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George Town: Ein Kunstwerk an jeder Ecke

Kleiner Spoiler vorab: Penang war in unseren Augen eine der bisher schönsten Stationen unserer Reise. Schon unsere Ankunft im Auto unserer Gastfamilie aus Alor Setar hat uns nachhaltig beeindruckt. Über eine gigantische Brücke fuhren wir durch den Nebel auf die Insel, durch die Schwaden hindurch blitzt hin und wieder die Skyline der 600.000-Einwohner-Stadt auf. Ein Gänsehaut-Moment…

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George Town, die Hauptstadt des Bundesstaats Penang, ist eine dieser Städte, in der man im wahrsten Sinne des Wortes an jeder Ecke etwas entdecken kann. Mehrfach sind wir wie verrückt vor und zurück durch eine kleine Gasse gelaufen, um dort ein bestimmtes Street Art Kunstwerk zu finden, nur um erkennen zu müssen, dass es die ganze Zeit direkt vor unserer Nase an einer kleinen Hauswand war. Dazu kommt das Miteinander verschiedener Architekturstile, religiöser Gebäude und Kunstwerke. Die Stadt sprüht nur so vor Leben! Und selbst wem das nicht reicht, der kann immer noch eine Vielzahl an Tagesausflügen in die unberührte Natur der Insel unternehmen. So viel an einem Ort bekommen wir nicht oft geboten… Unsere sechs Tage in der Stadt waren zwar anstrengend, vergingen aber wie im Flug.

Historische Fun-Facts und Street Art

Eine gute Möglichkeiten, eine neue Stadt kennenzulernen, ist in unseren Augen eine Free Walking Tour. Diese werden meist von lokal ansässigen Rentnern oder Studenten angeboten und bieten in der Regel einen guten Überblick über die wichtigsten Attraktionen und Sehenswürdigkeiten. Unsere Tour wurde vom Penang Global Tourism Büro angeboten und startete um 10:30 Uhr. Sie führte uns in einem Viereck einmal durch die Altstadt, die seit einigen Jahren zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

Unser Guide, ein freundlicher Rentner, zeigte uns zunächst einige Bauwerke, die charakteristisch für das Stadtbild George Towns sind. Manche, vor allem die Kolonialbauten gefielen ihm überaus gut, andere wollte er am liebsten sofort abreißen lassen – ein weiterer Beweis für die vielfältigen Eindrücke der Innenstadt. Ansonsten kannte er eine schier unüberschaubare Anzahl von Anekdoten und witzigen Fakten. So etwa über das Stadtwappen: Darauf zu sehen ist zum einen die Brücke nach Penang (bei der Fertigstellung die drittlängste der Welt) und ein Baum, den uneingeweihte Touristen gerne für eine Kokosnuss-Palme halten. In Wahrheit ist das allerdings der Pinang-Baum, der der Insel (in seiner verballhornten Form) ihren Namen gegeben hat.

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Unser erster längerer Stopp war dann der Clock Tower nahe des Fährenhafens. Er wurde zum 60-jährigen (diamantenen) Jubiläum der großen Queen Victoria errichtet und ist dementsprechend genau 60 Fuß hoch. Als spannend erwiesen sich die kulturhistorischen Erklärungen unseres Guides: So finden sich solche Clock Tower in jeder britischen Kolonialstadt, aber nie in spanischen oder portugiesischen. Tja, die Abneigung gegenüber genauer Zeitmessung hat sich bis heute in Teilen gehalten…

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Generell war es spannend, mal die Hintergründe der kolonialen Kulturen erklärt zu kriegen. Unser nächster Stopp war die Town Hall neben der gleichsam imposanten City Hall. Beide sind perfekte Beispiele für die Architektur dieser Epoche, vor allem da sie jeweils große Flächen vor sich frei lassen. Auf diesen wurden früher Cricket gespielt, Militärparaden exerziert und Ehrungen vorgenommen; asiatische Bauherren hätten dagegen niemals so viel gutes Bauland verschenkt, meinte unser Guide.

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Umsäumt ist der Platz von schönen Stadthäusern, von deren Balkonen reiche Bürger die Cricket-Spiele und Paraden mitverfolgen konnten.

Weiter ging es zur Street of Harmony. Auf dieser befinden sich religiöse Bauwerke der vier größten ansässigen Religionen, sprich eine Moschee, eine Kirche, ein Hindu- und ein chinesischer Tempel. Am besten gefallen hat uns die Kapitan Keling Moschee mit ihren sternförmigen Verzierungen und der ausladenden Kuppel.

