Griechenland, Reisen

Von Delphi nach Athen

Als wir in Griechenland ankamen, hat es fast eine Woche gedauert, bis wir zum ersten Mal am Strand waren. Mit der zweiten großen Attraktion des Landes haben wir uns ebenfalls ziemlich lange Zeit gelassen – und das sind die antiken Ruinen. Auf den Straßen des Landes sind sie auf Hinweis- und Autobahnschildern omnipräsent. In unserem Fall hat es fast einen Monat gedauert, bis wir zum ersten Mal welche wirklich aufmerksam besichtigt haben und das war in Delphi. 

Die Nacht verbrachten wir zunächst einmal im modernen Örtchen Delphi, das sich unserer Meinung nach vor seinem antiken Vetter gar nicht verstecken braucht: Durch den Ortskern zogen sich ein paar verwinkelte Treppen und die Aussicht auf die Berge und das Meer waren spektakulär.

Auch unser Stellplatz überzeugte mit einer atemberaubenden Aussicht, die bald dem funkelnden Sternenhimmel Platz machte.

Am nächsten Morgen parkten wir dann unkompliziert an der Straße direkt unter dem Ruinenfeld des antiken Delphi. Die Anlage zieht sich dabei recht malerisch einen Berg entlang, sodass man das Heiligtum zu Fuß erkunden kann und immer neue Gebäudereste und Ruinen erschließt. Denn das sind viele: Delphi war das religiöse Zentrum des antiken Griechenland und so ziemlich jeder siegreiche Feldherr stiftete nach seinem Triumph einen kleinen Schrein oder Tempel auf dem Gelände. Ruinen gibt es deswegen in Delphi in Hülle und Fülle.

Unten am Hang verteilten sich vor allem besagte kleinere Schreine. Etwa auf halbem Weg sahen wir dann den ehemaligen Haupttempel, den Tempel des Apollon und Sitz des bekannten Orakels. So richtig viel davon vorhanden war nicht mehr, aber wir konnten uns auf jeden Fall vorstellen, dass er früher wirklich beeindruckend ausgesehen haben musste.

Besser gefallen haben uns aber das antike Amphitheater und das Stadion, der höchste Punkt der Anlage, in dem früher Wettkämpfe und Wettrennen diverser Art ausgetragen wurden.

Deutlich zum Erlebnis beigetragen hat für uns die Natur: Die Orakelanlage schmiegt sich wunderschön in eine Bergflanke ein und gerade von oben hat man einen tollen Ausblick auf die umliegenden Berge. Sich vorzustellen, wie die Bittsteller früher an der Küste von ihren Booten stiegen, ein paar Kilometer ins Landesinnere zogen und dann vor dieser Kulisse ihre Orakelsprüche erhielten, das war schon spektakulär.

Komplettiert wurde das Erlebnis dann noch von einem überraschend coolen Museum, in dem wir uns einerseits Rekonstruktionen der alten Tempelgebäude ansehen konnten und zum anderen ziemlich coole Wandgemälde und Fresken mit Motiven aus der griechischen Götterwelt gezeigt wurden.

Unser Fazit (für Delphi im Speziellen und Ruinen im Allgemeinen): Für die sehr Interessierten und Archäologiebegeisterten der absolute Wahnsinn, für alle anderen ganz nett.

Von Delphi aus war es nur noch ein Katzensprung bis nach Athen, seit Volos die erste Stadt in Griechenland, die wir besichtigten. Und was soll man sagen? Von Städten sind wir ja selten restlos begeistert und Athen war da keine Ausnahme. Unser erster (und zweiter) Eindruck war, dass es eigentlich überall wahnsinnig voll und laut ist, aber vielleicht kam es nach drei Wochen im Bus auch nur so vor. In unseren Augen fehlte der Stadt so etwas wie eine verkehrsberuhigte, gemütliche Altstadt. Dafür konnte man kaum ein paar Schritte laufen, ohne über irgendwelche antiken Säulen oder Torbögen zu stolpern.

Ein paar coole Ecken hatte Athen aber auch zu bieten: ein Viertel voller Buchläden und süßer Geschäfte, das Viertel rund um den Bahnhof, wo auf einen Quadratkilometer gefühlt hundert Restaurants kommen, und ein paar Parks, von denen aus man einen guten Blick auf die Akropolis und den Sonnenuntergang hatte.

Besichtigt haben wir die Akropolis übrigens nicht: der Preis von 20 Euro pro Nase war uns doch zu hoch, nachdem wir in Delphi schon unseren Drang nach Ruinen gestillt hatten. Die Silhouette, die von fast überall deutlich sichtbar über der Stadt thronte, war aber schon cool. Überhaupt war dieser Blick von oben auf Athen eines der beiden Highlights unseres Besuchs: Die Stadt kam uns von dort unglaublich riesig vor, ein richtiger Moloch aus weißen Häusern, der sich bis weit in die umliegenden Hügel und bis ans Meer erstreckt. Ein wenig erinnerte uns das an Bogotá. Neben der Akropolis gab es auch noch eine Reihe weiterer Hügel, die das Stadtbild angenehm aufpeppten.

Und das zweite Highlight? Das Essen. Athens vegane Szene hat uns wirklich nachhaltig beeindruckt. An zwei Tagen in Athen gingen wir drei Mal Essen und probierten Souflaki, Moussaka und Co. aus. Geschmeckt hat es wunderbar und nebenbei unseren Monatsbedarf an Bratfett und Olivenöl gedeckt. Danach waren wir doppelt froh: einerseits, weil wir so viele leckere Sachen probieren konnten und andererseits, weil wir in Zukunft wieder selbst in unserem Van kochen durften.

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