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Eine (regnerische) Entdeckungstour in Chiang Mai

Unseren ersten Tag in Chiang Mai im Norden Thailands haben wir ganz klassisch begonnen: mit einem Stadtrundgang. Da die Altstadt die Form eines Quadrats einnimmt, ergab sich das Areal zur Erkundung ganz von selbst. Unsere Erwartungen waren im Vorfeld recht hoch: Die Stadt soll mehr als 200 Tempelanlagen beherbergen und trägt wegen seiner kulturellen Vielfalt und Schönheit den Beinamen „Rose des Nordens“. Einfach so losgezogen sind wir aber nicht, sondern haben uns auf eine vorgeplante Walking Tour im Internet verlassen. Diese hatte allein in der Altstadt 27 Stopps vorgesehen, von denen 8 als „must sees“ deklariert wurden – auf diese wollten wir uns konzentrieren.

Unser Walk begann am ehemaligen Stadttor Tha Pae, dem Eingang zur Innenstadt. Wirklich spektakulär war es hier aber nicht: Auffällig waren vor allem die Massen an Tauben und chinesischen Touristen, die auf dem Vorplatz herumstehen.

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Also hielten wir uns nicht lange auf und zogen weiter zu einem Platz in der Mitte der Altstadt. Auf dem Platz, vor einem hellen Gebäude mit Säulen (?), steht das Three Kings Monument.

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Wer die drei Könige waren, konnten wir leider erst im Nachhinein herausfinden, da die Informationsplaketten nur auf Thailändisch geschrieben waren (Wen es interessiert: Es waren König Mengrai, der Gründer der Stadt, und die befreundeten Könige Ramkamhaeng von Sukothai und Ngam Muang von Payao). Das ganze Areal war sehr ruhig und weitläufig, aber auch nichts Besonderes. Für die eigentliche Attraktion waren wir ein paar Stunden zu spät: Jeden Morgen bei Sonnenaufgang kommen die Mönche aus den umliegenden Tempeln auf diesen Platz und bitten um Essen und Opfergaben. Für die nächsten Tage ist dieses Schauspiel aber fest vorgemerkt!

Nach diesem wenig euphorischen Start unserer Tour wurden wir von einigen kleineren Gebäuden am Straßenrand abgelenkt und hier zeigte sich die ganze Schönheit Chiang Mais. Generell gibt es unglaublich viel zu entdecken, von kleinen Gässchen hin zu Bars, Restaurants und ganz einfach schönen Gegenden. Was unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, war ein kleiner Tempel, der, verglichen mit den riesigen Tempelanlagen voller Gold und Farben, angenehm schlicht wirkte. Hingucker waren dabei eine reich verzierte Tür oder eine kleine Wassermühle, in der zwei winzige Schildkröten liegen.

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Auch Chiang Mais Altstadt hat wieder eine Menge abseits der üblichen Touristenattraktionen zu bieten…

Weiter ging es zum Tempel Wat Pan Thao. Auch dieser kam angenehm schlicht daher: Das Dach ist aus einfachem Holz, die Verzierung in Inneren sind zwar immer noch prunkvoll, aber kein Vergleich zu den größeren Tempelanlagen, die noch kommen werden. Gut gefallen haben uns dafür die vielen kleinen Fahnen und Wimpeln, die von der Decke herabhängen und dem Tempel etwas Verspieltes geben. Hinter dem Tempel war sogar eine ganze Wiese aus Flaggen aufgestellt.

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Die darauf abgebildeten Tierkreiszeichen haben wir als Einflüsse des chinesischen Buddhismus interpretiert. Stolz fanden wir heraus, dass wir im Jahr des Huhns beziehungsweise im Jahr des Schweins geboren sind.

Es folgte das erste große Highlight unserer Tour: der Wat Chedi Luang. Hier zahlten wir jeweils 40 Baht (1 Euro) Eintritt und betraten ein größeres Gebäude mit mehreren Tempeln. Einen ersten kleineren Schrein durfte Suzan allerdings nicht betreten: Für Frauen war der Zutritt verboten, da diese als unrein gelten. Warum sie in alle anderen Schreine und Tempel hinein durften, haben wir nicht so ganz verstanden…aber gut. Die Wandmalereien im Inneren waren jedenfalls durchaus sehenswert.

Als nächstes besichtigten wir beide das große Tempelgebäude im Inneren der Anlage. Auch hier blitzte und blinkte es wieder herrlich, dazu erwarteten uns einige Dutzend Buddha-Statuen – schön, haben wir aber schon öfter so gesehen.

