Kanada, Reisen, Weltreise

Oh, Kanada!

Knapp eine Woche ist es jetzt schon wieder her, dass wir Kolumbien verlassen haben und in Kanada aufgeschlagen sind – eine ereignisreiche Woche. Wir wohnen hier im Städtchen Coquitlam, das fließend in Vancouver übergeht, bei Irmhild und Walter, Suzies Großtante und -onkel. Deren erwachsene Kinder Bernd, Dieter und Heike leben alle ebenfalls noch in Coquitlam und Vancouver, sodass im Haus eigentlich immer etwas los ist.

Kanada war in einer Hinsicht genau das Gegenteil von Kolumbien, nämlich dahingehend, dass es uns nicht wirklich überrascht hat. Es gab auf unserer Weltreise immer wieder Länder und Regionen, die so ganz anders waren, als wir uns das vorgestellt hatten – namentlich vor allem Kalifornien, Hawaii, Taiwan oder Kolumbien. Von anderen, wie Prag, Irland oder Australien, hatten wir im Vorhinein eine etwas genauere Vorstellung gehabt und zu diesen zählte auch Kanada.

Kanada ist einfach so…unglaublich kanadisch. Zumindest landschaftstechnisch. Berge, Seen, endlose Kiefernwälder – es sieht alles so aus, als hätte ein Zauberer einen Reiseprospekt zum Leben erweckt. Am zweiten Tag nach unserer Ankunft sah Suzie aus dem Auto zwei junge Schwarzbären über die Straße rennen. Etwas Besonderes? Aber nein. Mit so etwas muss man schon rechnen, erklärten uns Walter und Irmhild. Gestern hat Heike ein Foto von einem kleinen Bären in ihrem Garten geschickt. Gefährlich sind die Bärenbegegnungen meist nicht – man muss nur ruhig bleiben, nicht wegrennen und nicht gerade sein Butterbrot auspacken – aber wir bekommen trotzdem immer ordentlich Muffensausen, wenn in den Parks etwas im Gebüsch raschelt. Manche Wanderer, die wir in den Wäldern treffen, trugen kleine Glocken um die Hüfte, um die Bären vorzuwarnen. Ärgerlicher sind da die Kojoten, die in die Siedlungen kommen: Sie fressen schon mal eine Hauskatze.

Kanada eben…

Die Natur in Vancouver ist so unglaublich vielseitig. Im Sommer kann man in Parks oder an den unzähligen Bergseen wandern gehen oder mit dem Boot herumfahren. Im Winter das gleiche. Die Temperaturen sind auch im Dezember noch verhältnismäßig mild, sodass man beispielsweise ganzjährig in den Meeresarmen Kayak fahren kann. Auf den Spitzen der im Winter schneebedeckten Berge kann man dann Ski- oder Snowboard fahren oder mit Schneeschuhen wandern.

Müssten wir die Gegend um Vancouver mit einem Wort beschreiben, wäre es: „blau“. Schaut euch mal unseren Instagram-Account an: Die Bilder sehen alle aus, als hätten wir denselben Blaufilter drübergelegt! Die Landschaft wirkt wie mit Wasserfarben auf Leinwand gemalt, in allen Blau- und Grüntönen, die man sich vorstellen kann. Die Berge sind über und über mit Kiefernwälder in einem dunklen Grün bedeckt und verschmelzen in der Ferne zu einer einzigen blauen Welle. Heraus stechen die schneeweißen Spitzen, die im Sommer nur die höchsten der Berge bedecken. Die West Coast Mountain Range zieht sich von Alaska im Norden bis an die amerikanische Grenzen und sorgt für das – im Gegensatz zur kanadischen Ebene – milde Klima. Dazwischen verstecken sich Seen und dutzende Wasserarme. Nach Kolumbien kommt mit Kanada gleich noch ein Naturhighlight unserer Reise.

Und was machen wir hier so? Die Gegend genießen. Die Wochenenden sind für längere Outdoor-Aktivitäten mit Bernd reserviert, unter der Woche nehmen uns Bernd, Irmhild und Walter mit zu den zahlreichen kleinen Aussichtspunkten und Parks der Umgebung. Und es gibt so viele davon! „Hier ist übrigens auch noch ein schöner Wanderweg“, muss der häufigste Satz sein, den wir in Kanada zu hören bekommen haben. Das Paradies für jeden Naturfreund.

Gleich am allerersten Abend fuhren wir mit Bernd zu gleich drei verschiedenen Hotspots. Erst zum Cypress Bowl Viewpoint, von dem aus wir gleich den perfekten Überblick über ganz Vancouver hatten.

Dann nach Deep Cove, einem kleinen Dörfchen am „Indian Arm“, das in der Dämmerung schon ziemlich atmosphärisch war.

