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Zwischen Paradies und Hölle

Auf unseren bisherigen Reisen sind wir schon öfter an Orten gewesen, die viele Facetten haben. Selten aber hat uns ein Ort mit so zwiespältigen Gefühlen zurückgelassen wie Pai. Um es auf den Punkt zu bringen: Wir hassen Pai (die Stadt) und wir lieben Pai (die Region).

Der Ort muss sich in den vergangenen Jahren stark verändert haben. Worüber wir im Internet gelesen haben und was wir dementsprechend erwartet hatten, war ein Hippie-Paradies – abgelegen in den Bergen, bevölkert von Reisenden, die die Ruhe und unberührte Natur suchen. Was wir gefunden haben, war eher ein spirituell angehauchtes Malle.

Lebensader der Stadt (Pai ist eigentlich eher ein Dorf) ist eine lange Straße, vollgepackt mit allem, was das Backpacker-Herz begehrt. Natürlich alles so weit weg von echter thailändischer Kultur wie nur irgendwie möglich; alle Nase lang gibt es Läden mit westlichem Essen, das für Thailand-Verhältnisse total überteuert ist. Zimmer in den Party-Hostels gibt es dafür ab 100 Baht (2,50 €) pro Nacht und von September bis Oktober gibt es sogar ein Oktoberfest mit Maß und Schnitzel für 3 Euro. Dementsprechend war dann auch das Klientel in der Stadt (auch wenn ich sicher bin, dass auch ganz, ganz viele nette Leute nach Pai kommen), das sich in den Tempeln teilweise echt unmöglich aufgeführt hat. Irgendwie hat uns das alles total abgestoßen… Wir haben in Pai schließlich etwas ganz anderes gesucht. Und zum Glück wurde es dann ja auch schnell besser, nämlich in dem Moment, in dem wir bei unserer airbnb-Wohnung ankamen.

Wir hatten einen kleinen Bungalow etwas außerhalb gemietet und wurden von unserem unglaublich netten Vermieter Sirichai abgeholt. Das Zimmer selbst war dann eher mäßig (schlechtes Internet, Ameisen im Bad, steinharte Matratze), aber schon von der Veranda zeigte uns Pai seine ganze Pracht. Dieser Ausblick beim Frühstück…

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Pai liegt in einer weitläufigen Senke, die auf allen vier Seiten von Hügeln und Bergen umgeben ist – dementsprechend gut ist die Aussicht von eigentlich überall. Die Natur zeigte sich jetzt, am Ende der Regenzeit, von ihrer besten Seite. Alles war wunderbar saftig, grün, lebendig. Nachts erwachte der Dschungel und Myriaden von Tiergeräuschen bildeten unseren Soundtrack zum Einschlafen. Tagsüber haben wir dann die Umgebung erkundet. Das machen hier alle mit dem Roller, die man ab 100 Baht/Tag mieten kann und wir hatten unglaublich viel Spaß dabei. Die Fahrten durch die Natur waren ein großes Highlight für uns, denn es gibt in Pai wirklich an jeder Ecke etwas zu entdecken. Einmal bogen wir um eine Kurve und standen auf einmal vor einem halben Dutzend Elefanten am Straßenrand, die dort in einer Elefantenfarm gehalten werden. In der näheren Umgebung von Pai gibt es eine gute Handvoll kleinerer Sehenswürdigkeiten, die man gut in ein oder zwei Tagestrips abklappern kann. Die schönsten will ich euch in den folgenden Zeilen vorstellen und gegebenenfalls später noch ergänzen.

Tag 1:

Wat Mae Yen/Der weiße Buddha

Unser erstes Ziel hatten wir uns schon am Vortag ausgesucht: Man sieht den weißen Buddha nämlich schon von weitem auf halber Höhe aus den bewaldeten Bergen herausragen. Mit dem Roller war er auch nur einen Katzensprung entfernt. Den Buddha erreichten wir über eine ziemlich steile Treppe, die wie immer mit den obligatorischen Schlangenköpfen verziert war. Die Statue selbst war dann eher unspektakulär, aber eine nette Abwechslung zu all den goldenen und smaragdfarbenen Buddha-Statuen, die wir bisher gesehen haben.

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Beeindruckender war da schon die Aussicht. Besonders den Sonnenuntergang kann man von hier anscheinend gut verfolgen –  wir waren aber am Morgen da.

Memorial Bridge

Weiter ging es mit dem Roller zur Memorial Bridge, die ein bisschen außerhalb lag. Wirklich spektakulär ist sie nicht: nur eine schmale Holzbrücke neben einer größeren Autobahnbrücke.

