England, Reisen, Schottland

Der Rest von Skye und dann Goodbye

Quiraing, im Nordosten der Isle of Skye, konnten wir guten Gewissen als außerirdisch schöne Landschaft und ein Highlight unserer Reise beschreiben. Aber Skye hat tatsächlich noch einen zweiten Ort zu bieten, der seinen Charme vergangenen geologischer Aktivitäten verdankt – das sogenannte Fairy Glen.

Dort haben die Naturgewalten kleine, kreisrunde Hügel im Zuckerhut-Format aufgeschoben. Verbunden mit der Tatsache, dass das Tal unglaublich grün ist, entsteht so der Eindruck, dass wirklich nur die Feen und Kobolde an einem solchen Ort hausen können. Der große Felsen, der über dem kleinen Tal thront, ist der sogenannte Tower, in dem die Feen ihre Wachposten postiert haben. Einen festen Wanderweg durch diese Gegend gibt es nicht, aber unzählige kleine Pfade, auf denen man nach Herzenslust herumstromern kann.

Und natürlich ein bisschen Folklore in Form eines kleinen Steinkreises.

Verglichen mit Quiraing ist das Fairy Glen natürlich nur eine Landschaft im Miniformat, aber einen schönen Nachmittag darin genießen konnten wir trotzdem. Das Schlüsselwort ist hier nicht „beeindruckend“, sondern „atmosphärisch“.

Als nächstes wollten wir eigentlich weiter nach Westen fahren, am folgenden Tag fuhren wir aber noch einmal zurück nach Portree, was den einfachen Grund hatte, dass es dort einen kleinen, aber feinen Wanderweg, den Scorrybreak-Trail gab, den wir unbedingt noch machen wollten. Dieser Tag erschien uns perfekt dafür, weil bis auf ein kleines Eine-Stunde-Fenster heftigster Regen angesagt war.

Der Hafen von Portree

Also liefen wir schnell los und stellten fest: Es war perfektes Wanderwetter. Als hätte uns Schottland noch einmal ins Gedächtnis rufen wollen, dass es immer noch selbst und nicht der Wetterbericht bestimmt, wann es Katzen und Hunde regnet, schien die Sonne und eine angenehm kühle Brise wehte durch die Luft. Himmlisch! Die Küste sah richtig klasse aus, genau wie die bunten Häuser im Hafen von Portree und ganz generell die hügelig-waldige Halbinsel Scorrybreak. Aus der Not geboren schafften wir also noch einen kleinen, aber abwechslungsreichen und mehr als feinen, ausgedehnten Spazierweg.

Kaum waren wir wieder beim Van brach dann auch schon der angekündigte Wolkenbruch los. Perfektes Timing!

Von Portree aus fuhren wir dann nach Nordwesten, um auch diesen letzten Teil der Insel Skye zu erkundschaften. Hier ist die Gegend weniger bergig und wild, sondern viel eher sanft, bunt und hügelig. Sanft unter anderem wegen der vielen kleinen Sandstrände und Dünenlandschaften, bunt wegen der vielen Wildblumen, die besonders Suzie gut gefielen.

Unser erstes Ausflugsziel führte uns dann auch zu einem solchen Strand, dem Coral Beach, an dem man bei gutem Wetter anscheinend karibisch eingefärbtes Wasser zu sehen bekommen sollte. Just als wir da waren, war natürlich alles grau – aber trotzdem schön.

Aber einerlei: Wir hatten auf Skye schon so oft Glück mit dem Wetter gehabt, dass ein bisschen Pech uns jetzt auch nicht mehr aus der Bahn werfen konnte. Ohne die beeindruckenden Farben blieb immerhin trotzdem noch ein schöner Strandspaziergang und eine kleine Klettertour auf einen Hügel mit Aussicht übrig.

