England, Reisen, Schottland

Skye is the Limit!

Bevor wir uns eines Tages langsam aber sicher wieder an die Rückreise mit dem Van machen werden, stand noch ein Highlight auf dem Programm: Die Isle of Skye. Im Vorfeld hatten wir von anderen Reisenden schon viel von ihr gehört: Wunderschön soll sie sein, aber komplett überfüllt. Hotels etwa sollten inzwischen schon für den nächsten Sommer ausgebucht sein. Wir ließen uns davon aber nicht unterkriegen, mit dem Van sollten wir ja flexibel genug sein, um die wenigen noch unentdeckten Orte der Insel anzusteuern.

Auf dem Weg nach Skye stand jedoch erst einmal noch ein weiteres Highlight auf dem Programm, auf das Suzie sich schon lange gefreut hatte – das Glenfinnan-Viadukt. Dieses offenbart seine ganze Geschichte erst auf den zweiten, präzise getimten Blick.

Zwar ist das Viadukt auch so schon ein ganz cooler Anblick, wirklich erinnerungswürdig wird es jedoch nur ein paar Mal am Tag, nämlich dann, wenn die Jacobite Steam Train hinüber tuckert. Dahinter verbirgt sich eine alte Dampflok, die ein paar Mal am Tag zwischen Fort William und Malaig verkehrt. Und nicht irgendeine Dampflok – sondern die Lok, die bei den Dreaharbeiten zu Harry Potter Pate für den Hogwarts-Express stand! Also ein Muss für Harry-Potter-Liebhaber wie uns…

Um den Zug in seiner ganzen Pracht zu sehen, muss man einen kleinen Weg hinaufklettern. Dort ist Timing alles, denn der Aussichtspunkt ist von Midges geradezu verseucht (im Ernst: SO schlimm haben wir es in Schottland noch nicht erlebt!). Man muss also rechtzeitig kommen, um den Zug noch zu erwischen, will aber auch nicht allzu lange bleiben, um nicht zerstochen zu werden – was wir natürlich prompt getan haben. Am ersten Abend sind wir tatsächlich vollkommen sinnlos zum Aussichtspunkt gelaufen, weil wir den Zugfahrplan falsch gelesen haben. Der ultimative Muggel-Move!

Später am Abend klappte es besser und (fast) pünktlich um 19:50 Uhr hörten wir das charakteristische Tuten der Dampflok. Die ratterte auf dem Viadukt extra langsam, damit die Fahrgäste die Aussicht genießen konnten, und gab uns so genügend Zeit, den Anblick zu genießen und ordentlich Fotos zu schießen. Am Ende schoss der Zug dann noch mal eine Extraladung Dampf in die Höhe, was das Ganze erst so richtig atmosphärisch machte. Dann rannten wir davon und entflohen den Midges weiter in Richtung Skye.

Den weiteren Weg bis nach Mallaig, wo die Fähre abfährt, nutzten wir dann für eine Aktivität, die wir im ersten Moment auch nicht mit Schottland in Verbndung gebracht hätten: Beach-Hopping. Ja, richtig gelesen! Gleich zwei wunderschöne Strände sollten wir am nächsten Tag erkunden. Davor verbrachten wir nach mehreren Wochen im Landesinneren mal wieder eine Nacht am Meer und durften einen wunderschönen Sonnenuntergang aus dem Busfenster bewundern.

Den ersten, versteckten Strand – Smirisary Sands, besuchten wir am nächsten Morgen nach einer ziemlichen abenteuerlichen, weil matschigen Wanderung. Dort herrschte tatsächlich Karibik-Flair, so wenig wir das fassen konnten.

Das Wasser war an manchen Stellen fast türkis, kleine Korallen und Muscheln klebten auf den Felsen und im Hintergrund sahen wir natürlich wie immer Berge – ein absoluter Traum! Und eine Szenerie, mit der wir im Camping-Urlaub in Schottland nie gerechnet hätten!

