Italien, Reisen

Über San Marino nach Griechenland

Unser nächstes Ziel nach Venedig war schon Ancona, von wo wir die Fähre nach Igoumenitsa in Griechenland nehmen wollten; das bedeutete aber nicht, dass es auf dem Weg dorthin nicht noch allerlei zu sehen gab. Zum Beispiel San Marino: Dieser Zwergstaat mit etwa 30.000 Einwohnern lag erstens auf dem Weg und lockte dazu mit überschaubarer Größe, war also perfekt für einen kleinen Abstecher. Er ist nebenbei bemerkt einer der ganz wenigen Staaten auf der Welt, die komplett vom Staatsgebiet eines anderen Staates umschlossen sind.

Schon einen Tag bevor wir San Marino erreichten, bemerkten wir, dass sich die Landschaft zu wandeln begann. Nach den Alpen und der Po-Ebene unter Venedig lernten wir jetzt mit dem italienischen Mittelgebirge die dritte Vegetationszone in diesem Land kennen. Und der Anblick der Hügel, mal in der gleißenden Mittagssonne, mal im Dämmerlicht, war auch wirklich schön: auf jeder zweiten Bergspitze thront ein Haus, Kloster oder Städtchen, am Horizont wartet das Meer, ansonsten besteht die ganze Welt aus gedeckten Farben, grün und braun. Die Nacht vor unserem Aufenthalt in San Marino verbrachten wir auf einem solchen Hügel mit tollem Blick aufs Umland und aus der Ferne auch schon auf besagtes Ziel unserer Reise.

In San Marino fanden wir einen offiziellen Wohnmobil-Stellplatz direkt unter der Stadt: San Marino thront nämlich ziemlich malerisch auf einer Bergspitze. Die gesamte Republik besteht aus einigen kleineren Dörfern und dem historischen Zentrum auf besagter Bergspitze. Hoch kommt man entweder zu Fuß oder – bei der Hitze unsere Wahl – per Seilbahn. Das historische Zentrum ist dann fußläufig gut abzulaufen (es hat eben nicht einmal 30.000 Einwohner). Der erste Eindruck ist jedenfalls super: wunderschöne alte Gebäude, alles aus hellem Stein, und eine tolle Atmosphäre. Vom ersten Schritt an fühlten wir uns wie auf einer Burg, zurückversetzt ins Mittelalter. Ziemlich touristisch ist es da oben auch, aber das tut dem Flair keinen Abbruch.

Klassischerweise machten wir uns dann auf die Drei-Türme-Tour. Diese führt einmal am Rande der Altstadt von San Marino entlang und, wie der Name schon sagt, an drei alten Wachtürmen vorbei, wobei der letzte ganz an der Spitze des Berges liegt. Der Weg war zum Glück recht schattig und die Aussicht gut.

Danach stromerten wir noch eine Weile durch den tiefergelegenen Teil der Altstadt, sahen noch viel mehr schöne alte Gebäude, Kirchen, die traditionelle Wachablösung der Garde (jede Zwergrepublik braucht, glaube ich, solche Spleens) und aßen Pizza. Gegen Mittag fuhren wir dann auch schon wieder nach unten, denn es war weit über dreißig Grad warm. Das hat uns so gut an San Marino gefallen: Man fährt hin, ist sofort „drinnen“, kann die Atmosphäre aufsaugen, die Aussichten genießen und alles Wichtige ganz gemütlich an einem Vormittag ablaufen.

Ansonsten erkundeten wir noch das am Fuße der Seilbahn gelegene Dörfchen Borgo Maggiore und erfreuten uns auch hier an dem historischen Stadtkern, den Gässchen, den Treppen, den alten Gebäuden und zur Krönung des Tages an einem veganen Gelato, wie es wahrscheinlich niemand in Deutschland so gut hinbekommt.

Am nächsten Tag ging es weiter nach Ancona. Die Überfahrt auf der Fähre war wiederum ein Erlebnis: Wir hatten ein Ticket für „Camping on Board“ gebucht, nachts ruckelte und dröhnte es auf dem Schiff aber wie verrückt – ein bisschen Schlaf haben wir dann aber doch gefunden. Und vor dem Schlaf kam ja der Abend: Da wir als zweiter Camper aufs Schiff fuhren, hatten wir den besten Platz mit Rückensicht aufs Meer, und konnten so von unserem Van aus zusehen, wie Italien langsam hinter uns verblasste. Abends gab es dann auf dem Deck noch einen tollen Sonnenuntergang zu sehen. 

Die Überfahrt auf der Fähre war auf jeden Fall ein Erlebnis – und brachte uns endlich dem eigentlichen Ziel unserer Reise entgegen. Griechenland.

Leave a Reply