Island, Reisen, Weltreise

Das Finale IV: Island – der Süden

Der Süden ist – mit Ausnahme des „Golden Circle“ Islands touristischste Region. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass dort die meisten Sehenswürdigkeiten liegen; namentlich vor allem der Vatnajökull, Islands größter Gletscher, und eine ziemlich eindrucksvolle Küstenlandschaft. Von hier aus starten auch viele Abenteuer-Touren und Tagesausflüge in den Vatnajökull und die Highlands hinein, aber die haben wir uns für den nächsten Urlaub aufgehoben.

Ist ein Gletscher denn wirklich so aufregend?, mag jetzt der ein oder andere fragen. Auf jeden Fall! Wir waren jedenfalls von der ersten Sekunde an ziemlich baff, als wir ihn das erste Mal sahen.

Vor uns ragte ein Zipfel des größten Gletschers Islands in die Höhe. Gemessen am Volumen ist es sogar der größte in Europa, bei der Fläche muss er sich dem Jostedalsbreen-Gletscher in Norwegen geschlagen geben. Es war ein ziemlich surrealer Anblick: Das Eis war mitnichten vollkommen weiß, sondern dunkel und teilweise sogar bläulich.

Die Oberfläche war zerklüftet und voller Spalten und Kämme, es sah aus als hätte jemand eine zusammengeknüllte Plane über die Landschaft gelegt. Die Kontraste zwischen den weißen und dunklen Farben waren wahnsinnig beeindruckend; ich fand, es sah aus, als hätte jemand die Kontrast-Einstellungen bei einem Foto viel zu hoch eingestellt. Es war absolut majestätisch. Einer dieser Anblicke, die wir unser Lebtag nicht mehr vergessen werden und die sich mit unlöschbarer Gewalt auf unsere Festplatte gebrannt haben.

Toppen konnten wir die Aussicht aber tatsächlich noch und zwar schon am nächsten Morgen. Bei strahlendem Sonnenschein (unser einziger Sonnentag in Island!) eine zweistündige Wanderung zum Rande des Gletschers. Erst liefen wir eine knappe Stunde durch eine der typischen Island-Gegenden mit viel Grün, Moos, Blumen und einigen Bergen im Hintergrund.

Der Gletscher am Horizont wurde immer größer je länger wir wanderten. Dieses Gebiet war einer der wenigen Orte in Island, an dem fast keine Touristen unterwegs waren und wir hatten diesen urwüchsigen Anblick ganz für uns alleine. Wir fühlten uns ganz demütig und froh und tief beeindruckt.

Von nahem war der Gletscher nämlich auf eine ganz eigene Art und Weise beeindruckend. Ziemlich dreckig, wenn man ehrlich ist, aber es sah unheimlich cool aus, wie das Eis langsam taute und die Tropfen ins Wasser platschten. Der Gletscher schmolz quasi vor unseren Augen…




Und dann ist vor diesem Gletscher eines meiner absoluten Lieblingsfotos von uns auf dieser Reise entstanden. Warum ich dieses Bild so mag? Weil es für mich wie kein zweites für das steht, was wir in diesem Jahr erlebt haben. Wie viele Wunder es auf der Welt gibt… Ist es nicht der Wahnsinn, dass man irgendwo auf dieser Welt, ganz alleine, im T-Shirt, bei strahlendem Sonnenschein, vor einer riesigen Eiswand sitzen kann? Ich finde, schon.

Als wir nach geschaffter Wanderung den Campingplatz verließen, wurden wir nach ein paar Minuten förmlich zu einem Stopp gezwungen: Mitten vor der schönsten Panorama-Aussicht posierten nämlich eine Herde Island-Ponys. Natürlich hatten wir die schon oft aus dem Auto gesehen, aber noch nie so nah und vor so gutem Hintergrund. Das sind doch die Fotos, bei denen man sofort an Island denken muss, oder?

Und es waren sogar Fohlen dabei! Ich will gar nicht wissen, wie wahnsinnig toll Island für Pferdeliebhaber ist…

Ein weiteres Wunder war dann die Jökulsárlón-Lagune, der deutlich beliebtere „Zugang“ zum Vatnajökull. Hier war es wieder deutlich voller, aber das auch zurecht. In dieser kleinen Bucht trieben riesige Eisschollen umher und das hellblaue Eis schuf ein geradezu magisches Panorama. Im Winter muss das ganze noch beeindruckender sein, aber wir waren eigentlich ziemlich froh, dass immer noch strahlender Sonnenschein herrschte. Ein schmaler Weg führte eine Weile am Ufer entlang auf zwei Hügel und verschaffte uns einen perfekten Ausblick – ein Gefühl wie am Nordpol.

Das Wasser war übrigens unglaublich kalt, wie zu erwarten war, was jedoch eine Gruppe jugendlicher Fußballer nicht davon abhielt, kurz hineinzuspringen. Verrückte Welt… Mir selbst hat es mehr als gereicht, einen Finger hineinzuhalten.

