Kanada, Reisen, Weltreise

Von Gondeln und Gipfeln

Unsere (Wander-)Abenteuer in Kanada sind in der letzten Woche nahtlos weitergegangen. Und zwar am Freitag gleich mit einer, sagen wir, speziellen Wanderung, die unseren Zustand der letzten Tage geprägt hat – nämlich dem „Grouse Grind“. Die Eckdaten: 2,5 Kilometer, ca. 800 Höhenmeter. Es geht quasi eine Stunde nur bergauf und das ziemlich steil. Bei den Einwohnern Vancouvers ist er ziemlich beliebt, auch weil es eine Zeitmessung gibt und er somit als Trainingsprogramm ziemlich gut geeignet ist. Vor allem ich war ziemlich motiviert, Suzan ließ sich mit dem Ausblick auf eine gute Sicht über Vancouver und die umliegenden Berge überreden.

Der Weg war dann so fies wie erwartet – eine endlose, natürliche Treppe den Berg hinauf. Affensteigung. Er war in vier Abschnitte unterteilt, was wir ziemlich hilfreich fanden, da man so zumindest grob wusste, wie lange man noch zu leiden hatte. Als wir den „Grouse Grind“ hinaufliefen war es ziemlich neblig, so dass der Wald eigentlich ziemlich cool aussah (ein bisschen mysteriös und verwunschen), aber leider hatten wir nicht die Puste, um uns vernünftig umzusehen. Zu den schnellsten Bergsteigern gehörten wir übrigens bei Weitem nicht. Ab und an joggten sogar Leute an uns vorbei…

Als wir endlich oben angekommen waren, brannten unsere Beine schon ganz ordentlich. Und was sagte die Uhr? 1:02 h. Die magische Grenze hatte ich also knapp verpasst, aber das war mir egal. Suzie kam übrigens, nur fürs Protokoll, bei 1:09 h oben an. Das Schild am Beginn des Pfades wies 1.5 – 2h als durchschnittliche Wanderzeit aus, also konnten wir damit ziemlich zufrieden sein.

Oben wartete leider nicht die ersehnte Aussicht auf uns. Es war so nebelig, dass man kaum mehr als zehn Meter weit sehen konnte und auch recht kalt; teilweise lag noch Schnee. Zum Glück hatten wir Jacken und Wechselkleidung dabei – so konnten wir auf dem Gipfel noch einen geretteten Bären bewundern, der dort in einem Reservat lebt.

Ein Schock war dann übrigens noch das Leaderbord oben in der Bergstation. Ein Wanderer hatte den Grouse Grind an diesem Tag schon vier Mal hintereinander gemacht, jedes Mal in knapp unter einer Stunde. Die Menschen sind schon wahnsinnig. Und dann die All-Time-Leader: 23 Minuten ist der Rekord, aber das war nicht das Krasseste in meinen Augen. Der Rekord für unter-12-Jährige (!) war 30 Minuten! Ist das jetzt krass oder ein Fall fürs Jugendamt? Der Rekord für 70-79 jährige Frauen lag bei 45 Minuten. Wahnsinn.

Auf dem Rückweg mit der Gondel konnten wir dann sogar noch einen Blick auf die Umgebung erhaschen.

Danach ließen wir es wieder (etwas) ruhiger angehen. Am Samstag unternahmen wir mit Bernd eine kleine, aber feine Wanderung zu einem Strand am Indian Arm. Davor ging es sanft auf und ab durch einen wunderbar moosgrünen Wald – für uns Grouse-Grind-geschädigte war es trotzdem anstrengend. Aber diese Farben! Das sonst so blaue Kanada zeigte sich hier von seiner grünen, bunten Seite.

Am Sonntag wollten wir eine solch kleinere Wanderung eigentlich wiederholen, im Endeffekt wurde es aber doch wieder etwas anstrengender. Erst wanderten wir durch das Lynn Valley, was zwar sehr gut besucht, aber dennoch eine schöne Wanderung mit Pause am glasklaren Fluss war.

Danach fuhren wir mit dem Auto auf den Mount Seymour, von dem wir wieder mal eine tolle Aussicht auf Vancouver und Umgebung hatten.

Leider gab es dort auch ziemlich viele Fliegen, sodass wir dort nicht noch herumliefen, sondern wieder zu einem unserer Lieblingsplätze fuhren – Deep Cove, wo wir schon Kayak gefahren sind. Dort stiegen wir auf den „Quarry Rock“, einen Felsen, von dem aus man noch mal in die Bucht hineinschauen konnte. Leider war der Weg dahin durch den Wald deutlich, deutlich länger, als wir gedacht hatten und so wurde es hintenraus dann ziemlich anstrengend. Aber was macht man nicht alles, wenn man mit solchen Aussichten entschädigt wird…

Ist das nicht fantastisch, wie unendlich viele kleine Erlebnisse man hier in Kanada an einem Tag haben kann? Es war nicht ein herausragender Tag, sondern die Summe der Teile, die Vancouver und Umgebung so unvergesslich für uns gemacht haben.

Unser letzter großer Ausflug führte uns dann nach Squamish, eine gute Stunde nördlich von Vancouver. Das erste Highlight war schon die Fahrt dorthin: Die Straße führte immer am Meeresarm – dem Howe Sound – entlang, dahinter ragten die unverwechselbaren kanadischen Berge in die Höhe. Uns erinnerte das Ganze ein bisschen an die Great Ocean Road in Australien. Wo hat man sonst schon mal so eine Aussicht, wenn man kurz auf einen Parkplatz fährt?

Von der Bergstation aus hatten wir dann die Auswahl zwischen drei mittellangen und unzähligen kleineren Wander- und Spazierwegen. Im Endeffekt machten wir alle drei, drehten aber erst einmal noch eine Runde über die obligatorische Hängebrücke.

Zuerst ging es dann auf den Panorama-Trail. Wirklich anstrengend war er nicht, gerade einmal 2 Kilometer lang, dafür hatte er gleich eine ganze Handvoll schöner Aussichtspunkte. Und was für eine Aussicht! Der Meeresarm schimmerte fast schon grün, ringsherum sahen wir von Wäldern bedeckte Berghänge, am Horizont waren sogar ein paar schneebedeckte Gipfel zu sehen. Wunderbar!

Der zweite Trail war ein bisschen unspektakulärer und führte uns für eine knappe Stunde auf einem gut ausgebauten Weg durch den Wald. Der Vorteil war dafür die himmlische Ruhe und die Gewissheit, ganz allein zu sein – um die Bergstation herum war dann doch ziemlich viel los, es war nämlich ein Feiertag und traumhaftes Wetter.

Der dritte Trail war dann nochmal ein bisschen anstrengender, der Blick vom höchsten Punkt dafür aber auch wieder toll – Aussichten gibt’s eben nur oben. So konnten wir nochmal diese wundervolle Landschaft und die Aussichtspunkte vom Panorama-Trail sehen. Und dann gab es ja noch die Rückfahrt in der Gondel…

Damit neigt sich unsere Zeit in Kanada auch schon wieder dem Ende zu. Wir haben es sehr genossen hier, unfassbar viel gesehen und uns von der wunderbaren Natur verzaubern lassen. Danke nochmal an Irmhild, Walter, Bernd und Dieter, dass ihr uns so herzlich aufgenommen und uns die ganze Gegend gezeigt habt! Vancouver ist auf jeden Fall einer der Orte, an den wir irgendwann noch einmal zurückkehren wollen…

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