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Von Affen und Schildkröten

Nach zwei Tagen in George Town wurde es endlich Zeit, die natürliche Schönheit Penangs ein wenig genauer zu erkunden. Wir fuhren also mit dem Bus in den Nordwesten der Insel zum Penang National Park. Geplant hatten wir eine anderthalbstündige Wanderung durch den Dschungel bis zum Turtle Beach, der seinen Namen von einer Schildkröten-Rettungsstation bekommt. Der Penang National Park hat drei Strände zu bieten: den bei Touristen beliebten Monkey Beach, den abgelegeneren Turtle Beach und einen dritten, der nur schwer zu Fuß zu erreichen ist. Die mittel-abenteuerliche Variante erschien uns für uns am passendsten.

Zu Beginn stand unsere Tour jedoch unter einem schlechten Stern. Penang war in der letzten Woche Opfer der schlimmsten Überschwemmung seit 28 Jahren geworden und der National Park deswegen für Wanderer gesperrt. Einem allzu frühen Ende unserer Tour entgingen wir dank einer kleinen spanischen Reisegruppe, die sich bereiterklärte, mit uns ein Boot zu teilen und dann auch noch den Preis um 20% herunterhandelte. Der Preis war zwar trotzdem noch etwas teurer als das, was wir normalerweise ausgeben, dafür würde das Boot aber auch am Monkey- und am Turtle Beach halten und uns so viel Zeit dort lassen wie wir wollten.

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Es ging also mit einem kleinen Motorboot aufs Wasser und dieser Teil war vielleicht schon der schönste der ganzen Tour. Die Küstengebiete der Insel waren einfach fantastisch! Die Hügel im Landesinneren war von dichtem Dschungel bedeckt, die Küsten von großen hellen Felsen, geformt wie riesige Kieselsteine. Beides steckte voller Leben: Über den Baumriesen segelten Vögel durch die Luft, auf den Felsen kletterten ganze Affenfamilien umher. Tierisch war auch die Form mancher Felsen, die wir auf unserem Weg passierten: Einer war geformt wie eine Krokodilskopf, ein anderer wie eine Schildkröte.

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Gewöhnungsbedürftig war hingegen unser Bootsfahrer: Er strahlte seelige Gelassenheit aus und steuerte das Boot teilweise mit Kippe im Mund und Bier oder Handy in der Hand – die Fahrt war aber trotzdem ruhig und angenehm, Wellengang gab es kaum.

Nach einer halben Stunde Bootsfahrt steuerten wir zunächst den Turtle Beach an. Wie gedacht war er vollkommen verlassen und noch dazu absolut idyllisch. Palmen, weißer Sand, die Hügel als Panorama… der Strand hatte einfach alles.
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Leider waren wir nicht zum Entspannen hier, sondern hatten ein kleines Programm für die folgende Stunde. In der namensgebenden Schildkrötenstation musste ich dann zunächst einmal feststellen, dass ich die Ausmaße der Schildkröten zumindest in ihren Extremen unterschätzt hatte. Die frisch geschlüpften Baby-Schildkröten erschienen uns geradezu winzig, die ausgewachsenen Tiere hingegen gewaltig. Spannend war es auf jeden Fall, uns zog es allerdings trotzdem weiter.

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Ein kleines Stück weit im Landesinneren befand sich ein Salzwasser-See, den man in einer guten halben Stunde umrunden können sollte. Wir machten uns mit unseren spanischen Begleitern auf den Weg und stürzten uns in den Dschungel.Und wir waren sofort begeistert. Der Dschungel auf der Penang-Insel ist ein der der ältesten Regenwälder dieser Erde und hat uns wirklich umgehauen. Überall gab es etwas zu entdecken, zu sehen, zu hören, zu riechen. Auf dem Boden tummelten sich winzige Ameisenkolonien, nach oben ragten die Baumriesen in die Lüfte. Das Leben spielte sich auf so vielen Ebenen ab: Gräser auf dem Boden, Farne in Hüfthöhe, Lianen und kleinere Bäume über unseren Köpfen, dann die himmelhohen Baumkronen. Und selbst darüber hörte es nicht auf: Durch eine der spärlichen Lücken in den Kronen konnten wir wieder große Vögel über den Urwald kreisen sehen. Wir kamen uns vor wie eine Kamera, die beliebig weit hinein- und hinaus-zoomen konnte.