Zwischen den Eisbergen fuhren Touristenboote, die Küstenwache, aber auch Kayak-Fahrer herum und wir mussten an unsere Kayak-Abenteuer in Kanada und New York denken. Es muss unglaublich cool sein, auf einem kleinen Boot durch diesen schwimmenden Wald aus Eis zu paddeln. Noch etwas für den nächsten Island-Urlaub… Alle paar Minuten hörten wir sogar ein dumpfes Geräusch und begriffen erst nach ein paar Malen, das dann eine Scholle von einem Eisberg abgebrochen war.

Die abgebrochenen Schollen trieben durch einen kleinen Kanal aufs Meer hinaus und sammelten sich dann an einem nahen Strand, wo sie der Atlantik zurück an Land warf. Wir liefen den kurzen Weg dorthin und konnten dort eine weitere Spezialität Islands bestaunen, nämlich schwarze Strände – definitiv etwas anderes als die Strände in Mexiko, Kolumbien oder auf Long Island.

Das war übrigens noch lange nicht das Ende unseres Tagesprogramms, am frühen Abend liefen wir tatsächlich noch fast eine Stunde zu einem recht idyllischen Wasserfall – von diesem haben wir aber leider keine Fotos.

Am nächsten Tag unternahmen wir gleich die nächste Wanderung, auch wenn uns der Vortag noch ziemlich in den Knochen steckte. Aber das Ziel war es definitiv Wert – es ging in den Fjaðrárgljúfur-Canyon. Ein schmaler Wanderweg führte oben an der Kante des Canyons entlang und erlaubte alle paar Meter von kleinen Aussichtspunkten einen Blick hinein. Die Landschaft war wunderbar. Viel grün, viele Steine, alles ziemlich zerklüftet. Besonders von einer Stelle aus konnte man das komplette Canyontal nach unten sehen, was ziemlich beeindruckend war. In den Canyon hineingehen durften wir nicht, aber das war auch nicht nötig – wir bekamen auch von oben einen ziemlich guten Eindruck von allem.

Ein ansonsten ziemlich beeindruckender Wasserfall, wie der Skogafoss, verblasste da dagegen ziemlich. Wenn so etwas nur die viertschönste Sehenswürdigkeit der letzten beiden Tage ist, dann weiß man, dass man in Island ist. Wir könnten uns dran gewöhnen…

Am Nachmittag stoppten wir dann noch bei einem weiteren schwarzen Strand und zwar einem ganz besonderen: nämlich dem gefährlichsten der ganzen Insel. Dort soll es immer wieder zu – auch tödlichen! – Unfällen kommen, weil Touristen zu nahe ans Wasser gehen und dann von gefährlichen Wellen ins offene Meer gerissen werden.

Aber das coole an diesem Strand waren auch nicht das Wasser, sondern zwei andere Dinge. Erstens die hexagonalen Basaltsäulen, die in sicherer Entfernung zum Strand aus dem Wasser wuchsen und uns angenehm an den Giants Causeway in Nordirland erinnerten.

Und zweitens die Papageientaucher. Von denen wimmelte es hier nämlich und sie gaben in der Luft eine ziemlich gute Figur ab; sie schlagen beim Fliegen nämlich so schnell mit den Flügeln, dass es irgendwie aussieht, als könnten sie jeden Moment abstürzen. Auf der Knuffigkeits-Skala rangieren sie wahrscheinlich irgendwo zwischen Baby-Schafen und Koala-Bären. Suzie brauchte recht lange, bis sie einen davon im Flug erwischt (und mehr oder weniger scharfgestellt hatte), aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Papageientaucher waren wirklich noch mal ein Highlight und einer der Gründe, warum wir auch diesen Strand wirklich empfehlen können.

Ein anderer Grund war einfach die Aussicht aufs Meer…

Unser letztes Ziel auf der Ringstraße war der Seljalandsfoss, ein Wasserfall hinter dem man sogar durchgehen kann – man wird aber ordentlich nass, weswegen wir den Schlenker ausließen (wir waren so froh, einmal trocken zu sein…). Toll war auch das knallgrüne Moos auf den umliegenden Felsen.

Nach einem kurzen Spaziergang den Berg hoch konnte man sogar von oben sehen, wie das Wasser den Abhang hinunter bricht.

Der Süden Island hatte wirklich einiges zu bieten. Die Entscheidung, die Ringstraße im Uhrzeigersinn zu befahren, war im Nachhinein die goldrichtige gewesen: So hatte das Ende noch einmal ein paar richtige Highlights für uns parat. Natürlich war es im Norden leerer und ein bisschen wilder, dafür wartete der Süden mit gutem Wetter und einigen wirklich tief bewegenden Eindrücken auf. Wahrscheinlich würden wir es also wieder genauso machen.

Den Gletscher Vatnajökull werden wir jedenfalls nie vergessen. Und das Gefühl, einen verdammten Eisberg mit der Hand zu berühren, auch nicht. Es waren nur die letzten in einer langen Reihe von schönen Erinnerungen an Island, aber vielleicht die außergewöhnlichsten für uns. Und das in einem an Außergewöhnlichkeiten sowieso schon reichem Jahr…

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