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Auf dem goldenen Berg im Herzen Bangkoks

Bangkok ist eine anstrengende Stadt. Der Lärm, die vielen Leute, die Gerüche, der wahnsinnige Verkehr, all das trägt dazu bei, dass man sich als Besucher hier erstmal zurecht finden muss; dementsprechend haben wir vor unserem erstem Ausflug in der Stadt erst einmal zwei Tage zum Ankommen gebraucht und uns noch nicht sofort zu den größten Touristenattraktionen getraut. Stattdessen ging es zum Wat Saket, nicht weit entfernt von unserem Hostel.

Noch bevor wir die Tempelanlage betreten konnten, haben wir allerdings mit einer der Schattenseiten Bangkoks Bekanntschaft gemacht: sogenannten Schleppern. Vor dem Tempel spricht uns ein Mann an, der behauptet, der Tempel sei bis 14:00 geschlossen, weil die Mönche gerade beten; dann bietet er an, uns zu einem anderen Tempel zu bringen. Gerade noch rechtzeitig fällt uns die alte Weisheit ein, die in wirklich jedem Reiseführer steht: Glaub niemandem, dass eine Sehenswürdigkeit geschlossen hat. Solche Schlepper sind nicht gefährlich, sie bringen einen meist nur tatsächlich zu irgendeinem Tempel und verlangen dort dann Geld für ihre „Dienstleistung“.

Nach dieser unschönen Episode betreten wir endlich den Wat Saaket, auch Golden Mount genannt. Der Eintritt kostet 20 Bath pro Person, umgerechnet 50 Cent. Das erste, was wir sehen ist ein Mönch, der uns gut gelaunt mit dem Handy am Ohr entgegen kommt – von Beten keine Spur. Hinter einer japanischen Familie machen wir uns an den Aufstieg zur Spitze des Tempels. Golden Mount wird der Tempel auch wegen seiner Höhe genannt: 318 Stufen führen bis zu der Gebetsplattform ganz oben. Die ersten verstecken sich in einer Dschungellandschaft, dann führen sie an zwei Wasserfällen und unzähligen Buddha-Statuen vorbei nach oben.

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Schon das unterscheidet die Tempel hier in Bangkok von den Kirchen, die wir aus Europa kennen. Die Umgebung ist hier in Asien viel lebendiger und natürlicher gestaltet; Menschenbauwerk und Natur gehen ineinander über.

Das Klima ist tropisch und treibt uns fast in den Wahnsinn. Erfreut registrieren wir, dass die Stufen nach oben äußerst flach gehalten sind – sonst wären die über 300 Stufen bei der Hitze kaum zu bewältigen gewesen.

Auf dem Weg nach oben kommen wir immer wieder an kleinen Plattformen vorbei, auf denen Glocken oder große Trommeln aufgehängt sind.

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Welchen Zweck sie genau haben, wissen wir nicht; die Besucher laufen jedenfalls daran vorbei und trommeln hintereinander mit den Klöppeln in jeder Glocke einer Reihe – wahrscheinlich, um dabei zu beten. Bei einem halben Dutzend Besuchern auf einer Plattform kann es dabei ganz schön laut werden. Überhaupt sucht man Stille hier vergebens, auch das ein riesiger Unterschied zu den Kirchen unserer Heimat. Aus kleinen Lautsprechern am Treppenrand dringen monotone Gesänge, wahrscheinlich Gebete, und zu den Glocken und den Trommeln gesellen sich die Gespräche der Touristen, was offenbar ganz normal ist. Die Spiritualität ist hier eine ganz andere als zu Hause.

Vor der Gebetsplattform durchqueren wir ein kleines Tempelgebäude, in dem weitere Buddha-Statuen ausgestellt sind und kleine Gebetsschreine in die Wand eingelassen sind. Ach ja, Langnese-Eis, Getränke und Mönchsroben konnte man auch kaufen…

Oben angekommen hatten wir dann eine wahnsinnige Aussicht auf Bangkok mit all seiner Schönheit, seinem Dreck und seinen Widersprüchen. Wie ein Kreis umgeben Wolkenkratzer in der Ferne den Tempel und ergeben eine faszinierende Skyline; davor aber erstrecken sich endlose kleiner Häuser, Hütten, Kanäle und Gassen, ein schier endloses Gewimmel, in dem man jede Sekunde Neues entdeckt. Zwischen all dem Chaos blitzen immer wieder die goldenen Dächer der Tempel auf und wir sehen, dass Bangkok tatsächlich Unmengen davon beherbergt. Ein Blick nach unten zeigt dann wieder Felsen und Palmen, aus denen sich der Tempel in die Höhe erhebt.

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Auf der Plattform selbst liegen Teppiche zum Beten aus, in der Mitte stehen Statuen und Trommeln. Die Tempelspitze ist komplett mit Gold überzogen. Überhaupt erscheint uns der Name „Golden Mount“ überaus passend: Der Ausblick aus der Höhe ist fantastisch und tatsächlich dominiert die Farbe Gold bei den Statuen, dem Schmuck und den Dächern des Tempels.

Die Besucher hier oben sind in Teilen mit vollem Eifer bei der Sache: Die Gebetsteppiche sind gut belegt, manche werfen sich vor den Statuen auf die Knie und berühren beim Beten mit der Stirn den Boden.

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Für die Thailänder sind die Widersprüche zwischen Gebet und der akustischen Reizüberflutung also weit weniger auffallend als für uns. Und tatsächlich stellen auch wir fest: Von hier oben, beim Blick über diese seltsame Stadt kommt uns tatsächlich der ein oder andere gute Gedanke.

Auf dem Weg nach unten kommen wir auf halber Höhe auf der anderen Seite des Tempels noch an einer der seltsameren Stellen des Tempelareals vorbei – dem Geierdenkmal. Es erinnert an mehrere schlimme Cholera-Epidemien in den Jahren nach 1820; die Toten wurden in dieser Zeit im Wat Saket begraben oder verbrannt, was besagte Geier anlockte. Das Denkmal zeigt dann auch eine äußerst realistische Darstellung einer Geierhorde, die einen Toten zerfleischt. Das Denkmal fanden wir so seltsam und makaber, dass wir nicht mal Fotos gemacht haben…

Trotzdem behalten wir den Wat Saket in guter Erinnerung. Die Aussicht ist toll und auch die Tempelanlage selbst allemal einen Besuch wert. Dazu schien uns der Tempel nicht so vollkommen überlaufen zu sein wie manche andere Sehenswürdigkeit in der Innenstadt. Für unsere erste längere Besichtigungstour perfekt!

Der Rückweg hielt dann auch noch ein kleines Schmankerl bereit: Beim Straßenseite wechseln stießen wir unvermittelt auf eine weitere Tempelanlage, den Loha Prasat. Highlight dieser Anlage war eine überlebensgroße Buddha-Statue aus Gold in einem der kleineren Schreine. Auch das macht eben Bangkok aus: die Möglichkeit, an wirklich jeder Ecke irgendetwas Spannendes zu sehen. Insofern sind wir gespannt, was die nächsten Tage noch bringen werden.

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