Österreich, Reisen

Eine Gletschergeschichte

Österreich war eigentlich die klassische Zwischenstation auf unserem Weg durch die Alpen nach Italien. In Erinnerung geblieben ist sie aber trotzdem und das lag vor allem an einer Alpenwanderung, die wir bei nahezu perfektem Wetter im Felbertauerntal gemacht haben. Nach der Wanderung zur Halsalm hatten wir Blut geleckt und uns dieses Mal eine Wanderung mit doppelt so vielen Höhenmetern ausgesucht. Start war direkt hinter dem Ausgang des Felbertauerntunnel auf etwa 1500 Höhenmeter, hinaufgehen sollte es bis zur Grünseehüte auf 2300 Meter. Viel geplant hatten wir im Voraus dabei nicht – umso überraschender war dann die Aussicht vom Gipfel. Aber dazu später mehr…

Der erste kurze Teil der Wanderung führte noch durch besagtes Tal an einem schnell fließenden Fluss entlang, dann über eine kleine Weide nach oben in den Wald. Die Route war dabei recht überschaubar – immer die Bergflanke hinauf, verirren ausgeschlossen. Es war von Anfang an steil und so machten wir schnell Höhenmeter gut, weswegen wir – sobald wir das kleine Wäldchen einmal hinter uns gelassen hatten – eigentlich konstant eine nette Aussicht auf den bereits zurückgelegten Wanderweg, die Berge und die umliegenden Alpentäler hatten. 

Das erste Highlight der Tour tauchte dann ganz plötzlich, mitten am Hang, hinter einer Bergflanke auf: der schneebedeckte Gipfel des Großvenedigers, der immerhin an der Mitgliedschaft im Club der 4000 kratzt. Darunter zog sich ein langer Gletscher. Das Wetter war perfekt, warm, aber bewölkt, der Gipfel des Großvenedigers lag aber auch immer wieder in der Sonne, sodass der Gipfel im Licht immer mal wieder anders aussah. Gletscher faszinieren uns beide immer wieder, seitdem wir in Island zum ersten Mal einen aus der Nähe gesehen haben. Diese Muster, die das Eis wirft. Und diese Farbe… wie geschmolzenes Glas. Wir waren jedenfalls begeistert.

Von diesem Punkt an kletterten wir immer weiter schnurgerade den Berg hinauf, bis wir zur ersten Zwischenstation gelangten. Vor uns lag eine Hütte, die wir ignorierten und sogar eine Straße, die direkt vom Felbertauerntunnel herführte und auf der uns einige andere Wanderer und Familien begegneten, die nur den zweiten Teil der Strecke laufen wollten. Denn der allein war die Reise wert: Wir überquerten die Straße und kletterten weiter über eine Kuhweide die Bergflanke hinauf, jetzt immer mit absolut wundervollen Panoramaansichten im Rücken. Wir blieben alle zehn Schritte stehen und sahen uns um. Genau so hatten wir uns die Alpen vorgestellt: schroff, hoch, mächtig, beeindruckend. Das war schon ein Unterschied zur eher beschaulichen Halsalm. Und im Hintergrund leuchtete uns immer noch die Eiswand des Großvenedigers entgegen.

Den Abschluss der Tour bildete der Grünsee. Er bot uns noch einmal die Gelegenheit, unsere schweißnassen Gesichter zu waschen und die wunderbare Idylle solcher Bergseen zu bewundern. Von diesem See aus floss ein relativ breiter Strom nach unten, brach sich auf den Felsen und schuf so ein ziemlich cooles Wasserpanorama. Die Grünseeberghütte nahm sich zwar auch duchaus fotogen aus, war aber nicht bewirtschaftet. Hier oben war das Gebiet viel felsiger, wilder und rauer als noch unten. Ein paar hundert Meter weiter oben lag sogar noch Schnee.

Von diesem Punkt aus hätten wir noch weiter hinaufklettern können, zum Schwarz- und schließlich zum Grausee, aber wir entschieden uns dagegen. Man will sein Glück (und Kondition) ja nicht über Gebühr beanspruchen. Also machten wir eine – wegen des ziemlich kalten Winds – kurze Pause und stiegen dann die Bergflanke wieder hinab, müde, aber beschwingt und beide mehr als begeistert von der Schönheit der Alpen. 

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