Island, Reisen, Weltreise

Das Finale: Island – Reykjavik und der Westen

Unsere zehn Tage in Island (und damit auch unsere Weltreise…) neigen sich dem Ende zu, aber wenigstens dramaturgisch haben wir einiges richtig gemacht: Am Ende wartete nämlich noch einmal ein echter Knaller auf uns, gewissermaßen das Finale Furioso.

Island.

In manchen Ländern haben wir ja eine Zeit gebraucht, bis wir wirklich angekommen sind und uns auf das Land einlassen konnten, aber in Island war das nicht der Fall. Man steigt einfach ins Auto, fährt los und ist direkt mittendrin. An unserem ersten vollen Tag fuhren wir gleich einmal viereinhalb Stunden im Auto, weil uns das Fahren durch diese Wunderlandschaft so viel Spaß machte. Aber davon später mehr.

Reykjavik

Unser erster Stopp war Reykjavik, die Hauptstadt Islands, in der wir uns erst einmal ein Zelt ausliehen, uns mit Essen eindeckten und eine knappe Stunde durch die Stadt bummelten. Reykjavik ist eher klein (ca. 123.000 Einwohner, Metropolregion: 200.000) und ein bisschen verschlafen, es ähnelt einem überdimensionierten Fischerdorf.

Die größte Sehenswürdigkeit war die Kirche, die, nun ja, doch recht außergewöhnlich aussieht.

Die Säulen sollen an die Geologie Islands erinnern und was uns zuerst noch eher seltsam vorkam, verstehen wir heute gut; solche Basaltsäulen haben wir in der isländischen Natur zu Genüge betrachten dürfen.

Von innen war die Kirche übrigens auch ganz nett.

Auf dem Platz vor der Kirche steht dann noch eine Statue von Leif Eriksson, dem Entdecker von Vinland (Nordost-Amerika), ein Geschenk der USA.

Aber unsere Islandreise sollte ja kein Städtetrip werden, sondern ein Naturerlebnis. Die Route dafür war eigentlich recht naheliegend: Wir fuhren einmal die große Ringstraße entlang, die in etwas über 14 Stunden Fahrt einmal um die ganze Insel herum führt und (mit kleinen Abstechern) eigentlich alle großen Attraktionen außer den Westfjorden abdeckt. Also verließen wir Reykjavik schon am ersten Tag wieder und suchten unseren ersten Zeltplatz auf. Aber natürlich legten wir uns nicht mittags schon ins Zelt, sondern fuhren noch einmal los und zwar gleich zu einem der historisch bedeutendsten Orten Island: dem Thingvellir.

Thingvellir

Dem ein oder anderen ist dieser Ort vielleicht als Schauplatz des ältesten Parlaments Europas geläufig, in dem sich die Wikinger und ersten Siedler auf Island einmal jährlich trafen, um Streitfragen zu klären und Recht zu sprechen. Aber als wir ankamen waren selbst bei mir als Geschichtsstudent Gedanken an die Vergangenheit dieses Ortes weit weg; denn die Vergangenheit kann man häufig nicht sehen, ganz im Gegensatz zu der Aussicht, die sich uns bot. Vor uns lag ein riesiger See, aus dem mehrere größere Inseln herausragten.

An der Nordseite, wo wir standen, strömten dutzende Wasserläufe in den See hinein und kreierten eine zerklüftete Seen- und Flusslandschaft, wie sie isländischer nicht sein konnte. Kein Lüftchen regte sich und der See sah aus wie eine Platte aus Spiegelglas. Die Landschaft war felsig und die Flüsse wanden sich auf malerische Art durch kleine Canyons und unter natürlichen Brücken hindurch.

Die Isländer hatten sich wirklich den besten Ort für ihren Thing ausgesucht.

Wir stoppten kurz auf einer hölzernen Aussichtsplattform und bewunderten das Gesamtpanorama, dann liefen wir durch eine kleine Schlucht, die auf beiden Seiten von einem natürlichen Felswand begrenzt wurde, nach unten zum See. Mitten darauf war eine Island-Flagge platziert und als dann doch noch ein Wind aufkam, flatterte sie majestätisch. Trotzdem war es noch recht warm, auch wenn wir haufenweise Touristen in Schals und Mützen sahen und es später kälter wurde.

