Griechenland, Reisen

Im Bann der Zentauren

Wir haben beide auf diesem Urlaub schon einige Bücher über die antiken griechischen Sagen und Mythen gelesen und waren regelmäßig begeistert. Umso witziger ist es dann natürlich, genau die Orte mit dem Van zu bereisen, die für diese Geschichten eine Rolle spielen. Die Pilion-Halbinsel war so einer, wenn auch nicht im ganz großen Stile a la Troja oder Delphi, sondern ein mythisches Randgebiet, nämlich die Heimstätte der Zentauren und Heimat des Zentauren Chiro, der die Helden Iason und Achilles ausbildete.

Und magisch war es dort auf jeden Fall – so magisch, dass wir über eine Woche auf dieser kleinen Halbinsel blieben und sie mehrere Mal kreuz und quer überfuhren. Daher scheint es mir angebracht, nicht chronologisch von unserem Aufenthalt zu berichten, sondern in thematischen Schüben.

Volos

Das Tor zur Pilion-Halbinsel ist Volos, ein mittelgroßes Städtchen, das wir zwei Mal für einen halben Tag durchstromerten und das uns eigentlich ganz gut gefiel. Es war eben eine recht typische Studentenstadt: große Innenstadt, viele Einkaufsläden, eine Uferpromenade samt kleinem Park, hippen Cafés, ein paar Kirchen, aber alles in allem recht schnuckelig. Supermärkte gab es außerdem zur Genüge und so war die Stadt der ideale Startpunkt für die vielen kleinen Unternehmungen, die sich auf der Halbinsel anbieten.

An dieser Stelle noch mal ein paar Worte zur Geographie der Insel: Ziemlich genau in der Mitte teilt ein Gebirgszug (der Pilion) die Insel; im Norden, wo die Insel aufs Festland übergeht, werden die Berge über 2000 Meter hoch. Es gibt sogar ein Skigebiet! Diese Bergkette muss man überfahren, wenn man von der Ost- an die Südküste wechseln will, was für uns immer eine große Herausforderung war.

Die Dörfer im Umland

Eigentlich muss man aber gar nicht bis zu den Küsten fahren, um eine nette Zeit auf der Pilion-Halbinsel zu haben – es reicht schon ein kleiner Trip zu den Dörfern um Volos herum. Von diesen gibt es eine schiere Unzahl, die sich an die Hänge der besagten Bergkette schmiegen, und meist unter Denkmalschutz stehen. Irgendwie gleichen sie sich doch alle, fanden wir: schnuckelige, alte Häuser, verschachtelte Gässchen, ein paar Läden, die selbstgemachten Honig und eingelegtes Gemüse anbieten, Restaurants und Cafès und eine tolle Aussicht aufs Meer, die Wälder und die Halbinsel. Einen ganzen Tag in einem solchen Dorf verbringen kann man nicht, aber während der Fahrt kurz stoppen, aussteigen und eine halbe Stunde herumbummeln – das war super.

Ein paar längere Spazierwege gab es hier und da auch: etwa den Centaur’s Path in Portaria oder eine namenlose Wanderung, die uns am Ende durch eine maximal brusthohe, dunkle Höhle zu einem Wasserfall geführt hätte, wenn wir sie denn zu Ende gegangen wären.

Die Westküste

Von Volos bis an die Südspitze der Halbinsel sind es etwa zwei Stunden mit dem Auto. Die Küste lässt sich jedoch gut in zwei Abschnitte teilen: die erste Stunde von Volos aus (die im Radius der Tagesausflügler der Stadt liegt) und die besonders am Wochenende total überfüllt ist; und alles weiter im Süden, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Was uns besser gefallen hat, brauche ich nicht extra zu erwähnen, oder?

Tatsächlich war der Nordteil dieser Küste am Ende für uns überaus angenehm, aber nur, weil wir auf zwei Stopps insgesamt drei Nächte auf einem Campingplatz (Camping Sikia) verbracht haben. Die erste Nacht standen wir dabei sogar direkt mit Blick aus dem Van auf den Sonnenuntergang über der zugehörigen Bucht.

Zehn Minuten Fußweg entfernt war das touristische Dörfchen Kala Nera, indem wir zum ersten Mal wirklich griechisch Essen gingen. Unser Fazit zum Essen: lecker, aber fettig. Mehr muss man dazu glaube ich nicht sagen.

Im Süden war Wildcampen wieder deutlich leichter. Geschlafen haben wir da nur auf einem einzigen Stellplatz, aber der hatte es dafür in sich. Über eine lange Schotterpiste kamen wir zu einer kleinen Bucht, die wir uns mit 1-2 anderen Campern teilten, die aber groß genug war, dass jeder seinen eigenen Strandzugang hatte. Ansonsten war es völlig abgeschieden. Herrlich!

Ganz versteckt erkennt man den Van…

Und was war das für eine Landschaft! Unglaublich klares Wasser, ein paar vorgelagerte Inseln, weiter im Westen die Berge des griechischen Festlandes. Im Wasser Fische, an Land die Grillen, alles wunderbar idyllisch.

Die Sonne ging in unserer privaten Bucht unter, nachts schien der fast volle Mond und wir konnten aus dem Dachfenster die Sterne sehen. 

Für uns war es der perfekte Ort! Und wir blieben, so lange es unsere Wasser- und Essensvorräte zuließen und bereuten es am Ende, dass wir nicht die doppelte Menge mitgebracht hatten.

Die Ostküste

Der Osten der Pilion-Halbinsel hatte noch einmal einen leicht anderen Vibe als der Westen. Einmal blickten wir natürlich aufs offene Meer hinaus, nicht wie auf der anderen Seite auf die Festlandberge. Dazu war die Vegetation anders: grüner und ausschweifender. Die Wälder, die die Berghänge bedeckten, erinnerten uns schon fast ein wenig an Asien mit seinen Urwäldern.

Die Bergstraßen blieben, was Kurven und Steigung angeht, aber natürlich die gleichen.

Unser Hauptziel an der Ostküste war das Dörfchen Damouchari, das aus dem Grund bekannt ist, da dort Teile des Musical-Films „Mamma Mia!“ gedreht wurden. Davon kündigten noch ein paar Schautafeln an den Originalschauplätzen. Für uns als häufige Abba-im-Auto-Mitsingende natürlich ein nettes Schmankerl. Die Bucht war auf jeden Fall atemberaubend schön.

Ansonsten gab es auch dort das klassische Pilion-Programm: wunderschöne Buchten, Wälder, Spazierwege und Berge.

Fazit

Pilion hat uns unglaublich gut gefallen – sonst wären wir ja auch nicht fast zwei Wochen dort geblieben. Selten auf unseren Reisen haben wir einen Ort gefunden, der so sehr zum Verweilen einlädt, wie Pilion. Wir hätten noch Wochen länger am Strand herumliegen, spazieren und die Natur genießen können. Gleichzeitig hatten wir super viel Abwechslung: Berge, Buchten, Wälder, Strände, denkmalgeschützte Dörfer, Volos – alles in einem Gebiet, das man in zweieinhalb Stunden abfahren kann. Das hat auch noch mal dazu beigetragen, das die Zeit wie im Flug verging.

Die antiken Zentauren bewiesen auf jeden Fall Geschmack hatten, als sie sich diesen Fleck als Heimstatt ausgesucht haben.

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