Griechenland, Reisen

Nordwest-Griechenland: Schluchten und schwebende Klöster

Unsere Fähre aus Italien hielt nach knapp sechzehn Stunden Überfahrt in Igoumenitsa. Dort blieben wir aber nur kurz und fuhren gleich weiter nach Nordwesten, ins Epirus-Gebirge im Nordwesten Griechenlands. Die Denke dahinter war eine einfach: Es sollte die kälteste Region Griechenlands sein. Im Endeffekt ging dieser Plan zur Hälfte auf: Tagsüber kletterte das Thermometer teilweise auf 37 Grad, dafür war es nachts angenehm kühl. In dieser Hinsicht konnten wir uns also nicht beschweren. Es bedeutete aber auch – wieder -, dass jegliche Aktivitäten morgens oder abends stattzufinden hatten und mittags wahlweise gefahren oder geschlafen wurde.

Auf dem Weg nach Norden fuhren wir als erstes nach Ioannina, einem doch recht großen Städtchen, das ziemlich malerisch am See gelegen war. Von Anfang an begeisterte uns dabei die griechische Natur: Berge soweit das Auge reicht, alles überraschend grün und dicht bewachsen, kaum Siedlungen. Mitunter sah das Ganze richtig schroff und abenteuerlich aus. Und sobald man sich von der Mautstraßen herunterbewegte, war quasi jede Strecke Abenteuer- und Panoramastraße in einem.

Unser erstes bewusst ausgewähltes Ziel war das Gebiet um die Vikos-Schlucht, der tiefsten Schlucht der Erde. Zunächst verbrachten wir aber zwei Tage ein Stück entfernt von dieser Attraktion, stellten unseren Van neben einem plätschernden Gebirgsfluss ab und stellten fest, dass das Quellwasser in Griechenland temperaturmäßig locker mit den Bergseen Bayerns mithalten kann – es war eiskalt.

Die Füße ins Wasser baumeln lassen ging trotzdem und der Ausblick auf die malerische Brücke über den Fluss – vor allem im traumhaften Sonnenuntergang – war den Schlafplatz allemal wert.

Direkt von dort aus konnten wir außerdem am nächsten Vormittag eine Wanderung machen, die uns gut vier Stunden lang über Stock und Stein am Fluss entlang zwischen den Bergen hindurchführte. Sie bot uns auf jeden Fall schon einmal einige schöne Anblicke: ein verfallenes Bergkloster, generell wunderbare Bergansichten und Wasser, das teilweise so grün und kristallklar war, dass es fast schon überirdisch schien.

Aber das war ja nur der Appetittanreger für das erste Highlight unserer Griechenlandreise – die Vikos-Schlucht. Es war bemerkenswert unspektakulär dorthin zu kommen, auch wenn wir unseren ersten schafsbedingten Stau erlebten.

Wir parkten den Van auf einem winzigen Parkplatz, liefen hundert Meter und standen dann mir nichts dir nichts auf einer kleinen Aussichtsplattform. Auch Griechenland ist wegen Corona unfassbar leer. Wir waren fast die einzigen Touristen, die dieses Spektakel betrachteten.

Und spektakulär war die Schlucht. Tief. Gewaltig. Irgendwie auch mystisch. Teilweise wallte dichter Nebel in einem der Seitenarme der Schlucht. Allein die Höhe machte einen schwindlig; die Wälder, die den Boden bedeckten, sahen aus wie ein grüner Flaum, nicht wie die Baumriesen, die sie waren. Als dann die Sonne unterging, war die Stimmung perfekt. Die Vikos-Schlucht ist wirklich ein Naturhighlight, das jede Reise wert ist.

Am nächsten Morgen fuhren wir weiter und zwar gleich zu einem Ort, der der Vikos-Schlucht in Sachen Magie und Erhabenheit in überhaupt nichts nachstand: den schwebenden Klöster von Meteora. Wie soll man die beschreiben? Vielleicht zuerst die Natur: Hinter uns lagen noch „richtige“ Berge, vor uns dagegen hohe Felsen, die vollkommen glatt und von dutzenden Höhlen durchlöchert sind wie ein Schweizer Käse. Dazwischen Wälder und das kleine Städtchen Kastrakis, in dem wir uns einen Camping-Platz nahmen.

Das wäre schon beeindruckend genug. Nun sind aber auf den Berggipfeln, teilweise auf winzigen Klippen und Steinnadeln, Klöster gebaut, insgesamt über zwanzig, sechs davon heute noch bewohnt. Schwebende Klöster heißen sie übrigens deshalb, weil es bei Nebel wohl tatsächlich so aussehen kann, als schwebten sie auf den Wolken über dem Boden – das konnten wir uns gut vorstellen.

Diese Klöster waren definitiv einer der beindruckendsten Anblicke nicht nur dieser sondern all unserer Reisen. Wie bitte baut man so etwas? Schon vom Tal aus sahen sie so dermaßen entrückt und gleichzeitig majestätisch aus, dass uns der Mund offen stand. Natürlich kann man diese Klöster auch besuchen und so nahmen wir einen kleinen Wanderweg, der uns geradewegs zum Kloster Megalo Meteoro führte. Von hier oben hatten wir noch einmal eine ganz andere Art von Aussicht, nämlich die von oben auf die anderen Klöster und die umliegenden Berge. Sagenhaft!

Im Kloster Megalo Meteoro selbst trieben wir uns nur ein bisschen im Vorhof herum, wo wir noch einmal bestaunten, wie findige Baumeister die Treppen und Gebäude in den Fels getrieben hatten. Menschenwerk und Natur waren hier vollkommen im Einklang. Einen besseren Ort für Meditation und Möchstum gibt es glaube ich nicht. Von Megalopolen Meteoro liefen wir einen kurzen Weg zum nächsten Kloster, Varlaam, das wir dieses Mal auch betraten. Das Innere war wunderschön, ganz ruhig und friedlich, voller Blumen und natürlich wieder mit besten Panoramaaussichten in alle Richtungen.

Drinnen gab es noch eine Ausstellung zu den schwebenden Klstern, einen orthodoxen Schrein und eine Live-Vorführung, wie heute noch Güter (und früher manchmal Personen) ins Kloster gelangen – per Seilzug und Käfig oder Sack.

Am Abend fuhren wir dann mit dem Van noch einmal zu diversen Aussichtspunkten, von denen wir die Klöster und die Berge im Abendlicht bestaunen konnten.

Etwas so schönes und gleichzeitig berührendes haben wir lange nicht mehr gesehen. Nordwestgriechenland ist jedenfalls definitiv eine Destination, die wir allen Reise- und Naturbegeisterten nur empfehlen können.

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