Deutschland, Reisen

Bavarian Must-See-s

Das Schöne an einer Van-Tour ist, dass man am Anfang und am Ende gezwungen wird, auf dem Weg in die Ferne noch einmal ein paar Tage in der altbekannten Heimat zu verbringen – und diese im Van noch einmal ganz anders kennenzulernen. So hieß das erste Land, das wir in diesem Sommer erkundeten, Deutschland; oder besser gesagt Bayern. Geplant war eine Mini-Seen-Tour zu dreien der schönsten Seen im Voralpenland: Chiemsee, Hintersee und Königssee. Ein vierter See kam noch dazu, aber der wird jetzt noch nicht verraten. Es war jedenfalls wirklich schön zu sehen, wie die Seen immer unzugänglicher und wilder wurden, die Berge immer höher, die Dörfer kleiner, und die Felswände schroffer.

Aber der Reihe nach. Unser erster Stopp war ja Augsburg: In der Fuggerstadt stromerten wir einen Vormittag lang umher und ließen uns von den schönen Gebäuden, den kleinen Brücken und den verwinkelten Gässchen verzaubern. 

Von Augsburg zogen wir weiter zum ersten See auf unserer Route, dem Chiemsee. Der Chiemsee hatte zunächst einmal einen großen Vorteil, nämlich, dass er leicht zugängliche Badestrände hatte. Dort kühlten wir uns erst einmal ab, da es auch in Bayern weit über dreißig Grad hatte. Besonders machten diesen See vor allem die am Horizont aufragenden Alpen, gewissermaßen ein Versprechen auf das, was noch kommen sollte.

Der Hintersee verdiente sich hingegen schon das Prädikat „Bergsee“. Das merkte man vor allem, wenn man auch nur den kleinen Zeh hineinstreckte – das Wasser war eiskalt. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen nahmen wir ein kurzes Bad im See, um uns abzukühlen, was eher so aussah, dass wir für zehn Sekunden hineinrannten und ebenso schnell wieder hinaus hasteten, ehe die Fußzehen höllisch schmerzten. Baden im Hintersee hatte etwas von Kneip-Bädern. Erfrischend war es aber auf jeden Fall.

Ansonsten verbrachten wir die Zeit am Hintersee mit einigen ausgedehnten Spaziergängen um den See, der – völlig zurecht – gleich eine ganze Reihe Landschaftsmaler der deutschen Romantik inspiriert hat, wie deren um den See herum ausgestellte Bilder bewiesen.

Am zweiten Tag wagten wir uns dann an unsere erste kleine Alpenwanderung: knapp 400 Höhenmeter auf die Halsalm. Die waren bei den heißen Temperaturen nicht ohne, auf der Alm entschädigten sie uns aber durch ein so typisches Alpenpanorama: schroffe Berghänge, Kühe, grüne Wiesen und wunderschöne Wildblumen.

Das Highlight unserer Seentour war aber der Königssee. Diesen erkundeten wir per Boot: Für zwanzig Euro kann man dort ein Ticket kaufen, mit dem man nach Belieben mehrere Stopps um den See herum anfahren kann. Um den See herumzulaufen ist nicht möglich, die Felshänge sind zu steil.

Die Fahrt über den See war dabei schon das erste Erlebnis. Der Königssee gilt als sauberster See Deutschlands, deswegen dürfen dort seit 1909 (!) nur Elektroboote fahren, die es auf gerade einmal 11 km/h bringen. So dümpelt man bis zur ersten Station, der Salet-Alm auf der anderen Seite des Sees, etwa 55 Minuten vor sich hin, was kein Problem ist, weil es genug zu sehen und zu hören gibt. Der Kapitän spielte etwa ein kurzes Stück auf der Trompete, das die umliegenden Berge mit einem witzigen Echo zurückwarfen.

Bei besagter Salet-Alm kann man noch zu dem bereits angekündigten vierten See, dem Obersee laufen, ihn anschließend zur Hälfte umrunden und dann noch ein Stück weiter zu Deutschlands höchstem Wasserfall laufen. Zu dieser Station möchte ich eigentlich nur die Bilder sprechen lassen. Es war nämlich absolut magisch, verzaubert, wunderschön – und weil wir morgens um 8:00 Uhr mit dem ersten Boot losgefahren waren, herrlich ruhig.

Die zweite Station am anderen Ufer des Königsees war etwas weniger spektakulär, aber dennoch sehenswert. Am coolsten war wahrscheinlich die Anfahrt auf das mittelalterliche Kloster St. Bartholomä – die beiden roten Zwiebeltürme geben, wenn sie an der richtigen Stelle vom Boot aus versetzt erscheinen, ein schönes Panorama vor der schroffen Ostwand des Watzmann. Der Watzmann ist, nebenbei bemerkt, der zweithöchste Berg Deutschlands – ein Beweis wie tief und versteckt der Königssee schon in den Alpen steckt.

Da es danach anfing zu regnen, verließen wir St. Bartholomä recht schnell wieder und fuhren im Regen zurück über den See, der sich jetzt noch einmal in einer ganz anderen Stimmung zeigte. Insgesamt hat uns die Tour super gut gefallen und wir können sie nur jedem weiterempfehlen. Wer Lust auf richtig hohe Berge und traumhafte Natur hat, der sollte den Königssee in Betracht ziehen. Er war der perfekte Abschluss für unsere bajuwarische Seen-Tour und definitiv ein Must-See für uns.

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