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Die anglikanische St. George Kirche wusste statt mit Schönheit eher durch eine spannende Geschichte zu überzeugen. Im 2. Weltkrieg wurde sie nämlich Ziel japanischer Luftwaffen-Angriffe, die sie jedoch relativ unbeschadet überstand. Das hatte zwei Gründe: Zum einen wurden in die tragenden Säulen Stämme senegalesischer Mahagoni-Bäume eingelassen – eines der widerstandsfähigsten Baumaterialien überhaupt. Zum anderen studierten die Architekten die noch intakten Gebäude des untergegangenen Pompejis und leiteten daraus Bauregeln für Gebäude ab, die sowohl Erdbeben als auch Bombenangriffen widerstehen konnten.

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Die Hindutempel hier in Malaysia konnten uns bisher noch nicht wirklich fesseln, was vor allem an den Farben liegt. Rosa und Pastelltöne in religiösen Gebäuden sind, nun ja, gewöhnungsbedürftig…

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Nach der breiten Hauptstraße tauchten wir in die Gassenwelt George Towns ein und hier nahm die Führung noch einmal richtig Fahrt auf. Die schmalen Sträßchen fanden wir wirklich klasse! Einem Plan folgen sie nicht, sondern wuchern kreuz und quer zwischen den vier großen Hauptstraßen hin und her. Teilweise wachsen kopfhohe Pflanzen an den Straßenecken, das Wort Stadtdschungel bekam für uns eine ganz neue Bedeutung. Auch hier koexistieren die Kulturen: Chinesische Lampions, und islamische Keramikornamente glänzen nebeneinander in den Straßen, Handwerker restaurieren alte europäische Mobelstücke. An jeder Ecke gab es irgendetwas zu entdecken, sei es eine schöne Tür, ein verziertes Fenster oder eine altmodische Häuserfassade. In diesem Gewirr kann man sich verirren…

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Ein besonderes Highlight waren dann noch die Street Art Kunstwerke, die eigentlich die ganze Stadt verschönern. Bestimmte Serien wurden offiziell in Auftrag gegeben, aber mittlerweile sprießen überall neue Gemälde aus dem Boden. Manche davon sind wie oben schon beschrieben so versteckt, dass wir uns auf Karte und Handy-App verlassen mussten, um sie zu finden. Dutzende sind noch gar nicht erfasst. Die Motive reichen von ernsten Themen wie Armut und historischen Begebenheiten bis hin zu Kung-Fu kämpfenden Katzen und Pikachus.

Unser Guide zeigte uns zum Abschluss nur das berühmteste Gemälde des litauischen Künstlers Ernest Zacharevic: zwei Kinder auf einem Rad. Typisch für seine Kunstwerke ist die Verbindung von 3D-Elementen (das Fahrrad) mit gemalten Bilder (den Kindern). Unseren Guide inspirierte das Bild zu einem Abschlussplädoyer über Kindererziehung, Natur, Freiheit und ein glückliches Leben. Wir waren schwer beeindruckt…

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So beeindruckt, dass wir beschlossen, die übrigen Bilder des Künstlers aufzuspüren. Diese sind leider über die ganze Stadt verteilt, was uns einen weiteren ordentlichen Fußmarsch bei drückender Hitze einbrachte. Die schönsten Bilder haben wir hier mal für euch ausgewählt:

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So ging unser Tag in der Innenstadt George Towns zu Ende. Wer jetzt aber denkt, dass ein Tag reicht, um alle schönen Ecken der Stadt abzuklappern, der liegt falsch. Auch in den Vororten und Randbezirken gibt es beim Stromern einiges zu entdecken – vor allem an den Stränden und Plätzen an der Küste, die einen schönen Blick auf die Skyline George Towns bieten.

Eine Insel mit vielen Gesichtern

Bei einem Abendspaziergang etwa stoppten wir bei einem eher unbekannten chinesischen Tempel im Nordosten George Towns. Der Tempel und der Strand waren an sich eher unspektakulär, aber total liebevoll gestaltet. Zum Meer hin standen wunderbar aus Büschen zurechtgeschnittene Tiere Spalier und die in Stein gehauenen chinesischen Statuen werden wohl nie aufhören und zu faszinieren.

