Krumau, Reisen, Tschechien, Weltreise

Krumau – auf den Spuren meiner Vergangenheit

Nach zwei angenehmen Wochen, in denen wir uns in Prag dem Großstadtleben hingaben, wurde es Zeit für den ersten Tagesausflug ins tschechische Hinterland. Und das Ziel war dabei nicht irgendeines, sondern das wunderschöne Krumau (Český Krumlov) an der Moldau: das Städtchen, aus dem meine Großmutter mütterlicherseits stammt. Aber auch für Besucher ohne familiäre Verbundenheit hält Krumau einiges zu bieten, aber davon später mehr. Für den Anfang sei nur gesagt, dass der historische Stadtkern seit 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt…

Der erste erwähnenswerte Teil unseres Ausflugs war nämlich die Fahrt nach Krumau mit dem guten alten Flixbus. Dafür sind wir extra um 7:00 aufgestanden, um uns an die dreistündige Fahrt nach Süden zu machen. Sind drei Stunden hin, drei Stunden zurück nicht eigentlich zu viel für einen Tagesausflug? Finden wir nicht, die Strecke war nämlich wunderschön. Der Bus fuhr einmal quer  durch die wunderschönes tschechische Natur, die sich an diesem Tag von ihrer besten Seite zeigte. Mit Ausnahme von Budweis (und natürlich den Randgebieten Prags) passierten wir kaum mal Städte oder größere Siedlungen, dafür unzählige kleine Dörfer, Klöster und Kirchen. Auch die Natur machte einiges her: Wir sahen überall Flüsschen, Wälder und Weiher, die teilweise zugefroren waren. Am Horizont ragte dazu noch hier und da ein einsames Schloss in die Höhe – eine Landschaft wie in Grimms Märchen. Die Fahrt war auf jeden Fall eine Erinnerung, dass auch Mitteleuropa einiges zu bieten hat und man manchmal gar nicht so weit fahren muss, um schöne Natur zu sehen.

Aber dann waren wir endlich da und stellten fest, dass Krumau es einem leicht macht, sich zu verlieben. Umgebungs- und landschaftstechnisch hat Krumau als Stadt wirklich in den Goldtopf gegriffen: Das Städtchen liegt zwischen zwei Hügeln eingeklemmt an einem Fluss, der im Stadtgebiet gleich drei Biegungen macht. Nach den Sehenswürdigkeiten muss man nicht lange suchen, da sie sich alle an einem Ort befinden: Die Altstadt schmiegt sich an die Moldau, die in einem Halbkreis um die Fachwerkhäuser herum fließt, über all dem thront die Burg mit ihrem charakteristischen Turm. Sie ist übrigens das zweitgrößte historische Gebäude Tschechiens, nach der Prager Königsburg.

Der erste Eindruck war schon mal beeindruckend.

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Nach einer ersten ausgedehnten Fotopause stürzten wir also in das Gassengewirr und stellten fest, dass Krumau uns nicht nur aus der Weitwinkelperspektive gefällt. Die alten Häuschen, die ohne jegliche Ordnung errichtet zu sein scheinen, das Kopfsteinpflaster, die Fensterläden, all das gab uns das Gefühl, geradewegs in die Vergangenheit versetzt worden zu sein.

Gut, die Unmengen an vornehmlich asiatischen Touristen störten die Idylle etwas, aber wir sind eben nicht die einzigen Menschen auf der Welt…

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Die Architektur war dabei durchaus verwinkelt, sodass wir nicht immer auf Anhieb den richtigen Weg zur Burg gefunden haben. Aber so stießen wir unter anderem auf eine Straße voller Graffiti, was wir so nicht an dem historischem Ort erwartet hätten. Da verirrt man sich doch gerne!

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Wir tasteten uns langsam voran und ließen uns Zeit, um den schönen Stadtkern in Ruhe genießen zu können. Schließlich wollten wir aber doch vorankommen und uns endlich die Burg anschauen. Es war nämlich kalt, genau genommen herrschten Temperaturen um den Gefrierpunkt: So richtig viel Schnee lag zwar nicht, aber das bisschen reichte schon für eine schön winterliche Atmosphäre.

Uns hätte auch gereizt, das ganze Mal im Sommer in voller Blüte zu sehen (vor allem die Cafès am Fluss sahen einfach wunderbar idyllisch aus), aber man kann eben nicht alles haben und auch so gab es genug zu sehen.

Über eine von zwei schmalen Holzbrücken ging es dann also über die Moldau in Richtung Burghügel – und auch aus dieser Perspektive war die Burg noch schön anzusehen. Besonders der Bauabschnitt, der aussieht wie ein Viadukt, hat uns fasziniert.

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Auf dem Weg ins Innere der Burg erwartete uns dann aber erstmal ein Schock, als wir tatsächlich am „Bärengraben“ vorbeikamen. Und der Name ist Programm! Die Bärenzucht hat auf der Burg wohl eine lange Tradition und wird bis heute dort in Ehren gehalten. Gesehen haben wir die Bären allerdings nicht: Ihnen war wohl auch zu kalt, weswegen sie sich im Inneren des Zwingers aufgehalten haben.

Danach ging es in das Innere der Burg, die eine relativ langgezogene Form hat. Wir liefen sie also einmal von Ost nach West ab und dann wieder zurück. Das bedeutet aber nicht, dass wir einfach nur geradeaus liefen, sondern immer wieder in kleine Gässchen, Ecken oder Höfe hineinsahen. Auch das Burginnere ist nämlich architektonisch durchaus sehenswert.

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Noch spektakulärer waren aber die vielen kleinen Aussichtspunkte, wovon wir einen wunderbaren Ausblick auf das Städtchen in seiner ganzen Pracht hatten. An dieser Stelle können wir gerade Mal unser Lieblingsbild von drei verschiedenen davon posten.

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Hierbei macht sich bezahlt, dass Krumau wirklich überschaubar groß ist. Wir hatten quasi immer die gleiche Szenerie im Blick, aber immer aus anderen Perspektiven und Winkeln, und mit anderen Lichtverhältnissen. Wir hätten jedenfalls stundelange dort oben stehen bleiben und Fotos schießen können, wenn es – ihr ahnt es – nicht doch etwas zu kalt dafür gewesen wäre.

Danach stiegen wir wieder hinab und wärmten uns in einem der unzähligen Cafès in der Innenstadt auf, bevor wir mit dem Bus wieder zurück nach Prag fuhren.

Insgesamt waren wir also etwa drei Stunden in Krumau, was unserer Meinung auch reicht, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu sehen und die Atmosphäre des Ortes aufzusaugen.

Auf dem Rückweg durch die eingangs beschiriebene Landschaft hatte dieser Tag dann doch tatsächlich noch ein weiteres Highlight zu bieten: ein wunderschöner rotgoldener Sonnenuntergang über den tschechischen Wäldern. Der Trip hat sich also definitiv gelohnt und wir können ihn nur jedem Prag- oder Tschechien-Urlauber empfehlen.

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