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Das Finale III: Island – der Osten

Nachdem uns der Norden Islands bekanntlich ziemlich beeindruckt hat, fuhren wir danach in den Osten, eine Region, die mit deutlich konservativerer Schönheit daherkommt. Vulkanzonen und Schwefelquellen gab es hier nicht, aber dafür wieder alles andere, was Island in unseren Augen so wunderschön macht: Berge, grüne Wiesen und Meer. Sogar ziemlich viel grün, deutlich mehr als im lavaschwarzen Norden. Heutzutage ist nur noch etwa 1% Islands mit Wald bedeckt und das meiste davon findet man in der Gegend um das Städtchen Egilsstadir im Osten. Außerdem ist die Gegend unheimlich wasserreich: Beim Autofahren sahen wir  aus dem Fenster ungelogen alle zweihundert Meter einen Wasserfall und die Fjorde reichen teilweise noch kilometerweit ins Landesinnere hinein. Der Gesamteindruck des Ostens war daher deutlich lebensfreundlicher als der Rest Islands.

Unser erster Campingplatz lag dann auch direkt an einem dieser langgezogenen Fjorde.

Wenige Minuten nach unserer Ankunft kam die Sonne hinter den schweren Regenwolken hervor (wie ihr inzwischen wisst, eine echte Seltenheit) und tauchte die Landschaft in ein fast unwirkliches Licht. Wir machten uns sofort auf einen kleinen Spaziergang auf.

Keine zehn Minuten zu Fuß liefen wir dann durch ein kleines Wäldchen voller Blumen und Beerenbüsche. Eine willkommene Abwechslung zu der sonst doch recht kargen Natur und der Beweis, dass man in Island nicht immer Offroad fahren oder auf ausgedehnte Wanderungen gehen muss, um schöne Dinge zu erleben.

Bevor wir im Zelt verschwanden, sahen wir sogar noch ein goldenes Licht, das entfernt an einen Sonnenuntergang erinnerte.

Eine halbe Autostunde weiter südlich, immer noch am selben Fjord gelegen, bestaunten wir am nächsten Morgen dann wieder einmal einen Wasserfall, den Hengifoss. Mit 118 Metern Höhe ist er einer der höchsten in Island, dafür – besonders verglichen mit dem Dettifoss – eher von der gemütlicheren Sorte. Statt einem reißenden Strom sahen wir eher ein Bächlein.

Dafür war die kleine Wanderung, um dorthin zu kommen, die Mühe absolut wert. Zweieinhalb Kilometer ging es bergauf, direkt auf einen kleinen Canyon, eine Furt und ein paar Felshänge zu. Die Aussicht hinter uns war aber mindestens ebenso erwähnenswert: Wir hatten einen perfekten Blick auf den Fjord, ein paar sanfte, grüne Hügel und den größten Wald Islands. Und es schien sogar die Sonne! Es kam uns vor wie ein Wunder…

Faszinierend war mal wieder die Geologie. Bei einem kleineren Wasserfall vor dem Hengifoss – dem Litlanesfoss – waren die bekannten hexagonalen Basaltsäulen zu sehen, die bei Lavaausbrüchen entstehen und uns an den Giants Causeway in Nordirland erinnerten.

Die Felswand, vor der der Hengifoss in die Tiefe rauschte, war dann von roten und schwarzen Linien durchzogen – alles andere als ein gewöhnlicher Wasserfall.

Auf dem Weg weiter nach Süden verließen wir dann die Ringstraße mal wieder für eine Weile (wenn auch eher unabsichtlich) und nahmen die Straße über den Öxl-Pass. Der war früher Teil der Ringstraße, bis den Planern aufgefallen ist, dass es keinen Sinn ergibt, einen Streckenabschnitt darin zu integrieren, der ¾ des Jahres wegen schlechten Wetters gesperrt ist. Jetzt, im Sommer, war er aber gut zu befahren, auch wenn er unser Auto ohne Allrad-Antrieb vor einige Herausforderungen stellte.

Mit 543 Metern war der Pass nicht einmal besonders hoch, die Aussichten, die sich uns hier auf dem Weg ergaben, machten das aber allemal wett. Wir sahen kaum Autos, dafür aber hinter jeder Kuppe ein Panorama, das uns fast schon an die Alpen erinnerte. Schneebedeckte Berge, terassenförmige Hänge, Steine und ganz viel Grün.

Und dann tauchte zuletzt auch noch der Fjord am Ende der Straße auf.

Dort stoppten wir dann noch einmal für eine halbe Stunde und genossen den Ausblick aufs Meer.

Insgesamt sind wir durch den Osten also deutlich schneller gefahren als durch den Norden, aber das war in Ordnung. Der Süden, die letzte Region Islands, die noch auf uns wartete, sollte nämlich noch einmal eine Aneinanderreihung von Highlights werden und die wollten wir am liebsten bei gutem Wetter erleben. Von neun Tagen in Island hatten wir nämlich genau an anderthalb davon Sonne. Und dabei hatten wir auch noch Glück: Hinter Island lag nämlich, wie wir später erfuhren, der regnerischste Sommer seit 100 Jahren mit ganzen sieben Sonnentagen in Mai, Juni und Juli kombiniert. Da will man sich doch nicht beschweren… Und so konnte sich der Osten des Landes sich wenigstens im besten Lichte präsentieren.

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