Kolumbien, Reisen, Weltreise

Villa de Leisure

Nach unserem Aufenthalt in der Tatacoa-Wüste ging es für uns wieder in die Berge, dieses Mal aber nicht mit dem Bus sondern mit dem Flugzeug. Unser Ziel, der malerische Ferienort Villa de Leyva, liegt auf etwa 2100 Meter Höhe; 400 Meter niedriger als Bogotà also, aber doch so, dass sich die Höhenluft wieder bemerkbar macht.

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Das Städtchen an sich war wunderschön. Schon auf den ersten Metern merkten wir, dass dieser Ort sich vom abgelegenen Neiva unterschied wie Tag und Nacht. Villa de Leyva war nämlich schon zu Zeiten der spanischen Vizekönige ein beliebtes Ferienziel und das hat sich bis zum heutigen Tage auch gehalten. Das 10.000-Einwohner-Städtchen sprüht nur so über vor kolonialem Flair.

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Kleine Häuschen mit Ziegelsteindächern und enge Gassen dominierten das Stadtbild. Häuser mit mehreren Stockwerken sucht man vergeblich. Die Stadt wurde nämlich bereits 1954 zum nationalen Denkmal erklärt und dementsprechend wenig moderne Architektur gibt es dort. Auffallend waren noch die vielen bunten Balkone, die wirklich sehr nett waren.

Ein Highlight hatte es in Form des Plaza Mayor zu bieten, der tatsächlich einer der größten kolonialen Plätze in Südamerika ist.

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Man beachte bitte das riesige Kopfsteinpflaster! Es ist ebenso historisch wie unpraktisch und sorgte dafür, dass wir beim Laufen öfter auf unsere Füße und seltener auf die schnuckeligen Gebäude schauen konnten.

Ansonsten war alles ziemlich touristisch: Läden, Restaurants, kleine Museen. Aber den vielen einheimischen Touristen (und uns auch…) schien es zu gefallen.

Schöne Aussichten hatte dafür das Umland zu bieten; von Villa de Leyva aus gibt es eine unglaubliche Vielfalt an kleineren Ausflusgzielen, die man nach Belieben zu Tagesausflügen kombinieren kann. Zwei davon haben wir uns angeschaut – das Terrakotta-Haus und einen der umliegenden Berge.

Das Terrakotta-Haus war gerade einmal zwanzig Minuten zu Fuß vom Stadtkern entfernt. Spannend war auch die Hintergrundgeschichte, die wir uns nach einem kurzen spanischen Vortrag von einer Dame am Eingang zusammengereimt haben. Der Architekt Octavio Mendoza hat 15 Jahre daran gebaut und das ganze Haus ist tatsächlich aus Ton gebrannt.

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Von außen sah es schon ziemlich witzig aus, mit all den Balkonen, Schnörkeln und Türmchen, irgendwie so, als passten die Proportionen nicht richtig zusammen. Innen war es noch seltsamer: Von der Decke im „Wohnzimmer“ hing eine riesige Stahlspinne, auch sonst war alles voller absonderlicher Tierfiguren und Monster. Im Garten lagen geköpfte Tonfiguren herum. Warum? Wir haben keine Ahnung! Uns erinnerte das Haus ein bisschen an das Hexenhäuschen aus Hänsel und Gretel, nur (leider) ohne die Lebkuchen.

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Das Haus ist übrigens theoretisch komplett bewohnbar. Oben im ersten Stock steht ein großes Bett, es gibt überall Sitzgelegenheiten, eine Küche und sogar Dusche und Toilette. Das coolste war dann noch eine kleine Privatbibliothek mit einigen Bücherregalen, auf denen auch internationale und deutsche Titel zu finden waren.

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Von den Dachterrassen aus hatten wir dafür sogar eine ganz nette Aussicht über das Umland.

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Ein seltsamer Ort, ohne Zweifel, aber den Eintritt und den kleinen Spaziergang dahin war es definitiv wert.

An unserem zweiten Tag wollten wir eigentlich auf den El Santo wandern, einen nahen Berg, von dem man aus eine schöne Aussicht über den ganzen Talkessel haben sollte. Auf dem Weg dorthin trafen wir jedoch einen netten älteren Amerikaner, der uns kurzerhand überzeugte, einen anderen, weniger bekannten Wanderweg auszuprobieren. Wir folgten seinem Tipp und haben es keine Sekunde bereut. Wo der Weg auf den El Santo steil und schroff sein sollte, führte dieser wunderbar idyllisch durch ein Wäldchen.

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Der Weg war ziemlich uneben, was unsere Blicke häufig am Boden festklebte und das Wandern recht anstrengend machte, aber wir waren ja noch fit. Das änderte sich jedoch bald. Der alte Amerikaner hatte eigentlich von einer halben Stunde bis zu einem Bergkamm mit Aussicht gesprochen, die hatten wir aber auch nach über einer Stunde noch nicht zu Gesicht bekommen. Dafür gab es wunderschöne Schmetterlinge, rauschende Gebirgsbäche und auf halbem Weg schon einen netten Blick über Villa de Leyva.

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Danach verließen wir den Wald wieder und wanderten eine Weile durch offenes Gebiet, immer an der Seite einer riesigen Kalksteinwand. Ab da an gab es leider keinen Panorama-Blick mehr, aber dafür viele kleinere und dennoch schöne Dinge zu sehen. An dieser Stelle muss ich die Schmetterlinge noch mal erwähnen: Wir sahen große und kleine, bunte und schwarzweißen, schnelle und behäbige, aber all das in einer Vielfalt, die wir so noch nicht gekannt haben. Kolumbien ist wirklich ein Paradies für Vogel- und Tierbeobachter! Ein Vogel mit schwarz-gelbem Gefieder hat uns sogar so gut gefallen, dass ich ihn zu Hause tatsächlich im Internet nachgeschaut habe: Es war ein sogenannter Schwefeltyrann. Cooler Name für einen coolen Vogel, finde ich.

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Nachdem wir den Schwefeltyrannen gesehen hatten, liefen wir aber bald wieder nach unten. Erstens tauchten vor uns ein paar Bauernhöfe mit ziemlich laut kläffenden Hunden auf, zweitens fing es an zu tröpfeln. Und da der Weg doch ziemlich uneben war, machten wir uns zufrieden auf den Rückweg.

Insgesamt hatten wir das Gefühl, unsere Zeit in Villa de Leyva optimal genutzt zu haben. Das lag zum einen an den beiden kleinen Ausflügen, aber auch an unserem Hostel, in dem wir schliefen. Unser Zimmer hatte nämlich einen Balkon mit Aussicht und war generell sehr gemütlich.

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So wurde Villa de Leyva zur perfekten Zwischenstation, bei der wir uns von unserem anstrengenden Wüstentrip erholen und Kraft für die Weiterreise nach San Gil und Medellin tanken konnten.

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