Island, Reisen, Weltreise

Das finale Finale: Island – der „Golden Circle“ und der Südwesten

An den letzten beiden Tagen unserer Island-Reise näherten wir uns wieder der Hauptstadt Reykjavik und dem Südwesten der Insel, wo sich der Flughafen Keflavik befindet. Und wie schon bei den Übergängen vom Norden zum Osten oder vom Osten zum Süden veränderte sich auch dieses Mal wieder unser Reisegefühl. Der Grund dafür ist, dass wir den sogenannten „Golden Circle“ betreten hatten.

An dieser Stelle muss ich noch einmal kurz erklären, wie genau eigentlich die Massen von Touristen die Insel erkunden – immerhin kommen jedes Jahr über 2 Millionen davon auf gerade einmal 300.000 Einwohner.

Der Ostteil der Insel ist eigentlich nur mit dem Auto zu erkunden, wie wir es gemacht haben. Dementsprechend mietet fast jeder Island-Reisende gleich am Flughafen ein Fahrzeug und fährt damit los, meistens die Ringstraße entlang. Auf dieser sieht man beim Fahren dann nur ganz wenige verschiedene Modelle und fast alle sind weiß – es sind alles Mietwagen. Ob man dann auf Campingplätzen, in Gästehäusern oder im Wohnwagen schläft, hängt von der persönlichen Präferenz und der Dicke des Geldbeutels ab.

Es gibt jedoch auch noch eine andere Art von Touristen, nämlich solche, die keine Zeit, Lust oder Geld für eine gesamte Rundreise haben. Reykjavik ist außerdem Ziel für sogenannte Stop-Over-Flüge, wo man zwischen zwei Flügen über den Atlantik für ein paar Tage (oder bis zu einer Woche) ohne Aufpreis in Island bleiben kann. Diese Touristen tummeln sich in Reykjavik oder auf dem „Golden Circle“, einer kleineren Ringstraße, die man in etwa drei Stunden abfahren kann und die eine Art Mini-Abriss der klassischen isländischen Sehenswürdigkeiten liefern soll. Tourbusse und riesige Parkplatzmeere sind hier keine Seltenheit. Es ist also viel voller und etwas weniger mystisch unbewohnt als im Osten und Norden. Was nicht heißen soll, dass es dort weniger schön ist – es hat, wie meistens, eben einen Grund, warum diese Strecke so beliebt ist… Wer also nur einen kleinen Abstecher nach Island machen möchte und von einer ganzen Rundreise abgeschreckt wird, sollte darüber mal nachdenken.

Der erste Stopp auf dem „Golden Circle“ war der Geysir und zwar nicht irgendeiner, sondern DER Geysir, der allen anderen seinen Namen gegeben hat. Das einzige Problem dabei ist: Er bricht seit etwa dem Jahr 2000 überhaupt nicht mehr aus. Insofern präsentierte sich der Geysir als eine recht unspektakuläre Pfütze im Boden, die zugegebenerweise recht schöne Farben hatte.

Zum Glück gibt es auf dem Gelände noch einen zweiten Geysir, den Strokkur und dieser bricht tatsächlich alle 4-10 Minuten aus. Während wir da waren, tat er das gleich drei Mal und das war schon lustig anzusehen. Das Wasser spritzt vielleicht zehn Meter hoch, eine Dampfwollke wallt über das Feld und wenn der Wind richtig steht, wird man auch hinter der Absperrung noch nass. Begleitet wird der Ausbruch immer von „Ooohs“ und „Aaahs“, dem Klicken dutzender Fotoapparate und den Schreien überraschter Kinder. Da es auch noch in Strömen regnete (soviel zu „Golden Circle“…), verbrachten wir nicht allzu viel Zeit dort, aber gelohnt hat es sich trotzdem.

Keine zehn Autominuten weiter wartete schon die nächste Attraktion auf uns – der „Golden Circle“ ist dicht bepackt. Es war mal wieder ein Wasserfall und noch dazu der mit Abstand vollste, den wir gesehen hatte, aber dazu eben auch unzweifelhaft einer der schönsten in Island: der Gullfoss, der goldene Wasserfall.