Und dann zum Ambleside Beach, wo wir die Sicht auf Vancouver und Steinfiguren bewunderten, die auf indianische Traditionen zurückgehen. (Suzie konnte natürlich nicht widerstehen und hat gleich selbst eine Figur gebaut – wir finden, sie sieht aus wie ein Mexikaner mit Sombrero…). Die indianische Kultur ist hier übrigens noch ziemlich sichtbar, es gibt einige Reservate in der Gegend und ab und an sieht man auch Totem-Pfähle.

Ansonsten gab es noch abendliche Ausflüge zum Belcarra Park und zum Burnaby Mountain. Am Belcarra Park führt ein kleiner Steg aufs Wasser (das sind übrigens alles Meeresarme, keine Seen, wie man denken könnte), wo die Leute zum Krabbenfischen hingehen können.

Unser Highlight waren aber zwei Seeadler, die immer wieder von ihrem Nest in den Bäumen über das Wasser zogen und sich mit wahnsinnigem Tempo wie ein Pfeil auf die Fische stürzten. Neben Bären und Kojoten gibt es hier nämlich auch alle Arten von Raub- und Greifvögeln, die ziemlich majestätisch durch die Lüfte gleiten. Was Wildlife angeht, ist Vancouver bisher definitiv auf Australien-Niveau.

Vom Burnaby Mountain, ein Hügel zwischen Vancouver und Coquitlam, hatten wir dann – Überraschung – einen tollen Blick auf die Stadt, das Meer und die umliegenden Berge. Beeindruckender war in diesem speziellen Fall dann der wunderschöne Rosengarten und die indianischen Totems, die die Gemeindepartnerschaft zu einer japanischen Stadt feiern sollen.

Und das waren nur die kleineren, abendlichen Ausflüge.

Am Wochenende standen, wie schon geschrieben, die Outdoor-Aktivitäten an. Am Sonntag liefen wir mit Bernd den „Diaz Vistas Trail“ (spanisch für: Zehn Aussichten) um den Buntzen Lake. Ein knackiger Weg auf einen Berg, der sich zwischen dem See und dem Indian Arm durch die Landschaft zieht. Und die Aussichten waren auch wirklich schön, wenngleich von den zehn Aussichtspunkten mindestens sechs von Bäumen verdeckt waren.

Der Weg war dafür schön lang und vielleicht ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird. Der Schrittzähler auf Suzies iPhone zeigte die fünftmeisten Schritte aller Tage unserer Weltreise bisher…


Am Ende des Weges konnten wir dann noch ein paar Beeren – Salmonberries und Huckleberries – naschen, die überall am Wegrand wuchsen.

Am Montag (Bernd hatte frei, zählt daher als Wochenende) gingen wir zurück nach Deep Cove, allerdings wagten wir uns dieses Mal aufs Wasser – Kayak fahren. Es war der Hammer! Anstrengend natürlich, aber das Gefühl zwischen schneebedeckten Bergen und endlosen Wäldern übers Wasser zu gleiten, während über einem Adler durch die Luft fliegen, entschädigt einen eigentlich für so ziemlich alles. Und zum Schluss sah ich dann sogar eine Robbe neben meinem Boot auftauchen (Suzie übrigens nicht – sie ist tieftraurig…).


Ach ja, und noch etwas – wie traumhaft sind eigentlich diese Häuschen direkt am Wasser? Wir haben selten einen so großen Drang verspürt, doch noch Immobilienbesitzer zu werden.

An zwei Tagen wagten wir uns dann tagsüber auch mal in die Stadt und erkundeten Vancouver. Die Stadt an sich ist nichts Besonderes, aber auch hier ist die Natur allgegenwärtig. Egal wie weit wir gelaufen sind, wir waren nach zehn Minuten immer am Wasser. Am Horizont ragen die Berge immer noch ein Stück höher auf als die gläsernen Wolkenkratzer, die fast blau waren, so klar spiegelte sich das Wasser darin. Vancouver ist keine außergewöhnlich schöne Stadt, aber eine Stadt mit außergewöhnlich schöner Lage.

Gut gefallen hat uns der Stanley Park in Vancouver, um den herum die zehn Kilometer lange Seawall führt: ein Rad-, Inliner- und Fußgängerweg, von dem aus man einen wunderbaren 360-Grad-Blick auf das Umland hat. Wir fuhren ihn mit dem Tandem entlang (wieder ein neues Verkehrsmittel auf unserer Reise) und waren einfach nur begeistert. So wacklig, wie wir gefahren sind, müssen wir unglaublich dämlich ausgesehen haben, aber es war egal, weil sowieso jeder nur Augen für das Panorama hatte. Es hat alles seine Vorteile…

Ihr seht, wir unternehmen hier ziemlich viel. Und falls wir einmal nichts unternehmen, gibt es immer noch die Fußball-WM zu (für mich als Frühaufsteher) ziemlich freundlichen Anstoßzeiten, nämlich 7:00 und 11:00 Uhr morgens. Und falls einmal kein Fußball läuft, können wir uns einfach auf die Terrasse setzen – das ist die Aussicht.

Ich würde sagen, so kann es weitergehen… ?

 

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