Europäer. Und tatsächlich, es stimmte! Der Kaffee schmeckte wirklich unheimlich mild, fast fruchtig – eher wie ein Tee, als wie Kaffee.

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Ist das denn gut? Nun, Geschmacksache. Ich fand es zur Abwechslung ganz in Ordnung, Suzie, die sonst ja nie Kaffee trinkt, war dagegen ganz begeistert. Er ist also auf jeden Fall sehr „speziell“ der kolumbianische Kaffee.

Und damit war unser Finca-Ausflug auch schon vorbei. Es waren ziemlich informative und kurzweilige Stunden und die Finca überraschte uns sogar noch mit einer vielfältigen Natur, mit der wir nicht gerechnet hätten. Insofern können wir das allen Kaffee-Interessierten nur empfehlen – allen anderen aber auch. Unsere Zeit in der Kaffeezone hat denkbar gut begonnen!

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