Das Spannenden an diesem Wasserfall waren jedenfalls die unterschiedlichen Ebenen. Der Fluss war wieder etwas breiter (wie etwa auch beim Godafoss), was das Panorama schon mal beeindruckender machte. Oben plätscherte er über mehrere verzweigte Terassen auf eine Zwischenebene, von dieser wiederum donnerte er dann mit deutlich mehr Kraft knapp 20 Meter in eine Tiefe Schlucht hinein.

Das sah schon cool aus. Je nachdem, wo wir standen, hatten wir unterschiedliche Blickwinkel und die breiten, verzweigten Wasserströme waren ziemlich beeindruckend.

Interessant war dann auch der Flussverlauf unter dem Wasserfall, wie wir fanden; der Fluss floss nämlich in einem fast 90-Grad-Winkel senkrecht zum Wasserfall die Schlucht entlang. So etwas hatten wir auch noch nie gesehen…

Der dritte große Stopp auf dem „Golden Circle“, der Thingvellir, haben wir ausgelassen, weil wir den ja gleich an unserem ersten Tag in Island erkundet hatten. Stattdessen ging es weiter nach Reykjavik, wo wir unsere Camping-Ausrüstung zurückgaben, und uns in Richtung Flughafen aufmachten.

Wer jetzt denkt, dass das Ende unserer Naturfreuden war, könnte falscher nicht liegen. In Island liegen sogar zwischen Hauptstadt und Flughafen noch unberührte Wildnis und atemberaubende Panorama-Straßen. Ist das nicht der Hammer? Eigentlich ist das allein schon die perfekte Zusammenfassung für unseren Island-Urlaub.

Als erstes stoppten wir vielleicht eine halbe Stunde südlich von Reykjavik am See Kleifarvatn. Die Landschaft dort war wieder vulkanisch und erinnerte uns fast ein bisschen an den Norden. Das Seeufer war schwarz und steinig, das Wasser selbst wieder unfassbar still und klar. Das Wetter übrigens wechselhaft: Mal war es diesig und regnete, aber von Zeit zu Zeit zeigte sich auch mal blauer Himmel über uns – die Fotos haben dementsprechend wechselhafte Lichtverhältnisse.

Wieder ein paar Minuten weiter südlich fanden wir ein kleines Vulkanfeld voller Schwefelquellen, inklusive der farbenfrohen Umgebung aus rot, weiß, beige und braun, die uns immer an eine Marslandschaft erinnert – der „Golden Circle“ und der Südwesten bietet also wirklich genügend Stoff für eine „Mini-Island“ Besichtigung. Der Geruch war sogar noch schlimmer als im Norden!

Dafür konnten wir noch einmal eine letzte kleine Wanderung unternehmen, bei Regen einen ziemlich steilen, matschigen Berg hinauf. Das war zwar nicht immer angenehm, aber die Aussicht von da oben entschädigte für einiges – wir sahen zum Abschluss noch einmal Island in seiner ganzen Pracht. Steinfiguren im Vordergrund, Fingerhutberge, grüne Hügel, Seen und Vulkanquellen im Hintergrund. Ein besonderer Favorit von uns war ein kleiner See, der – trotz des schlechten Wetters! – in einer so unwirklichen türkisenen Farbe leuchtete, dass wir es kaum glauben konnten. Es war der passende Abschluss einer traumhaften Rundreise… Wir können heute noch manchmal kaum glauben, wie wunderschön Island ist und was wir dort alles erlebt und gesehen haben.

Danach gönnten wir uns noch einen letzten Ausflug zu einem Thermalbad, packten unsere Sachen und verbrachten eine letzte Nacht im Auto vor unserem Rückflug. Wir waren trotzdem guter Dinge und das lag auch am wunderschönen Südwesten der Insel, einem kleinen Abenteuer für uns, mit dem wir gar nicht mehr gerechnet hatten. Aber so haben wir Island eben in diesen zehn Tagen kennengelernt: Manchmal erschlägt einen die Schönheit dieses Landes fast, manchmal stolpert man förmlich darüber und manchmal muss aufpassen, sie nicht zu übersehen.

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