England, Reisen, Schottland

Fingerhut-Sommer / Isle of Arran

Vom Loch Lomond Nationalpark fuhren wir weiter nach Westen, um uns einem ganz besonderen Highlight unserer Reise zuzuwenden: der ersten der vielen schottischen Inseln, die wir erkunden wollten. In Schottland haben wir mittlerweile schon einige Fähren genommen, aber die auf die Isle of Arran war bisher die größte. Das hat den unzweifelhaften Vorteil, das man nicht im Schiffsbauch bleiben muss, weil es ein Oberdeck gibt und man so schon mal einen kleinen Eindruck bekommt auf das, was einen erwartet.

Von der Fähre überquerten wir erst einmal mit dem Van die Insel, um unsere Erkundungen auf der Westseite zu starten. Lange dauert das nicht, einmal quer drüber vielleicht 20 Minuten. Unsere erste Nacht auf der Insel nutzten wir dazu, uns zum bisher ersten (und einzigen) Mal eine Übernachtung auf dem Campingplatz zu gönnen: Wäsche waschen, Duschen und Wasser auffüllen also. (Kleiner Disclaimer: Gelohnt hat es sich nicht wirklich. Erstens war alles voller Midges, zweitens gab es keinen Trockner und drittens hatten wir nicht so schön unsere Ruhe wie in den Folgenächten. Also wieder lieber wild stehen.)

Am nächsten Tag brachen wir früh auf und ergatterten einen wunderschönen Stellplatz direkt am Meer. Dort war es sehr windig und daher kalt (immerhin: keine Midges!), dafür war die Aussicht einfach fantastisch. Immer mal wieder am Strand entlang spazieren zu können, den weichen Sand unter den Füßen spüren zu können und dabei meistens sogar relativ allein zu sein, das ist einfach unbezahlbar.

Ansonsten nutzten wir den Stellplatz als Basis für ein paar kleinere Ausflüge und Wanderungen. Einmal liefen wir für ein paar Stunden weiter am Strand entlang über einen felsigen Küstenpfad bis zur sogenannten King’s Cave. Die Höhle war jetzt nicht so wahnsinnig spekatkulär, dafür der Weg dorthin umso mehr. Am Wegesrand wuchsen überall Wildblumen, es war herrlich bunt, hier und da mussten wir sogar ein bisschen klettern und das Meer wich nicht von unserer Seite. Eines unserer liebsten Bücher, das in der englischen Countryside spielt, heißt „Fingerhut-Sommer“ (von Ben Aaronovitch) – wir wissen jetzt warum.

Am nächsten Tag fuhren wir dann ein Stück weiter zu den „Standing Stones“ von Machrie Moor. Solche kleinen neolithischen Steinmonumente gibt es auf den schottischen Inseln überall und sie sind vielleicht nicht so beeindruckend wie Stonehenge, aber dafür ist man dort meistens vollkommen alleine. In Machrie Moor führte ein schmaler Pfad über eine Schafsweide und ein kleines Moorgebiet zu den charakteristischen Steinblöcken, die zeremonielle Orte oder die Gräber von berühmten Stammesführern markieren. Und die Szenerie hinter den Blöcken war vielleicht noch schöner, als die Monumente an sich.

Anschließend entschlossen wir uns wieder mal spontan zum Weiterfahren und hielten dieses Mal ein Stück im Landesinneren auf der Südseite der Insel. Dort machten wir einen kleinen Waldspaziergang über einen Pfad, der uns an einem Wasserfall entlang eigentlich zu einem See hätte führen sollen, der leider wegen Waldarbeiten geschlossen war. Trotzdem hatte die Wanderung ein Highlight der etwas anderen Sorte zu bieten. Mitten im Wald hatte jemand eine kleine Waldbücherei aufgebaut. Eigentlich nur eine kleine Holzhütte, mit einem Bücherregal zum Tauschen darin, aber Besucher hatten die ganze Hütte mit Zetteln voller Bilder, Grüßen und Sprüchen vollgehängt. So entstand ein Ort, der auf seine ganz eigene Art cool zu besuchen war.

Danach passierten wir die Südspitze der Insel und fuhren wieder nach Norden. Generell kann man die Topographie der Insel relativ leicht zweiteilen: Berge im Norden, grünes Hügelland im Süden. Jetzt fuhren wir also dem Highlight unseres Inselreise entgegen. Und die beiden Wanderungen, die wir an den nächsten beiden Tagen noch absolvieren sollten, waren wirklich ein Highlight!

Erst marschierten wir ein Stück weit ins Glen Sannox hinein. Die Isle of Arran bietet viele wunderschöne Wanderungen, die zum Glück nicht alle beinhalten, dass man auf die oft matschigen und steilen Gipfel hinaufsteigen muss, sondern auch mal in die Täler dazwischen läuft. Wir starteten an einem Strand und hatten dann über anderthalb Stunden hinweg konstant eine tolle Aussicht: Zu beiden Seiten vor uns waren die Berge, der Weg schlängelte sich an einem malerischen Bächlein hinein ins Tal, vorbei an Steinen, hüfthohen Gräsern und den unvermeidbaren Schafen. Das Wetter spielte auch mit und so liefen wir meistens in der Sonne – Arran von seiner besten Seite.

Abgeschlossen wurde der paradiesische Tag dann wieder von einem Stellplatz direkt am Meer, an dem wir mal wieder entspannt kochen konnten, tatsächlich in einem eiskalten Gebirgsbach duschten und ansonsten einfach die Aussicht genossen. Stellplätze am Meer sind einfach die besten!

Für die zweite Wanderung umrundeten wir dann noch einmal die Insel an der Nordseite und hielten im Nordwesten; damit hatten wir auch tatsächlich alle Himmelsrichtungen einmal abgedeckt. Dort hielten wir uns dieses Mal nicht nur im Tal auf, sondern stiegen relativ zackig einen der Berge hinauf. Das war wieder ziemlich steil und teilweise felsig, dafür konnten wir – bei einer der vielen kleinen Pausen, wenn wir uns umdrehten – das Meer, das Festland und einige wunderschön szenisch auf dem Meer herumdümpelnde Segelbote sehen.

Der Berg vor uns hatte aber auch einiges zu bieten, auch wenn wir gar nicht bis zum Gipfel gehen mussten: nämlich einen kleinen, versteckten Bergsee, der sich uns erst offenbarte, als wir die allerletzte Kuppe überquert hatten.

An dem schmalen Kiesstrand picknickten wir ganz entspannt, stiegen dann noch ein Stück weiter hinauf, um die Aussicht auf den See zu genießen und liefen dann am Ufer entlang wieder zurück.

Da das Wetter ein bisschen zuzog, beeilten wir uns dann auf dem Weg nach unten, wobei wir dieses Mal natürlich die ganze Zeit die Aussicht auf das Meer vor Augen hatten. Insgesamt hat die Isle of Arran unsere Erwartungen definitiv erfüllt, beziehungsweise sogar übertroffen. Dafür, dass sie so klein ist und man sich eigentlich nie groß vom Meer entfernen muss, bietet sie nämlich eine Vielzahl völlig unterschiedlicher Vegetationszonen: vom Blumenfreund über den Strandspazierer und Gipfelstürmer ist dort für jeden etwas dabei

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