Am Abend nach dieser Wanderung kamen wir ins Nachdenken. Bei all den wundervollen Tagen und Eindrücken, die Skye zuletzt für uns noch einmal bereitgehalten hat, ließ sich eine Tatsache nicht mehr länger umgehen: Unsere Vantour durch Schottland neigt sich langsam, aber unweigerlich dem Ende zu. Für uns war das trotzdem kein Grund, zu verzagen. Irgendwann muss alles schließlich einmal zu Ende gehen. In uns reifte stattdessen viel eher die Entschlossenheit, die drohende Heimreise noch einmal möglichst schön zu gestalten und das Maximale aus diesen Tagen herauszuholen; dank unseres Vans sind wir ja grenzenlos flexibel, nicht an Termine, Abfahrpläne oder sogar Länder gebunden. Wieso nicht noch einmal länger in England bleiben? Oder noch mal eine Woche Frankreich dranhängen? Diese Freiheit ist es doch erst, die das lange Reisen mit dem Bus zu so etwas Besonderem macht.

Also entschlossen wir uns mehr oder weniger spontan, unsere nicht vorhandenen Koffer zu packen, ließen das hoch angepriesenen Neist Point Lighthouse sausen und fuhren gen Süden. Noch am selben Abend hatten wir Skye verlassen und wieder schottisches Festland unter den Füßen.

Von da an war der Plan eigentlich einfach: Immer weiter nach Süden in Richtung Dover fahren und dabei jedes coole Fleckchen, an dem wir vorbeikommen, noch einmal richtig auskosten. Am ersten Tag war das Glen Coe, in dem wir jetzt schon zum dritten Mal stoppten, weil es uns so gut gefallen hatte.

Dort machten wir uns noch einmal auf zu einer Wanderung, klein, aber fein mit 300 Höhenmeter und in ein paar Stunden zu machen. Trotzdem wurde er für uns ziemlich erinnerungswürdig und das lag an dem Weg: Wir mussten von Anfang an ziemlich kraxeln, mal mit Handlauf über einen Felsen steigen und mal auf dem Hintern ein Stück herunterrutschen. Einmal war der Weg dann sogar ganz zu Ende und wir mussten barfuß durch einen glasklaren Fluss wandern – eiskalt, kann ich euch sagen!

Am Ende wartete dafür ein Highlight: das Lost Valley. Von der üblichen beeindruckenden Schroffheit der Berge in Glen Coe war hier weniger zu sehen, dafür umwehte das Tal ein friedlicher, abgeschiedener Vibe. Munro-Bagging ist was anderes, schön war es trotzdem. Unsere Erinnerungen an Glen Coe hat es jedenfalls nur noch schöner zurückgelassen.

Danach tauschten wir die Wander- gegen die Großstadt-Erfahrung ein. Da unser Weg Richtung Süden uns sowieso mitten durch Glasgow führte (ein kleines Schmankerl englischer Autobahn-Äquivalente…), beschlossen wir, gleich noch einen Kurzstopp in der Stadt einzurichten.

Besonders gefallen hat uns dabei die Universität, an der Suzie fast ihr Auslandssemester absolviert hätte. Die wunderschönen alten Gebäude, die engen Gässchen und die Grünflächen kreieren einfach ein wunderbar magisches Flair – Hogwarts lässt grüßen.

In einem der Säulengängen wurde anscheinend wirklich mal eine Szene aus einem der Harry-Potter-Filme gedreht. Wer richtig errät, welche und aus welchem Film, bekommt 5 Punkte für den Hauspokal!

Ansonsten liefen wir noch durch ein paar kleine süße Gässchen im West End und staunten mal wieder, wie laut, voll und überwältigend so eine Großstadt sein kann – in jeglichen guten wie schlechten Aspekten.

Aber Dover ist noch weit entfernt und so blieben wir nur einen guten Tag in Glasgow, dann fuhren wir schon wieder weiter nach Süden. Wir werden auf jeden Fall darüber berichten, was wir auf dem Weg noch so zu sehen bekommen…

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