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Ein Wochenende in Luxemburg.

Wenn wir ganz ehrlich sind, hatten wir das erste Mal einen Kulturschock, als wir wieder in Deutschland gelandet sind. Es war so vertraut und doch so anders, als wir es uns vorgestellt hatten (und während wir auf Weltreise waren, stellt man sich oft die Frage, wie es sein wird, wieder nach Hause zu kommen).

Schon beim Landeanflug mit dem Flugzeug wurden wir daran erinnert, wie einzigartig geordnet Deutschland doch ist. Wie mit dem Lineal abgesteckt reihten sich Felder aneinander und alle paar Kilometer sahen wir ein Dörfchen oder eine Stadt. Aus der Vogelperspektive sahen sie aus, als hätte jemand Metall über der Landschaft ausgegossen. Die Autos auf den Straßen glitzerten in der Sonne wie Blechbüchsen. Jedes Autobahnkreuz sah gleich aus. Überall waren Felder, hier und da große Wälder und außer ein paar größeren Flüssen entdecken wir recht wenig Wasser. Was für ein Fleckchen Erde ist das eigentlich, auf dem wir da leben? Wir kamen gerade aus dem wilden Island und unsere Gefühle waren gemischt. Wir wussten, dass in den Wälder hier keine Bären wanderten und unter uns zogen keine Raubvögel durch die Lüfte. Aber – und auch das hatten wir irgendwie nicht erwartet – es trübte auch kein Wölkchen die Sicht.

Natürlich hatten wir aus der Ferne den heißen Sommer in Deutschland verfolgt (und uns heimlich gratuliert, nicht in unserer Mannheimer Wohnung im fünften Stock zu schwitzen), aber irgendwie hatten wir vergessen, dass Deutschland im Sommer eigentlich ganz schön ist. Nicht wild, sehr zivilisiert, aber irgendwie gemütlich, fast schon romantisch in seiner Ordnung.

Und so wurde unser Nach-Hause-Kommen weit weniger schlimm, als wir es uns in kalten Zeltnächten in Island ausgemalt hatten. Der Sommer trug uns sanft in unseren Alltag zurück. Und erstaunlicherweise hatten wir in den sechs Monaten zuvor so viel Momentum gesammelt, dass wir fast mühelos viele neue Gewohnheiten und Gedanken in unser neues altes Leben mitnehmen konnten.

Ich fuhr ein Wochenende mit Freunden nach Prag, wir dekorierten unsere Wohnung mit Holz und Pflanzen um, nahmen uns die Wochenenden frei für Dinge, die uns Spaß machen, und verdrückten uns so oft wie möglich in die Natur.

Dieses Wochenende wollten wir das gute Wetter und den beginnenden Herbst (die Jahreszeit, die Süddeutschland wohl am besten steht) feiern und fuhren kurzerhand weg. Die Menschen überall auf der Welt beneiden uns Europäer für die hohe Dichte an Ländern, Kulturen und Reisezielen. Die nächste Ländergrenze ist für uns näher als manch deutsche Metropole und dank des Schengen-Abkommens erübrigen sich auch nervige Grenzkontrollen. Wir recherchierten kurz unsere Optionen, ins Ausland zu fahren und entschieden uns schließlich für Luxemburg. (Dort waren wir übrigens nur 15-20 Minuten von sowohl Belgien, Frankreich als auch Deutschland entfernt! Alles Länder mit eigener Kultur und Sprache!)

Luxemburg war 2013 der erste Halt unserer ersten Interrail-Reise. Es ist ein Land, das sich zwischen seinen berühmten Nachbarn als Reiseziel ein wenig versteckt, aber den Charme eines kleinen, verwunschenen Königreiches besitzt. Und die Hauptstadt ist nur zwei Autostunden von uns entfernt! Wir hatten Luxemburg als unglaublich grüne Stadt in Erinnerung und mit den herbstlich bunt gesprenkelten Bäumen hat es uns besonders gut gefallen.

Am Samstag wanderten wir auf den Spuren unseres ersten Besuchs. Nur waren wir nicht mehr gerade mit der Schule fertig und auf dem Weg in unser erstes großes Abenteuer, sondern inzwischen richtige Reise-Profis. Deshalb haben wir auch erstmal unsere Zahnbürsten und Messer zum Brote-Schmieren vergessen. Klassiker.

In Luxemburg City ist vor allem die Anordnung der Stadt auf mehrere Ebenen spannend. Von überall hat man eine tolle Aussicht auf die Festungsmauern und neben momentan vielen Kränen sieht man auch überall Bäume.

Auf einem Hang der Festung haben wir sogar ein Jahrhunderte altes Urban Gardening Projekt entdeckt! Weinreben, Obstbäume und Zucchini wuchsen dort fröhlich im Sonnenschein.

Daneben schlängelt sich der Fluss Alzette durch die Stadt und verwandelt die Aussichten in perfekte Postkartenmotive.

Am nächsten Morgen fuhren wir in den Osten des Großherzogtums und wanderten nahe der deutschen Grenze in Mertert etwa drei Stunden lang für 10 Kilometer durch einen Park, dann über Wiesen, durch Wälder und sogar an einem kleinen Wasserfall entlang.

Am Ende waren wir erholter als nach einer Woche Island (Überraschung) und das Wichtigste: wir hatten wieder ein bisschen Freiheit im Kopf gewonnen. Denn egal wie schön Deutschland (im Sommer) ist, je näher wir an unseren Aufgaben und Pflichten sind, desto mehr verlieren wir diese mentale Flexibilität – die gibt’s nur auf Reisen. Das merken wir nach jeder längeren Abwesenheit und nach der Weltreise können wir diese Erkenntnis endlich feierlich ins Buch der Weisheiten eintragen. Zum Glück ist das nächste Ausland nicht weit entfernt!

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