Interessant war wiederum die Geschichte, die sich dahinter verbirgt. Ursprünglich wurde sie 1941 von den Bauern der Region errichtet, um für die Japaner eine Invasion ins britisch dominierte Myanmar vorzubereiten und später trotz mehrfacher Zerstörung wiederaufgebaut. Ich zumindest fand den Anschauungsunterricht über die Rolle Thailands im 2. Weltkrieg hörenswert.

Pai Canyon

So etwas hätten wir hier in Pai nicht erwartet. Etwas außerhalb der Stadt durchziehen einige zerklüftete Felsen die Landschaft und die dominierende Farbe wechselt von grün zu braun.

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Den Canyon kann man auch durchklettern, aber da die Wege teilweise sehr schmal sind und zu beiden Seiten steil abfallen, haben wir das lieber gelassen. Besonders spektakulär soll hier der Sonnenuntergang sein und viele organisierte Tagestouren enden daher mit diesem Stopp.

Der Land Split

Der Land Split ist mit Sicherheit die jüngste Attraktion in Pai. Zwei Erdbeben in den Jahren 2008, 2009 und 2011 haben ihn entstehen lassen und locken seither Besucher an. Der Split selbst sieht aus wie ein Mini-Canyon, ist einige Meter tief und mit Gestrüpp bewachsen. Ein kurzer Rundweg führt einmal hindurch, umgehauen hat uns der aber nicht.

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Das hat dafür die Gastfreundschaft der Familie, auf dessen Land sich der Landsplit befindet. Der Eigentümer und seine Frau verteilen davor gegen eine (freiwillige) Spende Früchte und Getränke an Reisende – und zwar nicht das 0815-Zeug. Gewöhnungsbedürftig waren die sauren Tamarind-Wurzeln, lecker dagegen der süße Roselle-Saft und die hauseigenen Süßkartoffeln. Sogar Roselle-Wein haben sie dort, von dem ich (als Roller-Fahrer) jedoch nur ein winziges Schlückchen probieren konnte. Letztlich war es echt ein super Aufenthalt und es hat uns richtig Freude bereitet, diese gastfreundliche Familie mit unserer Spende zu unterstützen.

Pam Bok Wasserfall

Wasserfälle (und heiße Quellen) gibt es hier an jede Ecke. Der Pam Bok Wasserfall war für uns jetzt eher unspektakulär, aber schön gelegen. Von einem Rollerparkplatz kletterten wir einen kleinen Bergpfad entlang, überquerten eine Holzbrücke und sahen dann den Wasserfall durch einen kleinen Spalt hindurch.

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Es hätte sicherlich Spaß gemacht, im Wasserfall-Becken zu schwimmen, aber wir hatten weder Badehosen dabei, noch wirklich Zeit dafür. Denn nach dem Wasserfall sind wir weiter zu unserer letzten Station gefahren, die uns so gut gefallen hat, dass ich ihr einen eigenen Blog-Post gewidmet habe. Freut euch drauf in den nächsten Tagen…

Tag 2:

Yun Lai Viewpoint

Unser zweiter Ausflug war um einiges kürzer, aber deshalb nicht weniger lohnenswert. Wieder fuhren wir früh mit dem Roller los, dieses Mal zu einem Aussichtspunkt im Westen Pais. Auf halber Höhe des Berges befand sich ein nachgebautes chinesisches Dorf, das wohl aber nur für Touristen errichtet wurde und wenig mit der tatsächlichen Bauweise zu tun hatte. Eine originalgetreuere Variante mit süßen Hütten, Lampions und Bambusplattformen fanden wir dann oben auf dem Aussichtspunkt selbst. Den letzten Teil des Weges dorthin mussten wir zu Fuß zurücklegen, weil unser Roller leider mit der Steigung nicht zurechtkam. Für die Anstrengung entschädigt wurden wir mit chinesischem Tee, den es dort oben im Eintrittspreis (20 Baht/0,50 €) inbegriffen gab – wahnsinnig erfrischend und ein absolutes Paradies für einen Teeliebhaber wie mich. Dazu kam noch ein schönes Panorama über Pai und die umliegenden Berge.

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Ebenfalls süß war der Baum in der Mitte der Hütten, an den Touristen kleine Herzen mit guten Wünschen hängen konnten. Haben wir aber trotzdem nicht gemacht.

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Alles in allem sind die Sehenswürdigkeiten zwar nett, aber nicht unfassbar spektakulär. Das müssen sie aber auch gar nicht. Allein die Rollerfahrten dazwischen machen unglaublich viel Spaß und immer wieder wurden wir zwischendurch mit schönen Aussichten oder unvorhergesehenen Begegnungen konfrontiert. Dazu kommt die lebendige Tier- und Pflanzenwelt des Dschungels. Unser Fazit lautet daher: Erst das Gesamterlebnis macht Pai zu etwas Besonderem.

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