Beeindruckend war die Wasserqualität. In den kleinen Seen und Flüssen konnten wir immer bis zum Grund sehen und jeden noch so kleinen Stein haargenau erkennen. So reines, klares Wasser hatten wir jedenfalls noch nie gesehen, nicht einmal in Kanada. Später lasen wir in einem Reiseführer, dass Taucher in diesem See bis zu sechzig Meter weit sehen können. Eine unwirkliche Zahl, fanden wir beide.

Dann spazierten wir weiter durch die Seenlandschaft.

Wir kamen an einer winzigen Holzkirche vorbei und folgten dem Pfad durch ein paar Wiesen, bis wir auf eine hölzerne Plankentreppe stießen und hinauf zu einem kleinen Wasserfall stiegen – es sollte der erste von vielen, vielen Wasserfällen sein, die wir in Island bewundern würden.

Dieser hier war mit Sicherheit nicht der spektakulärste von ihnen, aber wir waren schwer beeindruckt.

Vor dem Becken lag eine Art Steg aus Holz, auf dem sich, wie bei vielen isländischen Attraktionen, Touristen tummelten. Über uns flog sogar eine Drohne durch die Luft, aber das war uns egal. Voll hin oder her, manchmal ist die Schönheit der Natur so bezaubernd, dass sie einen alles andere vergessen lässt.

Schließlich rissen wir uns doch noch von dem Schauspiel los und marschierten durch eine kleine Schlucht zurück zu dem Aussichtspunkt und dem Parkplatz, wo unser Auto stand.

Der Nordwesten

Am nächsten Morgen fuhren wir dann früh los und zwar, wie gesagt, für viereinhalb Stunden. Denn das ist einfach das wundervolle an Island: Man hat in jeder einzelnen Sekunde eine wunderbare Aussicht. Es gibt keinen Leerlauf. Keine Straßenabschnitte, die ganz nett, aber nicht so richtig beeindruckend sind. Da Island kaum bewaldet ist (nur etwa 1%), gibt es meistens nichts, was die Aussicht trüben könnte und Städte oder Siedlungen schon gar nicht. Es gibt nur Wunder über Wunder. Langgezogene Tafelberge, schneebedeckte Gipfel, grüne Wiesen, Heidekräuter, Schafe, Islandponys, Felsen, Wasserfälle und ab und an einen Vulkankrater.

Auf genau so einen, den Gabrok, kletterten wir dann als ersten Stopp an diesem Tag. Ein hölzerner Plankenweg führte einmal bis hinauf auf den Krater und dann in einem kleinen Kreis um die Spitze herum.

Die Aussicht von da oben war der Wahnsinn. Innen drinnen war das Gestein fast beigefarben, der Krater selbst vollkommen schwarz. Im Norden: eine weite Ebene, aus der nur ein einziger kleiner Fingerhutberg herausragt. Im Süden: langgezogene Bergmassive, Felsen und Schnee auf den Gipfeln.
Zwei komplett unterschiedliche Panoramen und doch waren beide auf ihre ganz eigene Art und Weise beeindruckend. Gewürzt wurde das ganze mit den Ruinen eines mittelalterlichen Klosters, die wir vom Kraterrand aus sehen konnten. Nach unseren Monaten in den USA und Kanada war es auf jeden Fall mal wieder ganz nett, Bauwerke zu sehen, die älter als zwei- oder dreihundert Jahre sind…

Am Nachmittag erreichten wir dann die ersten Fjorde und waren froh, wieder am Meer zu sein.

Aber aufhalten ließen wir uns davon nicht, auch wenn wir bei einem Zeltplatz direkt am Fjord kurz ins Schwanken kamen. Wir wollten lieber an den ersten paar Tagen ein paar Meilen gut machen, um es dann hintenraus etwas entspannter angehen lassen zu können – außerdem regnete es und was kann man bei Regen besseres mit seiner Zeit anstellen, als durch eine Wunderlandschaft zu fahren? Daher sahen wir vom Westen der Insel wahrscheinlich etwas weniger als vom Rest Islands, aber das war in Ordnung. Eine wichtige Funktion hat der Westen ohne Zweifel erfüllt: Uns in Island Willkommen geheißen und unsere Vorfreude ins Unermessliche ansteigen lassen.

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