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Melbourne – die lebenswerteste Stadt der Welt?

Australien ist kein gewöhnliches Land und auch Melbourne ist keine gewöhnliche Stadt, das war uns schnell klar – aber gleich die lebenswerteste der ganzen Welt? Da waren wir doch erst ein bisschen skeptisch. Also haben wir versucht, der Stadt in unserer knappen Woche hier ein wenig auf den Zahn zu fühlen und dabei sowohl einen Blick durch die touristische als auch die einheimische Brille zu werfen. Um dem Fazit vorzugreifen: Durch die eine gab es deutlich mehr zu sehen als durch die andere.

Normalerweise schreiben wir an dieser Stelle über Sehenswürdigkeiten, über schöne Gebäude, historische Hinterlassenschaften und atemberaubende Kunstwerke. Nur, Melbourne hat (fast) nichts davon. Der eindrucksvollste „Wolkenkratzer“ der Stadt ist gerade einmal 220 Meter hoch (und damit der höchste in ganz Südaustralien). Das laut unserem Airbnb-Host schönste Gebäude ist der Bahnhof – auch der macht nicht unbedingt viel mehr her als ein x-beliebiger Bahnhof in einer alten europäischen Großstadt. Man merkt einfach an jeder Ecke, dass Melbourne jünger als 200 Jahre alt ist – was für ein Kontrast zu Prag, unserem letzten Reiseziel.

Das ist es also schon mal nicht, was Melbourne zu einem so beliebten Reiseziel macht. Aber was dann? Wir würden es ein Lebensgefühl nennen. Einen Vibe. Die gesamte Stadt schien uns unter einer Glocke zu liegen, die eine entspannte Lebenseinstellung unter sich einschließt. Stress und Ärger erschienen uns ganz weit fern. Und das nicht nur, weil wir traumhaftes Wetter hatten und Touristen sowieso gute Laune haben. Die ganze Infrastruktur und Bauweise der Stadt zielt darauf ab, es den Bewohnern (und Besuchern) möglichst einfach zu machen, mit einem Lächeln auf den Lippen durch den Tag zu kommen.

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Die Innenstadt selbst erinnert an bekannte Großstädte mit Einkaufsstraßen, Restaurants und Parks. Alles ein wenig weitläufiger, als man es aus Europa gewohnt ist. Die Wohnviertel, die die Innenstadt einrahmen, erinnerten uns an amerikanische Großstädte. Sie bestehen meist aus einem „Zentrum“, in dem sich Geschäfte aller Art tummeln, und ansonsten aus Wohngebieten voller einstöckiger Einfamilienhäuser, in deren Straßen eigentlich nichts los ist. Ohne ein Auto oder die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel kommt man hier kaum zum nächsten Supermarkt. Mit lebendigen Städten, die wir aus Europa kennen, hat das nicht viel zu tun, es hat aber eben auch einige Vorteile: Schmutz, Lärm und Platzmangel sind jedenfalls Probleme, die in den Wohnbezirken Melbournes kaum ein Problem sind.

Das Sichtfeld in der Innenstadt und in den Wohnvierteln wird dabei von der Farbe Grün dominiert. So viele Parks, Alleen und Grünflächen haben wir bisher in keiner anderen Großstadt gesehen.

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Melbourne kann sich das schlicht leisten: Im Vergleich mit der durchschnittlichen europäischen Millionenstadt hat Melbourne zum einen das Geld, aber viel wichtiger noch: den Platz, um so weitläufig und schön zu bauen. Melbourne (4,72 Mio) hat etwas mehr Einwohner als Berlin (3,6 Mio), das Stadtgebiet ist aber über zehnmal größer! Daher sind die Wege, die wir zu Fuß oder mit dem Bus zurücklegen mussten, auch ganz schön lang, aber es entzerrt eben auch ganze Stadtviertel und schafft Raum für Parks und Wiesen. 70% des CBD, des „Central Business District“, werden von Grünflächen eingenommen. Man denke an dieser Stelle nur mal an die Innenstädte von New York oder London…

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Weniger grün, aber nichtsdestotrotz wunderschön ist der Stadtstrand von Melbourne, zum Beispiel in St. Kilda. Der Sand ist wunderbar hell und am Horizont kann man eine nicht besonders hohe, aber trotzdem beeindruckende Skyline erkennen. Hier hat man seine Ruhe und kann sich von der Seeluft den Geist freipusten lassen – wer schon einmal in Barcelona am Stadtstrand war, weiß, dass das nicht selbstverständlich ist. Und es gibt Pinguine. Kein Witz, in Melbourne lebt tatsächlich eine Zwergpinguin-Kolonie. Die traut sich aber leider nur in der Dämmerung heraus. Muss ich noch mehr dazu sagen, warum Melbourne so sympathisch daherkommt?

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Abseits der schönen Stadtgestaltung hat Melbourne auch kulturell einiges zu bieten (ich nenne das mal die „weichen“ Faktoren). Wer an den richtigen Ecken sucht, wie unser Free-Walking-Tour-Guide, der stößt schnell auf Street-Art. Hier zeigt sich Melbourne von seiner hippen und modernen Seite. Kunstwerke wie dieses sind einfach wunderschön!

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Andere, wie dieser meditierende Stormtrooper in China-Town, wirken eher skurril.

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Um den ACDC-Platz gibt es sogar einen Straßenzug, der ganz legal allen Graffiti-Künstlern offensteht. In den Gässchen darum verstecken sich unzählige kleine Bars, Restaurants und Cafès. Überhaupt quillt die Stadt geradezu über vor Restaurants wirklich jeder Nationalität; Melbourne ist nämlich ziemlich multikulturell und dementsprechend viel gibt es zu entdecken. Wer ausreichend gut zu Fuß ist, kann in Melbourne jedenfalls nach Herzenslust und Laune herumschlendern.

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Parks, die das Auge erfreuen, Stadtstrände, viel Platz und ein reichhaltiges kulturelles Angebot hören sich lebenswert an? Wer die Einwohner der Stadt sieht, kann das sofort glauben. Die meisten wirken tatsächlich ungefähr so relaxed, wie man sich das so vorstellt, und eigentlich fast alle sind uns freundlich und nett begegnet. Jedenfalls freundlicher als wir das aus good-old-grumpy-Germany gewohnt sind… aber hier scheint eben auch fast immer die Sonne, da fällt einem das leichter.

Was ist also unser Fazit zur Frage nach der lebenswertesten Stadt der Welt? Man sollte natürlich immer vorsichtig mit solchen Aussagen sein – wir haben ja schließlich (noch) nicht die ganze Welt gesehen – aber diese Aussage hat für uns auf jeden Fall Hand und Fuß. Das Wetter, die Parks und einfach diese entspannte Stimmung, die in der Stadt herrscht, haben uns umgehauen. Es fiel uns jedenfalls sehr leicht, uns ein glückliches Leben in Melbourne vorzustellen – und was will man als Stadt mehr?

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