Der zweite Strand – Camusdarach Beach – erinnerte uns dann eher an die Ostsee: Sanddünen im Hintergrund, Familien beim Picknicken, Gräser auf den Hügeln und weicher Sand. Wie durch Zufall haben wir so, bevor wir überhaupt nach Skye kamen, noch einmal eine neue Facette Schottlands kennengelernt.

Auf der Überfahrt mit der Fähre konnten wir dann noch einmal sehen, warum Schottland generell und nicht nur Skye die Menschen so begeistert. Die Aussicht aufs Festland war fantastisch! Und wir wurden sogar noch von einem Regenbogen überrascht.

Auf der Insel selbst steuerten wir dann als erstes den Südwesten an. Im Westen befindet sich nämlich die größte Bergkette der Insel mit sage und schreibe 12 Munros – die Cuillin Hills Die sollen allerdings nichts für den Gelegenheitswanderer sein (wir sollten noch herausfinden, warum…) und so entschieden wir uns für eine kleine Wanderung, die im Flachen an besagter Bergkette vorbei führen sollte. Das klappte eine Weile auch ziemlich gut: Der Weg war zwar eher ein kleines Flussbett und es ging hier und da doch ein Stückchen bergauf, aber dafür waren die Aussicht gut und die Beine noch frisch. Hinter uns konnten wir das Meer und dahinter das Festland sehen. Voll war es übrigens überhaupt nicht – der Südwesten ist eine der unbeliebteren Ecken von Skye, was krass ist, weil wir es schon wunderschön fanden und die Landschaft unsere Vorfreude auf die kommenden Tage so richtig anheizte.

Der Weg kletterte dann noch ein bisschen bergauf, aus einem kleinen Tal, auf einen Grat. Auf einmal war der Himmel zappenduster, Nebel verdeckte vor uns die Berge und Regenwolken zogen in Windeseile über uns vorbei. Und dann – wie aus dem Nichts – fing es an zu schütten. „Guck mal, wie dunkel es da vorne ist, ich mache mal ein Foto“, war das letzte, was Suzie sagen konnte, bevor wir innerhalb von ein paar Sekunden klitschnass waren. Sowas passiert einem auch nur in Schottland.

Wenige Sekunden, bevor wir klitschnass wurden 🙂

Ein Gutes hatte der Regen allerdings auch: Er machte die Aussicht vor uns ungefähr hundert Mal atmosphärischer. Die Berge vor uns waren auf einmal so düster und neblig, dass wir es fast mit der Angst zu tun bekamen. Zackig. Felsig. Gefährlich. Wir brauchten nicht viel Fantasie, um uns vorzustellen, warum ungeübte Wanderer lieber nicht auf die Munros auf Skye klettern sollten. Aus sicherer Entfernung sah es jedenfalls ziemlich cool aus.

Und dann hörte der Regen einfach auf und machte Windböen Platz. Zu unserer rechten lag ein kleiner Bergsee, zu unserer Linken das Hauptwanderziel des heutigen Tages, ein grauer Kiesstrand, Camasunary Beach. Was für ein Kontrast zu gestern! Einmal türkisfarbene Karibikstrände, heute ein Meer, so düster, dass man glaubt, dass jederzeit ein Meeresungeheuer auftauchen kann.

Hier machten wir eine wohlverdiente Mittagspause, ließen den Wind unsere völlig durchnässten Kleider trocknen und machten uns dann auf den Rückweg. Dieses Mal hatten wir das Meer und das Festland vor uns, und so können wir als Fazit nur festhalten, dass diese Wanderung in jeder Hinsicht ziemlich abwechslungsreich war.

Nach der Wanderung fanden wir sogar noch einen ziemlich coolen Schlafplatz, umgeben von Bergen, Schafen und Kühen. Skye hatte uns mehr oder weniger sofort in seinen Bann gezogen. Und wir hatten ja erst einen kleinen Zipfel der Insel erkundet…

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