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Der Weg führte in einer großen Runde einmal um den See herum und war teilweise doch recht beschwerlich. Die Flutschäden – umgefallene Bäume, Unterholz, abgesplitterte Äste – waren nicht zu übersehen und mehrfach mussten wir uns durch Schlammpfützen oder kleine Bäche kämpfen. An einigen Stellen führten auch kleine Steinbrücken durch die unwegsamsten Stellen.

RegenwaldPenang-9 RegenwaldPenang-11Insgesamt hatte der Weg jedoch genau die richtige Menge Abenteuer. Wir konnten an den allermeisten Stellen gut laufen, hatten aber trotzdem das originale Indiana-Jones-Feeling.

Mehrfach kreuzte der Pfad einen größeren Fluss und die idyllischen Szenerien am Wasser gehörten zu den schönsten Augenblicken unserer kleinen Wanderung.

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Eine Spanierin sah sogar einen kleinen Affen im Wasser baden, aber wir kamen leider etwas zu spät. Dafür sahen wir die Affen wenig später in den Bäumen herumturnen und waren sofort verliebt. So nah waren wir dem echten Leben in der Wildnis definitiv noch nicht!

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Gegen Ende wurde der Pfad dann dank einiger Treppen noch richtig anstrengend. Statt der geplanten 30 Minuten haben wir, auch dank dutzender Fotopausen, fast 45 Minuten gebraucht – gelohnt hat sich das Ganze auf jeden Fall, auch wenn wir wahrscheinlich noch nie so viel geschwitzt haben. Die Luftfeuchtigkeit im Dschungel war der Wahnsinn!

Der See, den wir eigentlich sehen wollten, war dagegen unspektakulär, beziehungsweise ausgetrocknet. Wir hatten schlicht Pech, wie uns ein Schild am Strand aufklärte. In der Monsun-Transitzeit (also jetzt) treffen bis zu fünf Meter hohe Wellen den Strand und tragen Sand und Erde ins Landesinnere. So entsteht ein natürlicher Damm, der den See erst entstehen lässt und in dieser Transitzeit mehrfach auf- und wieder abgebaut wird. Der See könnte also theoretisch in ein paar Tagen schon wieder gefüllt sein.

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Dennoch ungebrochen guter Laune zogen wir weiter zum Monkey Beach, an dem wir zweieinhalb Stunden Aufenthalt ausgemacht hatten. Der Strand ließ uns mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Die Szenerie an sich (minus der etwas heruntergekommenen Hütten) war natürlich toll und bot auch einige authentische Momente, etwa wenn die Einheimischen mit kleinen Motorbooten am Strand landeten und kistenweise Kokosnüsse an Land schleppten. Die kleinen Boote sind eben die einzige Verbindung zur Außenwelt.

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Weinen mussten wir dagegen wegen all dem Müll, der den Strand verschandelte und uns mal wieder die Schattenseiten des Massentourismus vor Augen rief – auch der wird eben nicht abgeholt. Richtig idyllisches Feeling kam hier jedenfalls nicht auf…

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Die namensgebenden Affen am Strand waren dann auch kaum zu übersehen und wirklich bemerkenswert dreist. Sie hatten überhaupt keine Scheu vor den Menschen, suchten die Buden und den Strand nach Nahrung ab und stibitzten sogar vor unseren Augen Essen von ein paar Besuchern. Wir blieben zum Glück von Affen-Angriffen verschont und genossen ein paar ruhige Stunden am Strand.

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Danach ging es wieder mit dem Boot zurück zum Eingang des Nationalparks und wir konnten auf einen überraschend schönen Tag zurückblicken. Erst im Endeffekt wurde uns klar, was für ein Glück wir gehabt hatten. Dass wir bei der stundenlangen Wanderung durch den Dschungel genauso viel Spaß gehabt hätten wie bei der Bootstour, wage ich ehrlich gesagt zu bezweifeln. Das Reiseglück ist eben bei den Tüchtigen, die spontan genug sind, eine Chance zu ergreifen wenn sie sich ihnen bietet… Das versuchen wir ab jetzt zu beherzigen!

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