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A New York State of Mind

Es wird mal wieder Zeit, für ein kleines Reiseupdate. Wir sind jetzt mittlerweile seit knapp zwei Wochen bei Suzies Tante Karin in Tarrytown, nördlich von New York City. Warum ihr so lange nichts von uns gehört habt? Weil wir erst ein paar Projekte vorantreiben mussten und es hier ansonsten einfach viel zu entspannt ist, um sich für einen Blogartikel zu motivieren.

Westchester County

Nur kurz zur Information für die, denen Tarrytown kein Begriff ist. Das Städtchen liegt etwa vierzig Auto- oder Zugminuten nördlich von NYC in Westchester County am Hudson River und das war für uns definitiv schon eine der ersten Überraschungen. Denn Tarrytown ist ziemlich – grün. Ländlich könnte man fast sagen. Karins Haus steht ein Stück außerhalb auf einem kleinen Hügel und bei der Fahrt hinauf kommen wir immer an kleinen Wäldchen und sogar einem ziemlich großen Felsen vorbei. Von der Terrasse aus kann man den Hudson River sehen und hat ungestörten Blick über grüne Baumreihen. Das Städtchen selbst ist auch ziemlich ruhig, jedenfalls viel ruhiger als wir gedacht hatten. Vierzig Minuten nördlich von Manhattan eine solche Idylle finden? Hätten wir nicht für möglich gehalten!

Dafür hat die Stadt etwas zu bieten, was wir bisher in amerikanischen Städten immer vermisst hatten: einen Ortskern. Sonst fanden wir die Städte – in Kalifornien etwa – immer sehr generisch und seelenlos, aber diese sogenannten „Rivertowns“ am Hudson River fallen da aus der Reihe – dank der verhältnismäßig frühen Besiedlung durch holländische und englische Einwanderer. Bei Fahrten durch die Stadt sehen wir so immer wieder nette alte Häuschen, dazu kommt, dass die Amerikaner hier auch ihre neuen Häuser gerne in historischem Stil herausputzen. Auf den Autofahrten kriegen wir so am Straßenrand eigentlich immer etwas geboten.

Ansonsten bietet das Umland genügend Gelegenheiten für Tagesausflüge. Einen Abend verbrachten wir im nahen Piermont, wo wir in einer Strandbar aßen und die neugebaute Tappan Zee Bridge über den Hudson bewundern durften.

Ein anderes Mal gingen wir in Peekskill am Fluss spazieren und sahen uns den Sonnenuntergang von einem alten Kloster aus an.

Und wieder an einem anderen Tag fuhren wir zu einem kleinen See, um Kajak zu fahren. Da wurden Erinnerungen an Kanada wach! Die Wälder und Hügel im nordwestlichen Teil von New York State (der See lag zur Hälfte in New York und zur Hälfte in New Jersey) waren wunderbar grün und sanft, und erinnerten uns fast ein bisschen an die Natur zuhause – wenn da nicht die Rehe gewesen wären, die wir häufiger am Straßenrand sahen. Die häufigen Tierbegegnungen in Nordamerika werden wir definitiv vermissen! Die Landschaft war etwas weniger wild als in Kanada und die Hitze hielt uns von sportlichen Höchstleistungen ab, aber es war trotzdem wunderbar, wieder auf dem Wasser zu sein und sich ganz frei und zwanglos zu fühlen. Kajak-Fahren ist definitiv etwas, das wir auch in Deutschland gerne mal wieder machen wollen. Und dann gab es auf dem See noch dutzendweise Boote und kleine Yachten, auf denen die New Yorker Upper Class ihre Samstagnachmittag-Partys feierte – war auch mal spannend zu sehen…

Und ansonsten gibt es ja immer noch die Terrasse, von der wir jeden Abend den Sonnenuntergang über dem Hudson betrachten können, und den Pool für die heißen Mittagsstunden. Ihr seht – langweilig wird es uns nicht.

New York City

In der Stadt selbst waren wir natürlich aber auch. Einen Tag haben wir in Manhattan verbracht und er hatte ein wenig Schatten (dank Regen und Reizüberflutung), aber auch viel Licht.

Unser erster Stopp war vielleicht gleich der schönste: Die New York Public Library. Dort war es zwar auch recht voll, aber das hat uns kaum gestört. Die Library ist einfach ein wunderschönes Gebäude mit tollen Lesesäälen, alten Büchern und allerlei Schnickschnack. Wie cool sind zum Beispiel diese Deckengemälde?

Und in solchen Räumen könnten wir uns auch jeden Tag arbeiten sehen.

Besonders gut gefallen hat uns auch noch der Museumsshop, in dem es allerlei Gegenstände aus der Welt der Bücher zu bestaunen (und für den großen Geldbeutel auch zu kaufen) gab: Wunderschöne Buchausgaben, Taschen mit aufgedruckten Zitaten, Notizbücher und – einer meiner Favoriten – eine Tasse, auf die die schönsten Beleidigungen aus den Werken Shakespeares aufgedruckt waren.