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Dazu war die Aussicht einfach fantastisch. Genau so muss eine Skyline aussehen: Ein paar hohe Gebäude, Hügel im Hintergrund, dazu immer wieder Flecken von Grün dazwischen – und das blaue Meer, um das Ganze abzurunden. Uns gibt das mehr als die Stahlgebirge New Yorks oder Frankfurts…

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Die Orte auf der Welt, die vielleicht am allerwenigsten mit New York gemein haben, sind die Jettys im Hafen von George Town. Dahinter verbergen sich kleine Häuseransammlungen auf einem großen hölzernen Steg, die zusammen ein Mini-Stadtviertel bilden – sogar mit eigenem Tempel. Bewohnt werden die Jettys schon seit Jahrzehnten von chinesischen Clans. Uns dienten sie als Reise in die Vergangenheit: Man läuft über Holzplanken vorbei an Hütten mit Wellblechdächern und sieht unter dem Steg das Wasser gegen die Pfähle schwappen. Dringt man zu weit in die Siedlung vor, kläffen einen die Hunde an, die tatsächlich ganz altmodisch das Haus der Familie bewachen. Wir haben uns gefühlt wie in einem Fischerdorf von vor 200 Jahren.

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Ein Foto am Eingang, das die Jettys im Jahre 1910 abbildet, zeigt dass die Zeit hier tatsächlich fast stehen geblieben ist. Allerdings nicht für alle. Was wir gerade beschrieben haben, trifft auf den Lim Jetty zu, den wir als erstes erkundet haben. Nur wenige Meter weiter im Chew Jetty bietet sich ein vollkommen anderes Bild. Schon am Eingang stehen Straßenstände, Buden und Cafes, auf dem Steg selbst wird es noch schlimmer: Es herrschte ein solches Gedränge, dass wir stellenweise kaum vorwärts kamen. Weitere Stände und sogar kleine Souvenirshops bieten von T-Shirts über Eis und Fruchtsäfte einfach alles an, was das Touristenherz (nicht unseres) begehrt. Spannend zu sehen, war es sicherlich, aber der Lim Jetty hat uns mit seiner Ruhe dann doch besser gefallen. Dafür hat uns der Chew Jetty zum Nachdenken gebracht, wie Menschen mit dem Tourismus umgehen – und welcher Weg eigentlich der bessere ist. Die beiden Jettys waren perfekte Beispiele für zwei unterschiedliche Welten…

Auf der anderen Seite der Stadt, am Westrand, sahen wir uns dann wieder ein Bauwerk an, dass wenig mit den Jettys zu tun hatte: den Kek-Lok Tempel. Statt charmanter Holzbauten empfingen uns hier wieder die alte Pracht, die wir aus buddhistischen Tempeln in Thailand kannten: goldene Dächer, Jadestatuen und kunstvoll verzierte Gebäude überall.

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Was den Tempel (zumindest in meinen Augen) zu einem der schönsten auf unserer Reise macht, sind die vielen Ebenen des Areals. Um zum Tempel zu gelangen, mussten wir zunächst einmal durch eine überdachte Gasse in einer Art Einkaufszentrum laufen und dann noch einige Treppenstufen weiter bis zum ersten Gebäude. Dahinter befanden sich noch dutzende weitere – der Kek-Lok ist der buddhistische Tempel Malaysias. Die vielen kleinen Schreine und Pagoden verteilen sich auf einen Hügel und als Resultat sind immer mehrere davon auf einmal sichtbar. Über uns ragen Tempeldächer  in Schichten in die Höhe, was den ganzen Tempel geradezu gigantisch weitläufig wirken lässt. Dazwischen befindet sich ein großer Innenhof, an dessen Rand ein überdachter Weg nach oben führt.

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Eingelassen ist das Ganze auf wunderbar harmonische Weise in die Natur; eine Felswand begrenzt  den großen Innenhof, zudem sind überall Pflanzen und Blumenbeete angelegt. Generell gibt es in dem riesigen Areal des Tempels viele schöne Kleinigkeiten zu entdecken, seien es versteckte Wandmalereien, farbige Dachziegel oder bezaubernde Blumen.

Und genauso war es eigentlich auf der ganzen Insel! Generell haben uns George Town und Penang uns nachhaltig beeindruckt, besonders wegen der unglaublichen Vielfalt an kulturellen und naturbezogenen Eindrücken. Einen Besuch können wir deswegen nur jedem empfehlen: ob Backpacker-Absteige oder Luxushotel, Stadtbummel oder Nationalpark, westliches Sterne-Restaurant oder indischer Straßenimbiss – in George Town ist für jeden etwas dabei!

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