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Weniger schön, aber dafür faszinierender waren dagegen die Überreste eines alten Tempels weiter hinten auf dem Gelände. Mit seinem stufenförmigen Aufbau ähnelt er einer Maya-Pyramide; die grob gehauenen Steine ohne all das Gold und die Verzierungen gaben ihm in unseren Augen etwas Wuchtiges und Ehrfurchtsgebietendes.

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Beeindruckend waren außerdem die goldenen Elefantenstatuen, die auf halber Höhe des Tempels angebracht sind, und die fünfköpfigen Stein-Schlangen, die die Eingänge bewachen.

Betreten konnte man den Tempel leider nicht. Da zu dieser Zeit ein ordentlicher Regenschauer vom Himmel fällt, betrachten wir ihn aber recht lange.

Ebenfalls nett war das schnuckelige Schriften-Museum dahinter: Im zweiten Stock des alten Holzgebäudes wurde (alles auf thailändisch und englisch!) kurz erklärt, wie die Mönche früher Schriftrollen hergestellt haben, daneben waren einige verzierte Behälter mit Schriftrollen ausgestellt und das war’s – klein, aber fein.

Gerade als wir uns aufmachten, die Anlage wieder zu verlassen, stießen wir durch Zufall noch auf etwas echt Faszinierendes: einen sogenannten Monk-Talk. Unter einer Plane saßen ein Mönch und ein Betreuer und boten uns an, sich kurz mit ihnen zu unterhalten. Das Prinzip dieser Monk-Talks ist einfach: Die Touristen erfahren so etwas über das Leben der Mönche, die im Gegenzug Englisch üben können. Wir waren sofort Feuer und Flamme! Das Gespräch mit dem Mönch war wahnsinnig interessant, hatte teilweise aber auch absurde Züge. Als Suzan ihm sagte, dass sie aus Deutschland kommt, fragte er mit leuchtenden Augen nach „Bayern Munich?“ Als ich sagte, dass ich auch aus Deutschland komme, war er überrascht, weil er mich erst für einen Chinesen gehalten hatte…

Er selbst hatte Faszinierendes zu erzählen: Als 7-ähriger kam er als Novize in den Tempel, mit 19 wurde er Mönch, jetzt ist er 29 Jahre alt. Ansonsten erklärte er uns unter anderem, warum er Mönch werden wollte (um die Lehre Buddhas zu lernen und zu verbreiten), warum Frauen nur in Thailand keine Mönche werden können (es gibt seit 1000 Jahren keine weiblichen Mönche mehr, die das Aufnahmeritual leiten können) und ob es eine besondere Aufnahmeprüfung für angehende Mönche gibt (ja, und nur 10% der Novizen werden am Ende auch Mönche). Zwanzig Minuten lang unterhielten wir uns mit dem Mönch und zogen dann mit einigen unbezahlbaren Erfahrungen gesegnet weiter.

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Der letzte Stopp unserer Tour war die Tempelanlage Wat Phra Sing. Langsam machten sich erste Anzeichen von Tempelmüdigkeit bemerkbar und so ließen wir das Hauptgebäude aus. Die Nebengebäude waren sowieso viel spannender: Vor einem kleinen Schrein konnten wir eine Gruppe Novizen dabei beobachten, wie sie das Tempelgelände auf Leinwände malten. Die Resultate waren beeindruckend und es war wie immer spannend, die Mönche bei ihrer täglichen Arbeit und Lebensweise zu sehen. Der Schrein selbst überzeugte uns dann mit wunderschönen, wenn auch leider etwas ausgeblichenen Wandgemälden.

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Dahinter befand sich ein kleiner Meditationsgarten. An den Bäumen waren Schilder mit Sprüchen angebracht, die zum Nachdenken anregen, darunter saßen Novizen und lernten Englisch oder lasen in Büchern. Ein traumhafter Ort, um zur Ruhe zu kommen! Viel eher das, was wir uns unter einem Tempel vorstellen…

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Den letzten Teil unserer Tour haben wir dann auch ausfallen gelassen. Für den ersten Tag hatten wir genug gesehen und wieder einmal hat sich gezeigt, dass manchmal die unscheinbaren Dinge die schönsten sind. Ja, der Wat Chedi Luang war beeindruckend schön, auch die anderen Sehenswürdigkeiten sind sicher einen Besuch wert, aber was uns wirklich berührt hat, waren das Gespräch mit dem Mönch und der kleine Palmengarten am Ende. Chiang Mai hat jedenfalls einen guten ersten Eindruck hinterlassen…

 

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