Danach klapperten wir die Standard-Sehenswürdigkeiten ab, genau genommen den Times Square, den wir allerdings wahnsinnig überfüllt und konfus fanden, und dann den Central Park – der war sehr nett, aber es war unglaublich heiß, bei hoher Luftfeuchtigkeit. Nicht nur in Deutschland ist Hitzewelle angesagt. Während wir schließlich im East Village herumschlenderten, überraschte uns ein heftiger Regenschauer, der uns an die tropische Regenzeit in Südostasien erinnerte.

Besser wurde es dann auf der Staten Island Ferry, mit der wir eine Runde drehten, die Sonne auf dem Außendeck genossen und die Aussicht auf die Freiheitsstatue und die New Yorker Skyline in uns aufsaugten. Diese Stadt hat eben doch einiges zu bieten!

Auf dem Weg zurück nach Tarrytown hatten wir dann genügend Zeit, um uns die Grand Central Station anzuschauen und (in Suzies Fall) coole Bilder zu schießen.

Long Island

Dem ganzen Trubel (höhö, es war nur ein Tag, aber trotzdem) mussten wir dann gleich mal entfliehen und fuhren mit Karin für drei Tage in ein Ferienhaus auf Long Island.

Auch dort sah es ziemlich anders aus, als wir uns das vorgestellt hatten und zwar diesesmal: weniger ländlich. Es reihten sich Dörfer und kleine Städtchen aneinander, dafür gab es deutlich mehr Sehenswürdigkeiten.

Genau genommen sind das vor allem die Landhäuser des alten amerikanischen „Geldadels“, der sich hier auf Long Island Feriendomizile errichtete, um dem Trubel und der Hitze der Stadt (und auch schon mal aufdringlichen Paparazzi) zu entgehen. Wir sahen uns die „Old Westbury Gardens“ – ein Anwesen der Familie Phipps aus dem Jahr 1906 – und das Sommerhaus von William K. Vanderbilt, fertiggestellt im Jahr 1904, an.

Spannend war es, die Unterschiede zwischen den beiden zu sehen. Die Erbauer klauten sich nämlich fleißig alles zusammen, was sie an europäischen Möbeln, Bildern und sogar ganzen Einrichtungsstilen finden konnten und würzten das ganze mit ihrem persönlichen Geschmack und typisch amerikanischem Hang zum Pomp.

Das Phipps-Haus wartete etwa mit einem wunderschönen, riesigen Gartenareal auf.

Das eigentliche Haus war im englischen Stil gehalten war. Die Inneneinrichtung war selbstverständlich vom Feinsten: Mahagoni-Möbel und Bäder aus Marmor. Dazu eine Bibliothek mit Geheimtür, Statuen, erlenstes Geschirr, Wand- und Deckengemälde und riesige Porträts der Familie in jedem Zimmer. Man muss schon sagen: Die Reichen wussten zu leben.

Das Vanderbilt-Haus sah ganz anders aus, eher spanisch angehaucht, im Hacienda-Stil. Es gab einen viereckigen Innenhof, einen Glockenturm, auf dem Fischadler brüteten, und ein Fallgitter vor dem Tor. Dazu hatte Willie Vanderbilt das ganze Haus mit Mitbringseln seiner Expeditionen und Weltreisen vollgestopft: Von Meerestieren über ethnologische Gegenstände bis hin zu dutzenden ausgestopften Savannentieren gab es einfach alles. Im Keller lag sogar, kein Witz, eine Original-Mumie aus Ägypten. Je reicher man wird, desto exzentrischer werden eben die Hobbies…

Einen Vormittag fuhren wir dann noch an die Ostspitze von Long Island nach Montauk, kletterten auf einen alten Leuchtturm und genossen von dort die Aussicht über das Meer und die Küste, die hier ein bisschen wilder als an der Südseite der Insel war.

Ansonsten verbrachten wir die Zeit so oft es ging am Strand, der uns mit seinen Dünen und dem feinen Sand an Australien erinnerte. Es tat uns auf jeden Fall gut, mal wieder ans Meer zu kommen.

Unseren restlichen Tage in New York wurden wieder etwas ruhiger. Ein Highlight stand aber noch auf dem Programm: Aladdin, das Musical. Pünktlich zu meinem Geburtstag setzten wir uns in die Bahn und verbrachten den Abend am Broadway. Die Show im New Amsterdam Theatre war atemberaubend, bunt, schillernd und mehr als einmal waren wir fasziniert vom wunderschönen Bühnenbild und den Effekten. Ich sage nur Flaschengeist und fliegender Teppich…


Ihr seht also, dass unsere Zeit hier ziemlich abwechslungsreich war und dementsprechend leider rasend schnell vorbei ging. Es war im wahrsten Sinne des Wortes alles dabei: Großstädte, Outdoor-Sport, Entspannung zu Hause, Ausflüge und Strandurlaub. Dass New York so vielseitig ist, hätten wir definitiv nicht gedacht – und das ist doch mal was Positives! Jetzt machen wir uns auf zu unserem letzten Stopp – Island.

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